Selb - Unter dem Motto „Mit Musik helfen“ haben am Dienstag wieder Gruppen, Musiker und ein Stimmenimitator ein buntes und gelungenes Potpourri an vergnüglicher Unterhaltung von Volks- und Wirtshausmusik bis zur leichten Muse geboten. In Person von Andreas Alfred Berger war sogar der berühmte Wiener Schauspieler und Volksnuschler Hans Moser zu Gast im Rosenthal-Theater. Die Musikanten und Künstler zeigten bei dem Benefizkonzert des Lions Club „Selb an der Porzellanstraße“ viel Engagement für den guten Zweck und warben gleichzeitig beim Publikum dafür, selbst zu musizieren.

Der Spielmanns- und Fanfarenzug der Stadt Selb setzte unter der Leitung von Anton Meisner einen schmissigen Auftakt mit Märschen und einer Adaption des Themas von „Star Wars“. Wie später auch Gerhard Wunderlich auf seiner Zither führten die Mitglieder des Spielmanns- und Fanfarenzuges gleich zu Beginn gekonnt vor, dass altbekannte Instrumente nicht nur für die Klassiker des Genres geeignet sind, wie etwa den „Coburger Marsch“, sondern auch moderne Stücke wie jenes Motiv aus „Krieg der Sterne“ mühelos adaptieren und ihnen „Fanfarenseele“ einhauchen können.

Das von Beate Lenk stilvoll, elegant und charmant moderierte Abendprogramm bot vor allem heimischen Künstlern eine Bühne. So folgte das Akkordeonensemble der Musikschule Selb unter der Leitung von Matthias Elser. Die buchstäblich „beswingt“ agierende Band mit Elser als Taktgeber und Constanze Schweizer-Elser am Keyboard zauberten mit Stücken etwa von Eric Clapton oder dem „Memory“ aus dem Musical „Cats“ trotz kleiner Besetzung richtig coolen Big-Band-Sound in den Konzertsaal.

Zur Melodie des Abends gehörte der fliegende Wechsel der Stilrichtungen. Nach der Band folgten mit Gerhard Wunderlich an der Zither wieder Stücke im Alpensound der Volksmusik. Von Saitenmystiker Wunderlich ruhig, emotions- und fast bewegungslos dargeboten, verzauberten die stillen aber intensiven, harmonischen und gleichzeitig eindringlichen Saitenklänge der Zither das Publikum. Dass er auch anders kann, zeigte Wunderlich im zweiten Teil, als er zeitgenössische Songs wie „Morning Has Broken“ und „Bridge Over Troubled Water“ gekonnt auf seiner Zither in Szene setzte und dabei die klangliche Vielseitigkeit seines Instruments unter Beweis stellte. Moderatorin Beate Lenk entlockte Wunderlich beim Small Talk auf der Bühne den Hinweis, dass er in diesem Jahr 50. Bühnenjubiläum feiert.
Unter dem Programmtitel „No Hobediehre“ trat zweimal Andreas Alfred Berger als „Hans Moser“ in Aktion. Er ließ den schon 1964 verstorbenen, in der Erinnerung des Publikums aber immer noch quicklebendigen nörgelnden und nuschelnden Wiener Bühnen- und Filmstar für einige Momente wiederauferstehen. Der „Hans im Anderl“ grantelte und witzelte sich stimmlich perfekt am Original durch seine zwei Szenen und hatte die Lacher auf seiner Seite bei dem vergeblichen Bemühen, Erdäpfel für Kartoffelpuffer bei Frau Matuschek im vierten Stock zu ergattern. Und er ließ das Publikum teilhaben am existenziellen Dasein von Stimmenimitatoren, als er festhielt: „Ihr wisst ja gor net, wie des is, wenn aner in dich neisteigt …“

Mit zünftigen Zoten und Anzüglichkeiten sorgte auch die „Brauhausmusi“ aus Regnitzlosau für Stimmung und Lachsalven. Cornelia und Horst Rödel sowie Uli Stöhr boten da mit Gesang, Kontrabass und Akkordeon eine Mischung aus Wiener Schrammeln und bayerischer Wirtshausmusik. Dabei ging es um „große Themen“ wie „Zwölf Milliarden nach Athen“ nach der Mouskouri-Melodie „Weiße Rosen aus Athen“ wie um vermeintlich Intimes, wenn Sängerin Cornelia Rödel bekennt, dass sie nur bei Männern in Jogginghosen sexuell in Fahrt kommt und sich selbst bei allen Wehwehchen erfolgreich mit Eigenurin therapiert.

Eine echte Entdeckung bildete am Abend die junge Band „Still searching“ der Musikschule Selb. Mit den Lovesongs wie „Riptide“ von Vance Joy oder „I’m Yours“ von Jason Mraz, die wirklich unter die Haut gingen, zauberten die Musikerinnen und Musiker Jazzatmosphäre in den Saal. Angesichts so vieler Viertel- und Zehnteltalente, die allerlei „Casting-Shows“ im Privatfernsehen nach oben spülen, konnte das Publikum in Selb hier wirklich hochtalentierte und begabte junge Musiker erleben. Das gilt ganz besonders für den professionellen Auftritt von Sängerin Sarah Marschall, die mit sinnlichem Groove und viel Gefühl und Ausdruck in der Stimme, aufregendem Timbre und erstaunlicher Bühnenpräsenz bereits echte Profiqualitäten zeigt. Sie beherrscht die Bühne und das Publikum gleichermaßen.
Die Präsidentin des Lions Clubs Selb, Maria Hantschel, dankte allen Freunden der Vereinigung, Ausführenden, Förderern sowie dem Publikum für die Treue zu den Benefizkonzerten des Clubs, besonders Michael Geitz für die Organisation und Helmut Resch für die bisherige Mitwirkung als Conferencier. Sie hielt fest: „Wir fördern als Lions Club soziale und kulturelle Projekte in der Region.“ Moderatorin Beate Lenk ergänzte: „In zehn Jahren konnten vom Lions Club über 100 000 Euro gesammelt und verteilt werden.“ Ein Beweis, dass Abende wie dieser dem guten Zweck tatsächlich dienlich sind.