Schülertexte Klasse! Coden, ein Hand- statt Hexenwerk

Programmier-Unterricht für Lehrer ist in der Region selten bis nicht im Angebot. Das Projekt "Coding Kids", das Viertklässler an die Informatik heranführt, hat nun auch für Pädagogen einen Kurs veranstaltet.

Rehau - Bayern hat sich viel vorgenommen, um rund alle 6000 Schulen fit fürs digitale Zeitalter zu machen. Auch wenn mittlerweile Fördergelder bereitstehen, verlief die Umsetzung in den vergangenen Jahren recht zäh. Unter anderem verzögert sich die Fortbildungsoffensive für Lehrer noch wegen Rechtsfragen. Dabei gibt es längst Lehrer und Initiativen, die nicht gewartet haben und die seit Jahren handeln - und die den Streit zwischen Digital-Euphorikern und Skeptikern nicht mehr hören können. Eine Initiative ist das Projekt "Coding Kids" des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft Hof.

Vor drei Jahren von der Vorsitzenden Dr. Dorothee Strunz ins Leben gerufen, hat es seither mehr als 500 Schüler in der Stadt und im Landkreis Hof ans Programmieren herangeführt. Ein wichtigstes "Handwerk", wie Strunz es bezeichnet, um in einer Berufswelt bestehen zu können, die durch die Digitalisierung völlig umgekrempelt wurde. Als Geschäftsführerin des Rehauer Unternehmens Lamilux weiß sie, was die Wirtschaft von Schulabgängern erwartet. "Es muss zwar nicht jeder irgendwann Programmierer werden, aber jeder sollte wissen, dass hinter einer Software viele Zeilen Code stecken", sagt Strunz. Und das gehe am besten, wenn man zumindest in kleinen Teilen selbst einmal ein Programm geschrieben hat.

So sehen das auch einige Grundschullehrer aus der Region, die kürzlich an einer Fortbildung im Rahmen von "Coding Kids" teilgenommen haben - um die Software, die ihre Viertklässler während des Projekts von Tutoren nähergebracht bekommen, besser zu verstehen. In den Räumen der Firma Lamilux bekamen sie von Michael Scholz, Fachinformatiker in dem Unternehmen, und Jonas Schmitt, dualer IT-Student, erklärt, wie sie zum Beispiel einer Comic-Katze auf dem Bildschirm Bewegungsbefehle erteilen. "Die Codes für alle Aktionen sind in dem Programm bereits vorgeschrieben", erklärte Scholz die Software Scratch. "Der Nutzer muss die Code-Bausteine logisch zusammensetzen, um die Katze zum Beispiel in einem Quadrat laufen zu lassen." Für Viertklässler sei das teilweise schon fortgeschrittene Mathematik - zum Beispiel wenn es um Winkelmaße gehe und die Katze sich um 90 Grad drehen soll.

Dass es gar nicht so einfach ist, das bunte Tierchen in fließenden Bewegungen über den Bildschirm wandern zu lassen, fanden die Lehrer heraus, als sie selbst an Laptops probieren durften. Probieren - das sei ohnehin eine wichtige Tugend, wenn es ums Programmieren geht, sagte Scholz. Er und Jonas Schmitt sind von Anfang an bei den "Coding Kids" als Tutoren mit von der Partie. "Auf Anhieb klappt ein neuer Programmier-Befehl in den seltensten Fällen", sagte Scholz. Es gehe ums Tüfteln, Fehler machen, Nachdenken - und es dann besser machen. Die Schüler schrecke das nicht ab. Im Gegenteil: "Die meisten sind total begeistert bei der Sache und haben Spaß daran, die Funktionen der Programmiersprache auszutesten."

Lehrer hätten da manchmal wesentlich größere Berührungsängste, wenn es um den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht geht, sagte eine Teilnehmerin der Lehrerfortbildung. "Die Kinder gehen da weniger verkopft ran." Für Pädagogen gehe es neben didaktischen Konzepten deshalb auch darum, die Handhabung von Geräten und Programmen zu trainieren, um den Schülern einen sicheren Umgang damit vermitteln zu können. Denn wenn es um die reine Bedienung geht, seien die Schüler klar im Vorteil. Den Scratch-Kurs im Rahmen von "Coding Kids" sieht die Grundschullehrerin als eine gute Gelegenheit dafür an. Denn das Fortbildungsangebot in Sachen Programmieren ist für Lehrer nach wie vor dünn. "So eine Schulung habe ich in der Region noch nirgends im Angebot gesehen", sagt sie.

Einige der Grundschullehrer entwickelten während des Lehrgangs durchaus Respekt dafür, was ihre Schüler am Bildschirm so auf die Beine stellen. Doch sei das alles mach- und lernbar, sagte Strunz. "Programmieren erfordert zwar Präzision und Geduld, aber es ist kein Hexenwerk."

Mit der Schulung wolle man Lehrern auch die Hemmungen vor der Technik nehmen. Das Programm Scratch scheint dafür ein gutes Werkzeug zu sein. "Man sieht bei dieser Software schnell Ergebnisse", sagte Jonas Schmitt. Vor allem dieser Aspekt steigere auch bei den Kindern die Motivation dranzubleiben, sagte Anke Feselmayer, Referentin der Lamilux-Geschäftsleitung, die das Projekt koordiniert. "Und wenn eine Programmierung dann das erste Mal gelingt, ist das für die Kinder immer ein richtiges Highlight."

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