Schlosstheater Thurnau Die Chemie hat gepasst

Rainer Unger

Zehn Jahre Schlosstheater in Thurnau: Ein schöner Anlass zu feiern und gemeinsam Rückschau zu halten.

Das war eine Fete so recht nach dem Geschmack der Gäste und die Stimmung war bestens: „Ich möchte nur feiern mit euch, essen und trinken und heute kein Theater spielen. Und es gibt auch keine langen Reden“, versprach Wolfgang Krebs zu Beginn des Festes anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Schlosstheaters Thurnau am Freitagabend im alten Rathaus.

Feuer und Flamme

„Wir kennen uns schon länger als zehn Jahre. Ich war damals Bürgermeister in Thurnau und eines Tages hat es an meine Tür geklopft. Wolfgang Krebs kam herein und hat mich gefragt, wie die Gemeinde dazu stünde, wenn er ein kleines Theater gründen möchte. Ich habe geantwortet, das weiß ich nicht, wie die Gemeinde dazu steht, ich selbst war aber sofort Feuer und Flamme“, erzählte Dietmar Hofmann, inzwischen Vorsitzender des Fördervereins des Schlosstheaters und selbst leidenschaftlicher Schauspieler bei den Berndorfer Kirchenmäusen, zu Beginn des Abends.

Und an eines kann sich Hofmann heute noch erinnern, wenn er an diese erste Begegnung zurückdenkt: „Die Chemie zwischen uns hat sofort wunderbar gepasst!“ Den Wunsch, im Schloss zu spielen, konnte er ihm zwar nicht erfüllen, und auch die Idee, den alten Saal der Schlossbräu zu nutzen, war nicht zu realisieren, aber er konnte ihm das alte Torwärterhaus zur Verfügung stellen.

Schönes Ambiente

„Für den Einstieg war das genau das Richtige. Es hat ein schönes Ambiente und es fanden 65 Zuschauer Platz“, führte Wolfgang Krebs, der auf eine gut 35-jährige Theater-Karriere zurückblicken kann, bei der geselligen Zusammenkunft aus, an der zahlreiche Kollegen von ihm, die in Thurnau als Schauspieler oder Regisseure teils mehrfach wirkten, die fleißigen Helfer vor und hinter der Bühne sowie Förderer und Sponsoren teilnahmen. Nach einer Schauspielausbildung in Frankfurt und Paris begann er in der Mainmetropole seine Bühnenkarriere, war danach mehrere Jahre mit einem Tournee-Theater in ganz Deutschland unterwegs und anschließend ab Ende der 1980er-Jahre ein Jahrzehnt in Norditalien.

Künstlerischer Leiter

Am Lago Maggiore wohnend spielte er unter anderem in Turin und Mailand und auf einer Europa-Tournee. In Mailand und später in München bildete er als Lehrer Schauspieler aus, war künstlerischer Leiter am Schauspielstudio München und gründete 2001 mit Kollegen die Regensburger Schauspielschule, die er sieben Jahre leitete.

Was ihm dabei fehlte? „Ich wollte selbst wieder spielen“, betonte er. Den „Ausbruch“ aus der Lehrtätigkeit ermöglichte ihm ein ehemaliger Schüler, Nico Jilka, der einen Regisseur für ein Stück suchte. „Nico hat mich weggelotst und auch die Verbindung zu Jan Burdinski vom Fränkischen Theatersommer geknüpft“, erläuterte Wolfgang Krebs dazu. Und auch Nico Jilka ist dem Wahl-Thurnauer dankbar: „Wolfgang hat mich mein ganzes künstlerisches Leben begleitet und mich und andere in ihrer künstlerischen Arbeit sehr geprägt!“

Warmherziger Mensch

Ein weiterer ehemaliger Schüler hatte ebenfalls höchstes Lob übrig: „Wir alle kennen Wolfgang als warmherzigen Menschen, aber als Lehrer war er ein harter Hund“, gab Janos Kapitany preis. Dies war aber auch richtig, denn nur dadurch habe er den Biss und das Durchhaltevermögen bekommen, das man in der Branche braucht.

Wolfgang Krebs gründete kurz danach das Tukan-Theater, mit dem er jahrelang durch ganz Bayern tourte. Irgendwann wollte er aber sesshaft werden, nicht mehr nur aus dem Koffer leben.

Am 30. November 2012 war es schließlich so weit. Im Solo-Stück „Novecento – die Legende vom Ozeanpianisten“ von Alessandro Baricco brillierte der gebürtige Frankfurter, verzückte die Zuschauer in rund 20 folgenden Aufführungen und erzählte dabei die rührende Geschichte eines Findelkinds, das zeit seines Lebens nie das Schiff, auf dem es gefunden wurde, verlässt.

Zwiespältige Gefühle

Nicht alle Stücke kamen bei allen an, verriet er während des Dia-Vortrags, zeigte dabei ein Foto aus „Allein in der Sauna“ von Frank Pinkus, das ihn leicht bekleidet zeigt: „Einige sind dann nach der Pause weggeblieben“, gab er zu. Für Furore und zwiespältige Gefühle sorgte auch „Sex, aber mit Vergnügen“ von Dario Fo.

 

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