Schwarzenbach wählt Von Wertschätzung und Geselligkeit

In einer lockeren Fragerunde verraten die drei Bürgermeister-Kandidaten aus Schwarzenbach an der Saale auch Persönliches über sich.

Schwarzenbach an der Saale hat viele tolle Veranstaltungen wie das Altstadtfest mit Sautrogrennen. Die drei Bürgermeister-Kandidaten sind keine Stubenhocker und tummeln sich gern auf den heimischen Festen. Foto: Frank Wunderatsch

Nicht alles ist immer bitter ernst – auch nicht im Wahlkampf. In der lockeren Fragerunde der beiden Frankenpost-Redakteure Patrick Gödde und Andrea Hofmann zeigt sich, dass die drei Schwarzenbacher Bürgermeisterkandidaten Humor haben. Und dass sie nie die Wertschätzung für ihr Gegenüber verlieren. Michael Haas (SPD), Ugur Cankurt (CSU) und Sebastian Schaller (ZukunftsMUT) antworten schlagfertig auch auf persönliche Fragen und auf Fragen zu weiteren Themen.

Nach der Werbung weiterlesen

Was schätzen die drei Bürgermeister-Kandidaten aneinander?

Michael Haas und Ugur Cankurt kennen sich gefühlt seit Ewigkeiten. „Ich schätze Michaels freundliche Art, er ist auch ein guter Freund.“ So war der SPD-Mann einer der ersten, dem Ugur Cankurt von seiner Kandidatur für die CSU erzählt hatte. Michael Haas revanchiert sich: „Ugur, du hast eine richtig tolle, humorvolle Art.“ An Sebastian Schaller schätzen beide den Mut, mit der ganz neuen Gruppierung ZukunftsMUT an den Start zu gehen: „Dass er etwas Neues von null aufbaut, da gehört schon viel dazu. Respekt!“, sagt Ugur Cankurt. „Ich finde das auch ganz klasse“, betont Michael Haas: „Und das tut auch der Demokratie gut.“ Sebastian Schaller freut sich über die netten Worte: „Ich schätze diesen fairen Umgang in der Wahlkampfphase. Das ist in der Politik heutzutage nicht mehr selbstverständlich.“

Die drei Kandidaten beschwören also weiter das Miteinander. Nun wird wohl auch die AfD in den Stadtrat einziehen. Welches Miteinander streben die drei denn mit der Partei an?

Ugur Cankurt, der für die CSU kandidiert, aber kein Parteimitglied ist, sagt: „Ich schaue nicht, welcher Partei jemand angehört, sondern ich schaue mir sein Engagement, seine Motivation, seinen Ehrgeiz, seine Leidenschaft an.“

Sebastian Schaller, bislang kein Stadtratsmitglied, betont: „Es geht um Sachpolitik. Wenn man was durchsetzen will, was gut für die Stadt ist, was man gemeinsam erreichen kann, dann muss man auch mit Parteien reden, deren Meinung man nicht vertritt.“

„Als Bürgermeister gibt es keine Parteipolitik, da gibt es Stadtpolitik“, sagt auch Michael Haas, momentan zweiter Bürgermeister: „Aufgabe eines Bürgermeisters ist eine faire Sitzungsleitung und allen gewählten Stadträtinnen und Stadträten die gleichen Informationen zur Verfügung zu stellen.“

Braucht Schwarzenbach nach der Schließung der Praxis von Dr. Clemens Kendzia noch einen weiteren Hausarzt?

Momentan gibt es in Schwarzenbach noch zwei Hausarztpraxen. „Gerne, ein Arzt ist immer gut“, sagt Ugur Cankurt. Er sieht hier aber nicht die Stadt in der Verantwortung: „Wenn der Landkreis stark da steht, dann gibt es auch Ärzte vor Ort.“ Ugur Cankurt sowie Michael Haas verweisen auf das Stipendienprogramm des Landkreises, bei dem Medizinstudenten gefördert werden, wenn sie sich danach im Hofer Land niederlassen. „Unter den Stipendiaten ist auch eine Schwarzenbacherin“, sagt Haas, „natürlich hoffen wir, dass sie in Schwarzenbach bleibt.“ Was aus seiner Sicht aber auch eine Rolle spielt: „Wir haben in Schwarzenbach nur noch eine Apotheke.“ Keinen akuten Handlungsbedarf sieht Sebastian Schaller. Dennoch sollte man dies aus seiner Sicht im Blick behalten und die Rahmenbedingungen schaffen, dass sich Ärzte gerne niederlassen.

Wofür fahren die Kandidaten in eine andere Stadt?

„Zum Arbeiten. Noch...“, sagt der Finanzbeamte Michael Haas schelmisch mit Blick auf den Bürgermeisterposten. „Nur nach Thiersheim, meine Eltern besuchen“, sagt Ugur Cankurt. Sebastian Schaller muss ein bisschen überlegen. Dann fällt ihm ein: Als er sein E-Auto gekauft und zu Hause noch keine Ladestation hatte, da ist er nach Münchberg zum Laden gefahren – mit kleinem Abstecher ins Fast-Food-Restaurant.

Wohnmobilstellplatz – ja oder nein?

Hier sind sich die Kandidaten einig: Schwarzenbach hat momentan andere Herausforderungen. „Natürlich wäre das gut für den Tourismus, aber wenn man kein Geld hat, kann man es nicht machen“, sagt Ugur Cankurt. „Es gibt dringendere Projekte“, ergänzt Sebastian Schaller. Auch Michael Haas hat den Wohnmobilstellplatz aus seinem Programm gestrichen. Er verweist auf die Wasser- und Stromstationen für Wohnmobile im Rathaushof – so etwas könnte er sich als Kompromiss noch anderswo vorstellen: „Da wären wir mit einem fünfstelligen Betrag dabei.“ Im Vergleich dazu, erklärt er, lagen die Kosten für den Wohnmobilstellplatz bei letzten Schätzungen bei 800.000 Euro.

Was halten die Kandidaten für ihre größte Schwäche?

„Ungeduld“, sagt Sebastian Schaller. Er rechnet schon damit, dass das im Verwaltungsbetrieb zur Herausforderung werden könnte. Weil die Frankenpost-Moderatoren „Neugier“ nicht als Schwäche gelten lassen, muss auch Ugur Cankurt seine Ungeduld gestehen. Michael Haas hat mit etwas ganz anderem zu kämpfen: „Mein Namensgedächtnis ist nicht das allerbeste.“ Namen schreibt er sich deshalb akribisch auf.

Und der Lieblingsplatz in Schwarzenbach?

„Der Förmitzspeicher und die Idylle außenrum“, schwärmt Sebastian Schaller. Hier, in Götzmannsgrün, ist er aufgewachsen, heute wohnt er in Martinlamitz. Michael Haas lebt in der Altstadt, und hier gefällt es ihm auch am besten: „Den Malerwinkel, den Bereich der Stegmühle finde ich schön.“ Von seinem Haus hat er den besten Blick. Lieblingsplatz? „Mein Edeka-Markt“, sagt Ugur Cankurt wie aus der Pistole geschossen und schwärmt vom Café und einem Architekturpreis. Das kann Michael Haas allerdings nicht unkommentiert lassen: „Warum bewirbst du dich denn dann weg?“ Da muss auch Ugur Cankurt lachen.

Auf welcher Schwarzenbacher Veranstaltung sind die Kandidaten am liebsten?

Schwarzenbach an der Saale, auch bekannt als Kunst- und Kulturstädtchen, hat viele gesellige und kulturelle Veranstaltungen, die Menschen aus der ganzen Region anlocken. Sebastian Schaller mag den italienischen Abend im Rathaushof am liebsten – hier hilft er selbst im Ausschank mit. Das Wiesenfest gehört für Ugur Cankurt zu den Highlights, weil er hier ausgelassene Zeit mit seiner Familie und seinen Kindern verbringen kann. Michael Haas mag das Altstadtfest noch lieber: „Weil sich da die gesamte Altstadt rausputzt mit bunten Lichtern, mit der Fähre über die Saale, und weil so viele Vereine mitwirken.“