Schönbrunner Weihnacht Für "Hilfe für Nachbarn" singen engelsgleiche Stimmen

Jürgen Henkel

Die Sängerinnen Johanna Sturm und Jana Sommer bieten edle alpenländische und klassische Klänge. Martin Sturm brilliert mit Improvisationen auf der historischen Orgel. Der Erlös kommt „Hilfe für Nachbarn“ zugute.

Brillanz in Klang und Gesang: Jana Sommer, Johanna Sturm und Martin Sturm (von links) sorgten mit ihrem exzellenten Programm bei der „Schönbrunner Weihnacht“ für echte Besinnung. Foto: Jürgen Henkel

Das war zwischen all der Adventshektik mit mittlerweile unendlich viel Kitsch eine ganz besondere Stunde von echter Besinnlichkeit, die am Samstag bei der „Schönbrunner Weihnacht“ in der ebenso heimeligen wie wunderschönen Kirche St. Peter zu erleben war. Im Rahmen des federführend vom Rotary Hilfswerk Fichtelgebirge organisierten Konzerts spielte mit Martin Sturm ein Spitzenorganist die Orgel, seines Zeichens Professor für Orgel und Improvisation an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Jüngst hatte er ein Konzert im Kölner Dom gegeben, nun kam die etwas kleinere Dorfkirche zu Schönbrunn in diesen Genuss.

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Einstimmung aufs Christfest

Mit der Mezzosopranistin Jana Sommer und der Sopranistin Johanna Sturm aus Weimar waren zudem zwei hochkarätige Sängerinnen zu Gast. Sie boten mit ihren engelsgleichen, warmen und strahlenden Stimmen eine authentische Einstimmung auf das nahe Christfest mit wohltuend traditionellen Werken. An der Orgel begleitet wurden sie von Martin Sturm, der die ganze Bandbreite der Schönbrunner Orgel an diesem Abend bravourös nutzte.

Auftakt mit Hymnus

Auftakt war mit dem ganz besonders eleganten und feierlichen Hymnus „Veni Emmanuel“, vielen sicher bekannt als Gemeinde-Choral im Evangelischen Gesangbuch unter dem Titel „O komm, o komm, du Morgenstern“. Dieser Hymnus aus dem französischen Missale stammt aus dem 15. Jahrhundert und atmet in Formenstrenge, Klangschönheit, liturgischer Eingängigkeit und Diktion immer noch das ausklingende musikalische Mittelalter, das umso dunkler erscheint, je weniger man es kennt. Wunderbar austariert und perfekt aufeinander eingestellt brachten die beiden Sängerinnen schon hier die Herzen des Publikums zum Schmelzen und sorgten für Rührung.

Klangkaskaden mit Dudelsack

Beim anschließenden „O Heiland, reiß die Himmel auf“ durfte das Publikum nach einer ausgiebigen Orgelimprovisation von Martin Sturm auch mitsingen. Der Organist entlockte dem historischen Schönbrunner Instrument wahre Klangkaskaden von wohlig bis aufwühlend und ließ bei späteren Stücken auch Dudelsack und Flöten aus der Orgel heraus erklingen. Das alles in einer unaufgeregten, professionellen und zugleich höchst souveränen Spielweise, die Kontemplation und Ausdruck, Spielfreude und dem stillen Advent angemessene Innigkeit genauso vollendet verband, wie dies Johanna Sturm und Jana Sommer im Gesang vorführten. Da saßen alle Töne, und jeder gespielte und gesungene Takt und Vers ließ das Publikum gefühlt neu innehalten.

Herzinnige Stücke

Das Programm war eine gelungene Mischung aus alpenländischen und klassischen Klängen. So waren unter anderem äußerst bekannte und beliebte Stücke wie „Maria durch ein Dornwald ging“, „Es wird scho glei dumpa“ von Anton Reidinger, „Still, still, still“ aus dem Salzburger Land und der berühmte südtiroler „Andachtsjodler“ aus dem 18. Jahrhundert zu hören. Ein wunderbares Mosaik aus bewegenden und herzinnigen Stücken, die angesichts der Verkitschung von Weihnachten zeigte, dass es auch heute noch mehr gibt als „Jingle Bells“, „White Christmas“ und „Driving Home for Christmas“. Wobei die ganz besonders intensiven Interpretationen der Sängerinnen im Verbund mit der Orgel natürlich wesentlich waren für die Eleganz und Klasse dieses Weihnachtskonzerts.

Brillante Virtuosität

Neben den eleganten wie bekannten alpenländischen Klassikern waren auch besondere Stücke zu hören wie etwa „Schlaf wohl, du Himmelsknabe“, bei dem Martin Sturm einmal mehr seine brillante Virtuosität bei einem längeren Orgelsolo mitten in dem Werk vorführte. Dies gilt freilich auch für die kunstvolle wie seine tiefgründige Orgelimprovisation zu „Es ist ein Ros entsprungen“, bei dem das Publikum nochmals mitsingen durfte. Auch das hauchzarte bis herzinnige „Ich steh an Deiner Krippen hier“ von Johann Sebastian Bach kam auf formvollendete Weise an diesem Abend zu Gehör, bevor die Musik im gemeinsamen „O du fröhliche“ ausklang.

Rotary Club Fichtelgebirge bedankt sich

In Vertretung des erkrankten Pfarrers Thomas Browa von der gastgebenden Kirchengemeinde Schönbrunn spendete am Schluss des Weihnachtskonzerts Pfarrer Klaus Wening aus Marktredwitz den Segen. Johannes Troesch, der Präsident des Rotary Clubs Fichtelgebirge, freute sich darüber, dass diese Gemeinschaftsaktion mit der Kirchengemeinde erneut hatte stattfinden können. Er dankte den Sponsoren für die Unterstützung sowie Landrat Peter Berek und Bürgermeister Nicolas Lahovnik für die Übernahme der Schirmherrschaft. Der Reinerlös des Konzerts ist für die Aktion „Hilfe für Nachbarn“ bestimmt.