Selb Der neue VER macht schon Spaß

Die Wölfe besiegen im ersten Testspiel den Nord-Oberligisten Herforder EV mit 8:1. Die 527 Besucher sehen ein spielfreudiges Selber Team. Nur eines vermissen sie sehr.

Selb - Bis zu 950 Zuschauer waren zugelassen für das erste Testspiel des Eishockey-Oberligisten VER Selb. Nach 224 Tagen Eishockey-Abstinenz - abgesehen vom 1b- und von den Nachwuchsteams - waren es am Sonntag 527 Besucher, die sich auf den Weg in die Netzsch-Arena machten. Und dort war wegen der Corona-Infektionsschutzmaßnahmen vieles anders als sonst: Temperatur messen am Eingang, Einbahnstraßensystem auf der Tribüne, Abstand halten, Masken tragen bis zum zugewiesenen Platz und möglichst auch dort - und Anstehen vor den Toiletten, die maximal eine Person betreten durfte. Verzichten mussten die Wölfe-Anhänger auch auf ihr gewohntes Bierchen, das eigentlich wie der Puck zum Eishockey gehört. Innerhalb und außerhalb der Halle hatte der VER ein striktes Alkoholverbot ausgesprochen. Auch durften weder eigene Speisen noch Getränke zum Spiel mit gebracht werden.

Die Statistik
VER Selb - Herforder EV 8:1 (2:1, 5:0, 1:0)

Selb: Weidekamp (Mnich) - Hoffmann, Slavetinsky, Otte, Ondruschka, Böhringer, Linden, Silbermann, Wenisch - Snetsinger, Miglio, Geisberger, Hammerbauer, Gare, Deeg, Zimmermann, Schiener, Hechtl, Klughardt, Hirschberger.

Schiedsrichter: Lajoie. - Zuschauer : 527. - Tore: 4. Min. Miglio (Snetsinger, Slavetinsky) 1:0, 5. Min. Deeg (Gare, Hammerbauer) 2:0, 6. Min. Lalonde (4-5) 2:1, 22. Min. Schiener (Ondruschka, Hammerbauer; 5-4) 3:1, 23. Min. Geisberger (Otte) 4:1, 24. Min. Otte (Ondruschka, Deeg) 5:1, 30. Min. Hammerbauer (Gare, Deeg) 6:1, 36. Min. Miglio (Hammerbauer, Slavetinsky) 7:1, 59. Min. Schiener (Hammerbauer, Gare; 5-4) 8:1. - Strafminuten: VER Selb 4, Herforder EV 10.

Eine Maßnahme, die in den sozialen Medien einige Diskussionen ausgelöst hat. "Babys sollen Eintritt bezahlen und man darf nichts zur Verpflegung mitbringen. Wie soll das mit einem Kleinkind funktionieren?", fragte eine junge Mutter auf der Facebookseite des VER. Den Verein in Schutz nahmen andere User. Wenn es jemandem nur um den Sport gehe, seien die Auflagen überhaupt kein Problem. Und: "Muss ein Baby oder Kleinkind in der derzeitigen Lage tatsächlich zum Eishockey? Der Verein hat sich den Coronavirus sicherlich nicht ausgedacht." Vorsitzender Jürgen Golly sagte, dass ein Anruf bei der Geschäftsstelle genügen würde, um sich den Eintritt für die allerkleinsten Fans zu ersparen.

Der VER Selb hatte bereits im Vorfeld des ersten Spiels um Verständnis für die Hygieneregeln gebeten und mitgeteilt, dass es sich um einen "Testlauf" handeln würde. Nur wenn alle an einem Strang ziehen und diszipliniert das Hygienekonzept einhalten, könnten dauerhaft Heimspiele vor Zuschauern ausgetragen werden. Und in zwei Wochen vielleicht auch - zumindest im Außenbereich - wieder Bier ausgeschenkt werden.

Unterhaltsam war das Spiel am Sonntag aber auch ohne den für viele Fans gewohnten Becher in der Hand. Die Scheibe lief sehr ordentlich durch die Reihen des neuen Wölfe-Teams, das bereits nach fünf Minuten durch Treffer der Neuzugänge Miglio und Deeg mit 2:0 in Führung lag. Der Oberliga Nord-Aufsteiger aus Herford schüttelte aber die sechsstündige Anreise und den Rückstand schnell aus den Beinen und kam in eigener Unterzahl durch Lalonde, für den sich kein Selber so richtig zuständig fühlte, zum Anschlusstreffer. Spielbestimmend blieb aber der VER, der mit viel Zug zum Tor agierte und aus fast jeder Position sofort abzog.

Belohnt wurde die erfrischende Spielweise der Schützlinge von Trainer Herbert Hohenberger aber erst zu Beginn des zweiten Drittels wieder. Schiener, der im Powerplay einen Ondruschka-Schuss ins Tor lenkte, Heimkehrer Geisberger und Neuzugang Otte schraubten das Ergebnis binnen zwei Minuten auf 5:1 in die Höhe. Das halbe Dutzend voll machte - nach herrlicher Vorarbeit von Gare - mit Hammerbauer erneut ein neues VER-Gesicht. Die Gäste wirkten nun doch müde - und auch überfordert gegen die vor Spielfreude nur so strotzenden Wölfe, die noch im Mittelabschnitt durch Miglio den siebten Treffer nachlegten.

Etwas ruhiger mit dem Tore schießen ließen es die Hausherren im Schlussdrittel angehen. Es ging zwar fast nur in Richtung Herforder Gehäuse, die Aktionen waren aber nicht mehr so zwingend. Was nach der langen Spielpause auch nicht groß verwunderte. Erst kurz vor Schluss traf Schiener zum Endstand - und die Fans durften zufrieden nach Hause gehen. Auch ohne Bier.

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