Schweigen war gestern Kirche muss raus aus der Komfortzone

Die Friedensdekade in Kulmbach mit Ahmad Mansour zeigt: Kirche darf Konflikte nicht meiden, wenn sie gesellschaftlich relevant bleiben möchte.

Christian Weidinger Foto: Frank Wunderatsch

Es ist der richtige Schritt, dass sich die Kirche wieder stärker in gesellschaftliche Debatten einbringt – auch in solche, die unbequem sind. Lange wirkte sie, als flüchte sie vor den Konflikten unserer Zeit: Integration, Extremismus, gesellschaftlicher Zusammenhalt. Doch wer sich wegduckt, darf nicht über Bedeutungsverlust klagen.

Nach der Werbung weiterlesen

Dass es anders geht, hat die Friedensdekade in Kulmbach gezeigt. Die Einladung von Ahmad Mansour als Redner zeigt: Kirche kann Politik, ganz ohne Moralpredigt. Der Extremismus-Experte spricht offen über Probleme, die andere meiden. Er benennt Ursachen, ohne zu pauschalisieren; er fordert Verantwortung, ohne zu verurteilen. Die Kirche kann von Mansour lernen, wie man schwierige Themen anspricht, ohne zu spalten. Sie muss nicht seine Schärfe kopieren – aber seine Entschlossenheit, Konflikte nicht totzuschweigen.

Die Frage ist nicht, ob die Kirche an Relevanz verloren hat. Die Frage ist, ob sie bereit ist, sich diese neu zu verdienen – auf Augenhöhe und ohne Allmachtsanspruch.