Schützenhaus Münchberg Meilenstein auf der „Baustelle mit Mut“

Nach über zwei Jahren Bauzeit feiert die Stadt Richtfest am Schützenhaus in Münchberg. Bislang läuft alles nach Plan, doch bald könnte Material knapp werden.

Nach 50 Schlägen haben die Zimmerleute dann doch ein Einsehen. Sie tauschen das Haushaltshämmerchen gegen den wuchtigen Vorschlaghammer. Da steht Bürgermeister Christian Zuber (SPD) schon längst das Wasser auf der Stirn. In alter Tradition soll er den letzten Nagel in den Dachstuhlbalken klopfen. Pro Schlag ist ein Seidla Bier für die Handwerker fällig, was Landrat Oliver Bär (CSU) ab Schlag 70 zu der süffisanten Prognose veranlasst: „Da gehen sie dahin, die Baukosten.“

Tatsächlich ging man einst von zirka 5,5 Millionen Euro für die Generalsanierung aus, aktuell sind es 8,1 Millionen Euro. Davon bekommt die Stadt sieben Millionen aus der Förderoffensive Nordostbayern. Sie ermöglicht einen langen Herzenswunsch der Münchberger: Ihr Schützenhaus erwacht zu neuem Leben. Aus dem maroden Gebäude von 1890 wird ein multifunktionaler Veranstaltungsort für Kunst, Kultur und Kulinarik. Sämtliche Feiern, Feste, Kongresse oder Konzerte sollen hier ab Herbst 2023 möglich sein.

Eingemauerte Flasche

Beim Richtfest am Mittwoch gewährt Rainer Kaspar vom städtischen Bauamt den Gästen einen Blick ins Innere. Der quadratische Raum fasziniert durch seine ungeahnte Höhe, mittlerweile kann man Bühne und Empore gut erkennen. Kaspar, der das Großprojekt betreut, erzählt auch Anekdoten. Etwa, dass man beim Ausbau der alten Glasbausteine eine eingemauerte Flasche der Handwerker fand, in der sie 1972 ihre Namen verewigten.

Für Kaspar ist es das letzte Bauprojekt vor seinem Ruhestand. „Angefangen habe ich damals mit einer Garage“, erzählt er. Als ihm der Bürgermeister vor allen Gästen für seine ruhige, sorgfältige Arbeit dankt, ist es ihm schon fast unangenehm.

Die nächsten Schritte

Lieber spricht er über die nächsten Bauabschnitte: Nachdem der Dachstuhl jetzt steht, wird das Gerüst im Saal aufgebaut. Nach dem Wiesenfest beginnen Entwässerungsarbeiten, dann folgen die Abdichtungen außen, innen kommt der Putz an die Wand. Der Stadtrat wird die Aufträge für Fliesen- und Estricharbeiten vergeben müssen. Von den acht Millionen, die die Sanierung kosten soll, sind erst drei Millionen vergeben. Bislang war die Baustelle noch nicht von Materialknappheit betroffen, Kaspar befürchtet jedoch, dass das bei den nächsten Ausschreibungen anders werden könnte.

Doch die Freude beim Richtfest-Meilenstein will er nicht verderben. Ein Bildschirm im Saal zeigt Fotos von all dem, was hier schon geschafft ist. Ende 2021 hievten Kräne die Deckenteile ins entkernte Innere.

„Diese Baustelle zeigt Mut“, findet Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz. Sie bezeichnet das Schützenhaus als ein Gebäude, das Identität stiftet. „Es wird ein Erfolg werden“, prophezeit sie. Mit Freude stelle sie fest, wie die Förderoffensive in der ganzen Region Hoffnung auslöst. Gerade der Hofer Landrat habe sich für das Förderprogramm stark gemacht – trotz aller Kritik. „Er hat sich gegen den Rest Bayerns durchgesetzt.“ Das Geld hält sie für gut angelegt, es steigert ihrer Meinung nach die Lebensqualität in Münchberg, was in Zeiten sich verändernder Innenstädte enorm wichtig sei.

Häuser mit Geschichte

Der Landrat gibt den Dank gleich zurück, auch er macht klar: „Solche Gebäude braucht die Region.“ Deshalb habe man gemeinsam in München überzeugen müssen, dass es hier einen Nachholbedarf bei der Weiterentwicklung von historischen Häusern gibt. Doch die Menschen hier sind sich seiner Meinung nach ihrer Historie bewusst und wollen Häuser wie dieses weiterentwickeln. Deshalb bezeichnet er die Förderoffensive als notwendig und das Schützenhaus als einfach schön. Er ist sich sicher: „Viele werden angetan sein von dem neuen Schützenhaus und seinem neu entwickelten Geist.“

Der Bürgermeister wünscht sich einen Ort, der mit vielfältigem Leben gefüllt ist. Leben, das hier schon immer pulsierte, seit Generationen feierten die Münchberger im Schützenhaus ihre Polterabende, Faschingsfeste, Abschlussbälle und verbinden mit dem historischen Haus schöne Erinnerungen.

Trotzdem haderten einige mit dem Schützenhaus: Abriss oder Neubau – hier war man sich nicht immer einig. Auch Zuber wusste bei seinem Amtsantritt nicht, was daraus einmal wird, versuchte aber, es in verschiedene Förderprogramme zu bringen. Dank des fertigen Konzepts konnte man schnell reagieren, als die Förderoffensive startete. Sie gibt dem alten Schützenhaus nun eine zweite Chance. „Wir wollen hier einen echten Anziehungspunkt.“

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