Selb-Erkersreuth Aus Wirtshaus wird Gemeindezentrum

Jürgen Henkel

Die Kirchengemeinde Erkersreuth übernimmt die Gaststätte „Zwiebel“ vom Gartenbauverein. Mit der Weihe ist die umgebaute Vereinsgaststätte jetzt ein kirchliches Gebäude.

Glückliche und zufriedene Gesichter in Erkersreuth: Die evangelische Kirchengemeinde hat ein neues Gemeindezentrum, sehr zur Freunde von (von links): OB Ulrich Pötzsch, Landrat Peter Berek, Dr. Hermann Kunze, Gerhard Hechtfischer sowie Udo Rödel, Regina Netzsch, Pfarrer Jürgen Henkel, Anne-Sophie Göbel und Rainer Barthold vom Kirchenvorstand. Foto: /Gisela König

Selb-Erkersreuth - Nach längeren Planungen und Umbaumaßnahmen hat die Kirchengemeinde Erkersreuth am Sonntag ihr neues Gemeindezentrum eingeweiht. Dabei setzt die evangelische Pfarrei einen besonderen Akzent, ist doch das neue Gemeindehaus die frühere Vereinsgaststätte „Zwiebel“ des örtlichen Gartenbauvereins. So wird aus dem Wirtshaus ein kirchliches Gebäude. Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch und Landrat Peter Berek würdigten das Projekt als gelungenes Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit der Akteure vor Ort.

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Die Notwendigkeit für ein neues Gemeindezentrum hatte sich für die Kirchengemeinde aus dem Neubau und der Vergrößerung des Kindergartens „Zum Guten Hirten“ in Erkersreuth ergeben. Dafür musste das frühere Gebäude weichen, in dem auch die Gemeinderäume untergebracht waren.

Ein Neubau erwies sich als nicht finanzierbar. Zeitgleich tauchte die Möglichkeit der Übernahme der Vereinsgaststätte des Gartenbauvereins in der Ortsmitte auf, da der Verein keinen neuen Pächter fand. So packten Pfarrer Jürgen Henkel und der Kirchenvorstand (KV) die Gelegenheit beim Schopf.

Blick auf zwei Kirchen

Das Gebäude liegt genau zwischen den beiden Kirchen in Erkersreuth – vom Gastraum aus sind beide Gotteshäuser zu sehen. Bei dem Festakt zur Weihe nach einem feierlichen Festgottesdienst mit musikalischer Umrahmung durch Ingo Jahn an der Orgel sowie den Erkersreuther Kirchenchor unter der Leitung von Sabine Behr gab es erst einmal die offizielle Schlüsselübergabe durch den Vorsitzenden des Gartenbauvereins, Gerhard Hechtfischer, an Pfarrer Henkel und Vertrauensfrau Regina Netzsch.

Hechtfischer betonte dabei: „Nachdem die kleine Schlüsselübergabe vor drei Jahren zum ersten Gemeindefest in unserer Anlage erfolgte, übergebe ich Ihnen heute offiziell den ,Zwiebel‘-Schlüssel. Die gute Zusammenarbeit zwischen der evangelischen Kirchengemeinde und dem Gartenbauverein Erkersreuth machte es möglich, dass alles reibungslos über die Bühne ging. Unser gutes Verhältnis erlaubte es, viele Dinge auf dem kleinen Dienstweg zu erledigen. So dürfen wir auch weiterhin unsere Veranstaltungen im Gemeindezentrum halten, und die Kirchengemeinde kann unsere Festwiese auch für ihre Veranstaltungen nutzen.“

Regelmäßige Besuche von Kindern

Die Zusammenarbeit zwischen Gartenbauverein und Kirche trägt bereits weitere Früchte. Hechtfischer: „Mit großer Freude beobachten wir die regelmäßigen Besuche der Kindergartenkinder in unsere Anlage und es freut uns sehr, dass der Kindergarten in unserem Lehrgarten ein Hochbeet errichten möchte.“ Zum Abschluss übergaben Brigitte und Gerhard Hechtfischer auch ein bei Aufräumungsarbeiten in der „Zwiebel“ entdecktes Gemälde. Es zeigt den Blick durch den Torbogen des Schlosses auf die Kirche.

Vertrauensfrau Regina Netzsch vom Kirchenvorstand machte deutlich: „Wir haben durch den Kauf der ,Zwiebel’ wieder einen Treffpunkt geschaffen. Ob KV-Sitzung, Konfirmandenunterricht, Veranstaltungen des Gemeindevereins: Unsere Gemeindearbeit kann wieder in geordneten Bahnen verlaufen. Es war ein absoluter Glücksfall, als Herr Hechtfischer vom Gartenbauverein unserem Pfarrer die ,Zwiebel‘ zum Kauf angeboten hat, denn ein Neubau war finanziell nicht machbar.“ In der Zeit vor Corona habe die Gemeinde die Räume dann schon für Kirchenvorstandssitzungen, Konfiunterricht, das Osterfrühstück sowie weitere Veranstaltungen nutzen können.

Umbauarbeiten

Beim Umbau wurden der Eingang behindertenfreundlich erneuert, die Toiletten und die Küche neu gestaltet, die Türen und die Bepolsterung der Sitzgelegenheiten im Inneren erneuert und ein Notausgang eingerichtet. Auch wurden die Räume neu gestrichen. Damit ist das Gebäude nun für die Gemeinde nutzbar. In einem weiteren Schritt wird die Fassade noch verschönert. Netzsch und Henkel dankten Gisela Uhl, Gustav Kolofik, Hildegard Schlott und Meike Schmidt für deren besonderen Einsatz beim Umbau der „Zwiebel“. Auch Gerhard Hechtfischer galt der Dank der Kirchengemeinde.

Mit Lesungen, Gebeten und dem kirchlichen Segen weihte dann Pfarrer Dr. Jürgen Henkel das Gebäude zum Gemeindezentrum. Er be-sprengte es von allen Seiten sowie alle Räume mit wertvollem Weihwasser. Auch er dankte allen, die es ermöglicht hatten, dass die „Zwiebel“ zum neuen Gemeindezentrum werden konnte, darunter der Landeskirche für die entsprechenden Zuschüsse.

Win-win-Situation

Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch sprach von einer „Win-win-Situation“ für alle Beteiligten: „Die Kirchengemeinde hat wieder ein Gemeindezentrum und die ‚Zwiebel‘ bleibt geöffnet und kann auch vom Gartenbauverein genutzt werden. Außerdem wurde ein Leerstand verhindert. Von dieser Lösung profitieren alle vor Ort.“

Landrat Peter Berek lobte das Projekt als „beispielhaftes Modell für örtlichen Zusammenhalt in einer Gemeinde“. Er machte deutlich: „Wenn eine aktive Kirchengemeinde und ein örtlicher Gartenbauverein so eine Lösung hinbekommen, dann ist das ein gutes Zeichen weit über den Ort hinaus.“

Der stellvertretende Vorsitzende des evangelischen Gemeindevereins Dr. Hermann Kunze kündigte an: „Auch wir vom evangelischen Gemeindeverein freuen uns, dass die Gemeinde wieder ein Gemeindehaus hat und werden es gerne nutzen.“

Für die örtlichen Vereine ergriff schließlich noch einmal Gerhard Hechtfischer das Wort: „Die Vereine aus Erkersreuth, Selb-Plößberg und den umliegenden Dörfern wünschen dem neuen Gemeindezentrum einen guten Start, viel Erfolg bei den Veranstaltungen und viele interessante Begegnungen für Jung und Alt.“

Zum Abschluss des Festakts besichtigten die rund 40 Teilnehmer das Gebäude: im Gänsemarsch, im „Einbahnstraßensystem“ und mit dem nötigen Sicherheitsabstand. JH