Schärfere Corona-Maßnahmen Stadt und Landkreis Hof ziehen die Zügel an

Volle Garderoben, wie hier in St. Pius in Hof, wird es von nächster Woche an nicht mehr geben. Foto: /Thomas Neumann

Von Montag an gelten in Stadt und Landkreis schärfere Regeln für Notbetreuung und Lebensmittelhandel. Außerdem steigt am Samstag die Bundeswehr mit im Impfzentrum ein.

Hof/Landkreis - In einer gut und prominent besetzten Pressekonferenz haben Stadt und Landkreis Hof am Donnerstagmittag vier Themenbereiche im Kampf gegen Corona verkündet, in denen es von der nächsten Woche an Änderungen und Einschränkungen geben wird. Entsprechende Allgemeinverfügungen werden gerade erarbeitet und aufeinander abgestimmt (Vorab-Versionen sind bereits in Umlauf). Die Aussagen werden für Stadt und Landkreis identisch sein, sie gelten vorerst bis zum 2. Mai. Erarbeitet wurden die Ziele und Inhalte in den vergangenen Tagen von einem Gremium bestehend aus mehr als 60 Vertretern von Stadt und Landkreis, Bürgermeistern und Kita-Trägern, Schulen und Unternehmen aus Stadt und Landkreis. Die vier Punkte im Einzelnen:

1. Die Notbetreuung an Kitas und Schulen wird beschränkt auf Familien, in denen beide Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten (und die nicht im Homeoffice tätig sind).

2. Auch die Händler, die derzeit geöffnet haben dürfen, müssen ihre Hygienemaßnahmen nochmals nachschärfen: Von nächster Woche an gelten eine Maskenpflicht für Kassierer auch trotz Trennscheiben und eine Pflicht für medizinische Masken bei körpernahen Dienstleistungen, wenn der Kunde gerade keine Maske trägt; auch fürs Desinfizieren von Einkaufswagen und -körben gelten strengere Vorgaben.

3. Hof bekommt nächste Woche 2000 weitere zusätzliche Impfdosen. Sie zu verimpfen, wird auch unter Mithilfe der Bundeswehr geschehen: Von Samstag an werden die ersten Kräfte im Einsatz sein. Wie viele es schlussendlich werden und woher sie kommen, steht noch nicht fest, das orientiert sich an der Anzahl der verfügbaren Impfdosen. Wichtig: Es wird kein zusätzliches Impfzentrum geben, wie es Medienmeldungen der vergangenen Tage hätte entnommen werden können – die Soldaten sind dazu da, die Betriebszeiten und Kapazitäten des Hofer und später auch des Helmbrechtser Impfzentrums zu erweitern. Für die Anmeldung und Registrierung von Patienten ändert sich damit nichts.

4. Von Mai an soll in Stadt und Landkreis Hof die Luca-App im Einsatz sein: eine elektronische Möglichkeit der Kontaktverfolgung. Auch eine Version für alle, die kein Smartphone haben, wird es geben (siehe Artikel unten).

Die Details: Seit Donnerstagmorgen macht in Stadt und Landkreis eine neue Allgemeinverfügung zur Notbetreuung die Runde (die noch keine endgültige Version darstellt, der genaue Wortlaut wird noch abgestimmt): Die Notbetreuung in Kitas und Schulen wird stark eingeschränkt. Gesundheitsminister Holetschek hatte ursprünglich gefordert, die Notbetreuung im Hofer Land komplett einzustellen, doch Landrat und Oberbürgermeisterin hielten dagegen – stellen nun aber massive Einschränkungen vor. Vom 19. April bis (vorerst) 2. Mai gilt: Nur Eltern, die beide in systemrelevanten Berufen arbeiten und von denen keiner im Homeoffice tätig ist, dürfen ihre Kinder in eine Notbetreuung schicken.

Am Montag saßen die Träger der Kitas und die Behörden virtuell zusammen, um zu überlegen, wie man die Zahl der Kinder in Notbetreuung reduzieren kann. „Unser Ziel war es, die Einheiten möglichst klein zu halten – damit bei positiven Fällen, die es täglich gibt in den Kitas, möglichst wenige Familien betroffen sind“, erläutert Landrat Oliver Bär. Denn: Allein in der vergangenen Woche habe es Fälle in 16 Kitas in Stadt und Landkreis gegeben, teilweise musste die gesamte Einrichtung geschlossen werden. „Da haben dann auch systemrelevante Familien keine Betreuungsmöglichkeit mehr.“

Wer wird bisher betreut? Die Zahlen schwanken stark: „In manchen Kitas haben wir weit über 50 Prozent Belegung, in anderen nicht einmal zehn Prozent“, sagt Gerhard Zeitler, Leiter des Jugendamts des Landkreises. Die aktuelle Entscheidung habe man aber nicht davon abhängig gemacht, betont Eva Döhla: „Uns war es wichtig, für alle gleiche Bedingungen und Regeln zu schaffen.“ Schon ein Appell vom Freitag an die Familien, zu überlegen, ob man die Kinder nicht daheim lassen könne, habe Wirkung gezeigt: „Am Montag waren bereits deutlich weniger Kinder in den Einrichtungen.“ In den Grund- und Mittelschulen waren bislang 433 Kinder in der Notbetreuung, in den Förderschulen 143 und den weiterführenden Schulen 43. Eltern, die einen Anspruch auf Notbetreuung anmelden wollen, müssen fortan eine Erklärung ausfüllen.

Wer hat jetzt Anspruch? Wichtigster Inhalt der Informationsschreiben, die in diesen Tagen an die Eltern herausgehen oder schon gegangen sind: Sie müssen nachweisen, dass beide Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind. Als solches definiert sind beispielsweise Mitarbeiter in Gesundheits- und Pflegeberufen, der öffentlichen Infrastruktur oder der Lebensmittelversorgung, aber auch des Bestattungswesens, der Behörden und der Kinder- und Jugendhilfe. Auch Medienvertreter und Brief- und Paketboten sind nachträglich noch auf die Liste genommen worden. Die komplette Liste bekommen die Eltern nun – zusammen mit der Allgemeinverfügung selbst und der Eltern-Bestätigung – über die Schulen und Kitas

Wo ändert sich nichts? Für die Abschlussklassen und die anstehenden (Abitur-)Prüfungen gelten die Aussagen der bisherigen Allgemeinverfügung dazu. Nötige Prüfungen dürfen weiterhin absolviert werden, das weitere Vorgehen sprechen Landratsamt, Rathaus und Schulen in ihren wöchentlichen Meetings ab. Auch auf die in der Stadt Hof geltenden Einschränkungen, beispielsweise die Ausgangssperre schon ab 20.30 Uhr, haben die neuen Schriftstücke keine Auswirkungen. Döhla und Bär machten im Pressegespräch deutlich, dass sie ohnehin davon ausgehen, dass es nächste Woche bundes-einheitliche verschärfte Regelungen an diesem Punkt geben wird, die man dann übernimmt.

Die Bundeswehr: Am Mittwoch ist der zuständige General in Hof gewesen, um zusammen mit Landrat und Oberbürgermeisterin zu entscheiden, wie genau der Bundeswehr-Einsatz in der Region aussehen könnte. Er wird, das steht schon fest, am Samstag im Impfzentrum Hof beginnen und soll später auch auf die Einrichtung in Helmbrechts ausgeweitet werden. Die Bundeswehr wird also nicht noch ein drittes Zentrum einrichten, wie man Medienmeldungen hätte verstehen können: Sie wird die lokalen Akteure unterstützen. In welchem personellen und zeitlichen Ausmaß das geschehen kann, das orientiere sich an der Verfügbarkeit von Impfstoff. Nächste Woche erhält die Region 2000 weitere Impfdosen zusätzlich zur regulär verfügbaren Menge, die Zusammensetzung, welche Impfstoffe es geben wird, steht noch nicht fest. Derzeit werden gut 1100 Menschen täglich geimpft in Stadt und Landkreis, die Impf-Quote beträgt 25 Prozent.

Die beschlossenen Einschränkungen, dessen sei man sich schmerzlich bewusst, bedeuteten vor allem für viele Familien sehr harte Einschnitte. Das betonten Bär und Döhla mehrmals im Gespräch. Doch man erachte diesen Weg als „leider nötig“. Er sei das Ergebnis von viel Arbeit und Austausch auf breiter Ebene und sei einmütig im genannten Arbeitskreis befürwortet worden.

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