Selb Selb: BHS-Tabletop baut 250 Stellen ab

Der oberfränkische Porzellanhersteller BHS Tabletop will verhindern, dass die Öfen in den Werken wegen der Corona-Krise ausgehen. Foto: FP-Archiv Quelle: Unbekannt

An allen drei Standorten in Nordbayern streicht der Hersteller von Hotelporzellan Arbeitsplätze. Die Gewerkschaft spricht von einem "schlimmen Signal für die Zukunft".

Selb - Der in Schieflage geratene Porzellanhersteller BHS-Tabletop mit Sitz in Selb baut 250 Stellen ab. Alle Standorte in Nordbayern - Selb, Schönwald und Weiden - sind betroffen, teilt das Unternehmen mit. Der Jobabbau soll bis Ende 2021 abgeschlossen werden. Ein zweistelliger Millionenbetrag und ein konsequenter Umbau des Unternehmens sollen BHS retten.

1155 Mitarbeiter in drei Städten

Die Wurzeln des Porzellanherstellers BHS-Tabletop sind die Porzellanfabriken Bauscher, C.M. Hutschenreuther und Schönwald. Insgesamt beschäftigt BHS aktuell 1155 Mitarbeiter. Bei Bauscher in Weiden sind es 400, in Schönwald 350, im Dekorations- und Logistikzentrum Selb 250. Dazu kommen noch Vorstand, Management und Verwaltung in der Selber Ludwigsmühle. In Weiden stellt BHS mit 400 Beschäftigten täglich bis zu 120 000 Teller und Tassen her, die das Werk in Richtung Selb (Logistik, Dekoration) verlassen. 9000 Tonnen oder 30 Millionen Stück werden jährlich produziert. Schönwald - seit 2018 mit modernster Brenntechnik ausgestattet - kommt mit 350 Beschäftigten auf 4800 Tonnen oder 12 Millionen Stück. In Selb werden jährlich 10 Millionen Stück dekoriert und 40 Millionen Teile verschickt.

Wo genau der Personalabbau stattfinden soll, welche Standorte wie betroffen sein werden, sei noch nicht klar, so ein Sprecher des Unternehmens auf Nachfrage unserer Zeitung. Auch eine Werksschließung konnte er nicht völlig ausschließen. Es werde nun gemeinsam mit dem Betriebsrat das Konzept für die Zukunft besprochen. Die Mitarbeiter seien am Freitag informiert worden. Nur einen Tag vorher habe BHS positive Nachrichten über die künftige Finanzierung erhalten. Der Freistaat Bayern sei über seine Förderbank LfA mit im Boot. Die Zukunft von BHS sei mit der Zwischenfinanzierung erst einmal gesichert. An der Finanzierung beteiligen sich auch die Hausbanken und der Gesellschafter Serafin.

Der oberfränkische DGB-Chef Mathias Eckardt sieht in dem Personalabbau bei BHS einen "Rieseneinschnitt in der Region" und ein "ganz schlimmes Signal für die Zukunft". Die Arbeitsplätze kämen wohl nie wieder zurück, sagte Eckardt auf Anfrage unserer Zeitung. Harte Kritik übte Eckardt daran, dass BHS trotz staatlicher Unterstützung über die Förderbank LfA Arbeitsplätze abbaue: "Das gehört sich nicht." Michael Ott, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, räumte ein, dass 250 verlorene Arbeitsplätze eine "sehr, sehr hohe Zahl" sind. "Es hätte aber auch noch schlimmer kommen können." Die kommenden Verhandlungen würden zeigen, ob die Zahl noch nach unten gedrückt werden könne. Über geplante Werksschließungen sei ihm nichts bekannt, so Ott.

Nach einer Mitteilung des Unternehmens steht BHS-Tabletop vor einem grundlegenden strukturellen und personellen Umbau. Diese solle das Unternehmen stabiler, im internationalen Wettbewerb stärker "und in Summe zukunftssicher machen sowie dazu beitragen, sehr viele Arbeitsplätze in Nordbayern dauerhaft zu sichern". Auf die Frage, ob es in der Vergangenheit große Versäumnisse im Unternehmen gegeben habe, sagte der Sprecher: "Wir blicken nur nach vorn."

Fest stehe, dass BHS-Tabletop nach bereits eingeleiteten Sofortmaßnahmen rund 250 Arbeitsplätze möglichst sozialverträglich abbauen werde, so das Unternehmen. Der geplante Unternehmensumbau soll bis Ende 2021 dauern und alle Standorte in Nordbayern sowie alle Unternehmensbereiche umfassen: von der Produktion über die Logistik bis hin zu Vertrieb, Marketing und Verwaltung. "Die BHS wird auch morgen noch ein fester Bestandteil der nordbayerischen Wirtschaftsstruktur sein. Dafür muss sie allerdings widerstandsfähiger und strukturell effizienter werden", erklärt Vorstandsvorsitzender Gerhard Schwalber.

Das Unternehmen stehe vor nie dagewesenen Herausforderungen. Der Porzellanmarkt konsolidiere sich weiter, Wettbewerber aus Großbritannien, dem Mittleren Osten und aus Fernost seien noch agiler geworden und nicht mehr nur "billig". Hinzu käme der Druck durch die gestiegenen Energiesteuern. Covid-19 und die globalen und langfristigen Folgen für die wichtigsten Kundengruppen der BHS - Hotels und Restaurants, Kantinen, Kreuzfahrtschiffe und Fluggesellschaften - hätten die Situation noch zugespitzt, so Schwalber.

Über eine Zusatzfinanzierung habe man sich Luft verschaffen können, heißt es weiter. Die Hausbanken, die LfA Förderbank Bayern und der Gesellschafter, die Serafin Unternehmensgruppe, hätten sich darauf verständigt, dem Unternehmen finanzielle Mittel im mittleren zweistelligen Millionenbereich zu Verfügung zu stellen. Die Kredite der Hausbanken sowie die dafür ausgereichten Garantien der LfA seien marktüblich verzinst und müssten von der BHS-Tabletop AG in den kommenden Jahren vollständig zurückgezahlt werden. Die Unterstützung der Serafin teile sich in einen zweistelligen Millionenbetrag auf, welcher sowohl die Liquidität als auch das Eigenkapital stärke und im Unternehmen verbleibe. Der Stellenabbau sei Voraussetzung, um die Kredite der Banken zurückzahlen und Krisenjahre mit niedrigen Umsätzen bewältigen zu können.

 

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