Selb 2500 Arbeitsstunden am "Paradies"

Mit enormem Aufwand hat der Selber Alpenverein seine Kletteranlage in der Jahnturnhalle deutlich erweitert. Die Hälfte der Kosten von rund 75 000 Euro kam von diversen Sponsoren.

Selb - "Das ist die wahre Freude." Wenn Bernd Hofmann in den Boulderraum der Alpenvereins-Kletterer in der Jahnturnhalle geht, dann sieht der Vorsitzende des Selber Vereins den Lohn für hohen ehrenamtlichen Einsatz. Seit diesem Jahr üben die Jüngsten beim Eltern-Kind-Klettern - und die Begeisterung des Nachwuchses steckt förmlich an. Damit die etwas Größeren im Bühnenraum oberhalb des Boulderkellers ausreichend Platz und Schwierigkeitsgrade für das Spiel mit der Schwerkraft vorfinden, hat die DAV-Sektion Selb ihre Kletterhalle nun aufwendig erweitert.

Die DAV-Kletterhalle

Nach der Erweiterung bietet die Kletterhalle der Sektion Selb des Deutschen Alpenvereins im Bühnentrakt der Jahnturnhalle auf 300 Quadratmetern Kletterfläche rund 50 Routen, die bis in zehn Meter Höhe reichen und bis zu zwölf Metern lang sind. Im Boulderraum im Keller stehen weitere 100 Quadratmeter Kletterfläche zur Verfügung. Vom Oktober an ist die Anlage wieder an den gewohnten Trainingstagen geöffnet: Dienstag und Donnerstag von 18 bis 21 Uhr, Sonntag 17 bis 20 Uhr.

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Bis es so weit war, hatte er mit einer eigens gegründeten Arbeitsgruppe ein regelrechtes Mammutpensum an ehrenamtlicher Arbeit zu verrichten. 947 Dateien in 99 Ordnern dokumentieren laut Hofmann den enormen Aufwand, der hinter dem Großprojekt des Alpenvereins steckt. Damit gut die Hälfte der Kosten von rund 75 000 Euro aus verschiedenen Töpfen gefördert wurde, waren unzählige Korrespondenzen zu führen und Formulare auszufüllen, die mit Abstand meisten zum europäischen "Leader"-Programm. Mit diesem deckte der DAV 19 000 Euro seiner Kosten. Weitere Förderer waren der Landkreis Wunsiedel mit 7000, die Oberfrankenstiftung mit 5000, der Deutsche Alpenverein mit 4000 und die Sparkasse mit 1000 Euro.

Bei der Einweihungsfeier im Bühnenbereich der Jahnturnhalle nahm der Vorsitzende des Selber Alpenvereins die geladenen Gäste mit auf eine kleine Zeitreise. Nach der Schaffung des Boulderraumes im Keller im Jahr 2016 und einer kurzen Verschnaufpause startete die Arbeitsgruppe unter dem Titel Stark.Steil.Selberklettern zur nächsten Erweiterung der Kletterwand. Deren kleiner erster Bau war im Jahre 1999 über die Bühne gegangen. Noch wesentlich stärker als in den Anfangsjahren des Hallenkletterns engagierten sich die Aktiven mit geschätzt gut 2500 Stunden Eigenleistung bei der Erweiterung der Anlage.

Dazu gehörte deutlich mehr als nur die Arbeit an der Wand selbst: Wärmedeämmung für den Raum, Ausbau des Nebenraumes in einen Umkleidebereich - und sogar Arbeiten hoch droben auf dem Dachboden der alten Halle. Als die Fachfirma, die wie alle am Bau beteiligten Unternehmen in der Region beheimatet ist, im November vergangenen Jahres die Einzelteile für die neue Wand anliefern ließ, musste der Vorsitzende diverse überraschende Anrufe entgegennehmen. Der Zeitplan geriet an diesem Tag gehörig durcheinander, und in der damals aus Ausweichstrecke viel frequentierten Jahnstraße trat sogar die Polizei auf den Plan, als ein großer Lastzug zeitweise im Weg stand.

Nicht nur diese Probleme löste Bernd Hofmann auf seine Art und Weise - und dafür dankten ihm die Aktiven. Zum einen überreichten sie ein Schild im alten Alpenvereins-Stil mit der Aufschrift: Sektor Hofmann - nach ihm ist nun der ganze Wandteil benannt. Und Lisa Priester hob die unermüdliche Arbeit des Vorsitzenden in eigens verfassten Reimen hervor. Der gab das Lob ganz einfach zurück: "Wir alle haben bewiesen, welche Leistungen im Ehrenamt erbracht werden können."

"Ich schaue neidvoll und fasziniert in eure Richtung", stellte dazu Werner Kraus, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der Turnerschaft, und Hausherr fest. Er betonte das gute Miteinander der beiden Vereine und beglückwünschte den Alpenverein zu diesem "nächsten Meilenstein".

"Eine runde Sache" sah Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch in der gesamten Anlage. Es sei eine Genugtuung, einen "so tüchtigen Verein zu sehen." Dessen Angebot passe als "Nische für Klein und Groß" in das sportliche Angebot der Stadt. Pötzsch dankte auch der Turnerschaft dafür, dass sie ihre Türen für innovative Projekte öffne. Wolfgang Kreil, der Landrat Peter Berek bei der Veranstaltung vertrat, sah in der Kletteranlage ein "Paradies für das Trainieren im Klettersport".

Dass dieser Sport offenbar dauerhaft im Trend liegt, stellte Thomas Güntert aus Röthenbach bei Nürnberg, der Sprecher der nordbayerischen Alpenvereins-Sektionen, fest. Die kleine Sektion Selb, die ihre Mitgliederzahl bis heute auf 1670 gesteigert hat, sei einer der Vorreiter in Sachen Hallenklettern gewesen. Mit Überzeugungsarbeit habe man gegen anfängliche Widerstände im Alpenverein gekämpft. Der sei bis Ende des vergangenen Jahrhunderts überaltert gewesen, ehe ihm gerade der Kletterboom zu einer deutlichen Verjüngung geholfen hat.

Daran arbeitet die Selber Sektion mit ihrem Programm permanent weiter. Michael Hofmann vom Amt für Landwirtschaft in Münchberg, Koordinator der Leader-Programmes für Oberfranken, hob das Angebot des DAV für Schulen und Kindergärten hervor. Es umfasse neben dem Klettern auch Umweltbildung. Anlagen wie die in der Jahnturnhalle beugten Leerständen vor und seien somit Musterbeispiele für Krisenfestigkeit.

Ganz fertig ist der Selber Alpenverein mit der Erweiterung noch nicht. Neuer Fußboden, Schalldämmung und die Ergänzung des Boulderraumes stehen als Nächstes auf der Tagesordnung.

 
 

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