Regnitzlosau/Hof Müssen Schüler wegen Landbus warten?

Solche Kleinbusse sind für das Landbus-Projekt im Einsatz. Die Fahrgäste können die Fahrten flexibel über eine App oder telefonisch buchen. Derzeit nur in den Gebieten von Rehau und Regnitzlosau, bald auch in weiteren Kommunen. Foto: /Uwe von Dorn

Viol Reisen hat zwei Busfahrten nach Regnitzlosau und Rehau zusammengelegt. Grund dafür ist auch der Hofer Landbus. Leidtragende sind vor allem die Schüler.

Regnitzlosau/Hof - Eigentlich sollte der Hofer Landbus, so das Ansinnen des Landratsamtes, die Dörfer und kleinen Gemeinden besser vernetzen – ohne dass dadurch Konkurrenz zum regulären ÖPNV entsteht. Dieser Fall ist nun trotzdem eingetreten, wie eine Anfrage der Grünen-Kreisrätin Mirjam Kühne in der Sitzung des Gremiums am vergangenen Freitag zeigte. Auch aufgrund der Auswirkungen des Landbusses hat das Busunternehmen Viol Reisen zwei Fahrten seiner Linie von Hof über Gattendorf und Regnitzlosau nach Rehau zusammengelegt. Betroffen sind davon vor allem Schüler aus Regnitzlosau. Sie müssen nun noch länger warten, um mit dem Bus nach Hause zu kommen. An besonders langen Schultagen ist das nun überhaupt nicht mehr möglich.

Lange Wartezeiten: Kühne setzt sich dafür ein, das zu ändern. Ihr Sohn, der das Schiller-Gymnasium besucht, ist von der Situation betroffen. Daher machte sie sich in der Kreistagssitzung, ebenso wie in der jüngsten Regnitzlosauer Gemeinderatssitzung, über den Stand in Sachen Schülerbeförderung kundig.

Ist ihr Sohn bis um 16 Uhr in der offenen Ganztagsschule, wie es momentan an einem Wochentag der Fall ist, muss er bis um 16.53 Uhr warten. Dann fährt der Bus am Hof-Bad ab. „Das ist im Sommer okay, aber im Winter ein Problem“, findet Kühne. Bis zum vergangenen Jahr fuhr der Bus um 16.22 Uhr. Weggefallen ist nun auch die Spätfahrt, die um 17.52 Uhr die Haltestelle am Hof-Bad passierte. Kühne: „An einem Tag hat er bis um 17 Uhr Schulsport. An diesem Tag wird er von uns abgeholt, weil es keine Möglichkeit mehr gibt, mit dem Bus heimzufahren.“

Extreme Wartezeiten muss die Tochter von Alexandra Hensel in Kauf nehmen. Vier Mal in der Woche hat sie Nachmittagsunterricht, sie besucht die Bläserklasse; an diesem Tag endet der Unterricht um 13.45 Uhr. Bis der Bus nach Regnitzlosau fährt, muss sie mehr als drei Stunden in Hof ausharren. „Ich verstehe, dass nicht stündlich ein Bus fahren kann. Aber so finde ich das nicht in Ordnung“, betont Hensel.

Das sagt das Amt: 44 beförderungspflichtige Schüler aus Regnitzlosau werden im kommenden Schuljahr eine weiterführende Schule in Hof besuchen, teilt die Pressestelle des Landratsamts auf Anfrage mit. Die Behörde schlägt für den Fall eines Unterrichtsschlusses um 13.45, 14 oder 14.30 Uhr folgende Lösung vor: „Die Schüler können die Rückfahrt um 14.52 Uhr zumindest bis Gattendorf antreten.“ Ab dort werde den Eltern für den Einsatz ihres Autos auf Antrag Entschädigung angeboten.

Die Suche nach einer befriedigenderen Lösung läuft bereits: „Wir sind in Gesprächen mit den betreffenden Beförderungsunternehmen und versuchen, eine Linienverlängerung dieser Nachmittagsfahrt bis Regnitzlosau zu erreichen.“

Landbus führt zu Einbußen: Von derzeit laufenden Verhandlungen mit der Firma Viol Reisen hatte der ÖPNV-Planer des Hofer Landratsamtes, Michael Stumpf, auf Kühnes Anfrage hin in der Kreistagssitzung berichtet. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Geschäftsführerin Sabine Viol, was dahintersteckt. Die Zusammenlegung der Nachmittagsfahrten habe „wirtschaftliche Beweggründe“. Bereits seit im Jahr 2017 mit dem Abriss des Zentralkauf-Gebäudes der Hofer Busbahnhof weggefallen war, hätten die Verkäufe von Einzelfahrkarten abgenommen. Dann kam der Hofer Landbus. Der fährt zwar aktuell noch nicht von Rehau und Regnitzlosau nach Hof, doch verkehrt er zwischen den beiden Orten – eine Strecke, die ebenfalls Teil der betroffenen Linie ist. „Das hat uns bereits in den ersten drei Monaten weit über 50 Prozent an Umsatz gekostet“, berichtet Viol.

Also habe man sich, in Absprache mit den Fahrgästen, dazu entschieden, im Dezember 2020 einen Fahrplanwechsel vorzunehmen. Das darf Viol eigenmächtig tun, da das Unternehmen die Linie eigenwirtschaftlich betreibt und dafür keine Zuschüsse bezieht. Somit muss es sich nicht an vom Landratsamt geplante Zeiten halten. Nach ihrer Meinung fragen konnte das Unternehmen nur die regulären Fahrgäste, nicht aber die Schüler. Deren Belange könne man nur über Landratsamt und Kommune abfragen. Die Behörden hätten aber keinen Einspruch eingelegt.

Den Fahrplan auf die Unterrichtszeiten aller Schulen abzustimmen, sei ein Ding der Unmöglichkeit, sagt Viol. „Es ist bei den weiterführenden Schulen nicht möglich, gerade am Nachmittag einen einheitlichen Unterrichtsschluss hinzukriegen.“ Schon länger plädiere sie bei den Verantwortlichen etwa für reine Auswärtigen-Klassen, die alle zur selben Zeit Nachmittagsunterricht haben.

Weil es weitere Verluste auf seiner Linie befürchtet, hat das Unternehmen nun hinsichtlich der Erweiterung des Hofer Landbusses gen Gattendorf sein Veto eingelegt. Ein Verhandlungspunkt mit dem Landratsamt seien Ausgleichszahlungen. Hierzu habe es bereits ein Gespräch mit Landrat Oliver Bär gegeben. Eine grundlegende Einigung sei bereits erzielt. Jetzt gehe es nur noch um Details und darum, die Vereinbarungen schriftlich zu fixieren.

Schutzzeiten: Ein solches Detail sind auch Schutzzeiten, wie Michael Stumpf, ÖPNV-Planer des Landkreises, im Gespräch mit der Frankenpost erklärt. Konkret heißt das: Um die regulären Busfahrten von Viol herum soll der Landbus in einem „Korridor von einer Stunde“ nicht mehr buchbar sein. Das gelte es nun, in die App einzuprogrammieren, über die die Fahrgäste den Bus anfordern können. „Die Softwareentwickler arbeiten daran“, sagt Stumpf. Erst wenn sie fertig sind, werden Gattendorf und Döhlau an das Landbus-Netz angeschlossen. Im „ersten Quartal 2022“ sollen erste Frankenwald-Kommunen Teil des Projekts werden. Auch dort werde es Schutzzeiten geben.

Im Gemeinderat: Auch die Kommune sieht Mirjam Kühne, die im Regnitzlosauer Gemeinderat sitzt, in der Pflicht, sich für die Schülerbeförderung stark zu machen. In der jüngsten Sitzung des Gremiums berichtete sie von der Situation und betonte: „Wir wollen keine Fahrtkostenerstattung. Wir wollen vernünftigen ÖPNV.“

Bürgermeister Jürgen Schnabel erklärte, dass die Schülerbeförderung das Landratsamt koordiniert. Kühne. Mit diesem stehe er bereits in Verbindung. Die Grünen-Rätin empfahl der Verwaltung, mehr Druck auf die Behörde auszuüben. Der Bürgermeister solle zudem bei den Schulen eine bessere Koordination der Stundenpläne anregen.

Schnabel hofft, dass sich die Lage ab Herbst entspannt. Dann soll der Landbus auch zwischen Hof und Regnitzlosau verkehren. „So können wir vielleicht die eine oder andere Spitze ausgleichen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

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