Selb Zum Abschied durchs Schüler-Spalier

Durch ein Spalier der Schüler verließ Jörg Herzig nach zwölf Jahren die Siebensternschule, um in Hof eine neue Aufgabe zu übernehmen. Foto: Siebenstern-Schule Quelle: Unbekannt

Jörg Herzig beendet nach zwölf Jahren seine Tätigkeit als Schulleiter der Siebensternschule in Selb. Mit dem neuen Schuljahr übernimmt er eine Aufgabe in Hof.

Selb - "Der Star geht - die Fans bleiben!" Unter dieses Motto hatte der stellvertretende Leiter der Siebensternschule in Selb, Steffen Pirck, die feierliche Verabschiedung des langjährigen Schulleiters Jörg Herzig gestellt, der die Schule zum Schuljahresende verließ, um eine neue Aufgabe im Therapeutisch-pädagogischen Zentrum in Hof zu übernehmen.

Steffen Pirck begrüßte bei dieser Veranstaltung in der Aula trotz coronabedingter Einschränkungen neben dem Kollegium namhafte Ehrengäste, die es sich nicht hatten nehmen lassen, Jörg Herzig ihren Respekt und ihre Anerkennung seiner Arbeit auszusprechen. Zwar musste die Feier ohne die persönliche Beteiligung der Schüler und weiterer Gäste stattfinden, der Intensität und der würdigen Ausrichtung tat dies jedoch keinen Abbruch. Pirck betonte in seiner Ansprache Herzigs Menschlichkeit, die positive Stimmung in nahezu allen schulischen Belangen, die Netzwerkarbeit und die Kreativität bei der Schulausstattung sowie die Wertschätzung und Unterstützung der Arbeit des Kollegiums, "die die Schule zu der gemacht hat, die sie heute ist".

Landrat Peter Berek legte das Augenmerk in seiner Rede neben der Würdigung Herzigs als dem "Gesicht der Schule" auf die persönlichen Aspekte: Jörg Herzig, den er schon seit seiner Zeit als Bürgermeister kenne, habe andere motiviert, seine Aufgabe nicht als Job, sondern als Berufung gesehen und so Schüler geprägt, Persönlichkeiten geformt und Schüler und Lehrer zusammengebracht. Bereks ausdrücklicher Dank galt der Arbeit des Schulleiters während der vergangenen Monate. Alle Schulen im Landkreis hätten die Corona-Krise bisher grandios gemeistert: "Ich bin stolz auf alle Schulen im Landkreis."

Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch berichtete von seinem Schrecken, als ihn Jörg Herzig über seine geplante Veränderung informierte. Er, Pötzsch, habe sich gefragt, wie es denn nun mit der Schule weitergehe. Es brauche jemanden mit der Fahne in der Hand, einen Starken, der vorneweg gehe - und das sei Herzig gewesen. Dieser habe zu allen Einrichtungen in Selb engen Kontakt gehalten, habe alle Absprachen umgesetzt und sei auf seriöse Art der Stadt immer freundschaftlich verbunden geblieben. Er selbst sei als Oberbürgermeister immer gern in diese Schule gekommen.

Bei allem Bedauern habe er, Pötzsch, Verständnis für den Veränderungswunsch von Jörg Herzig. "Veränderungen im Leben sind notwendig und es ist völlig in Ordnung, in einer bestimmten Lebensphase etwas Neues anzustreben."

Anja Lange als Vertreterin zweier mit der Schule verbundener Jugendhilfeeinrichtungen im Gut Blumenthal und in Franken bei Röslau erzählte einige Anekdoten aus der Zusammenarbeit mit Herzig. Sie betonte aber auch, dass es Höhen und Tiefen gegeben habe und man sich habe zusammenraufen müssen. Jugendhilfe und Schule seien zwei konträre Systeme. Man haber aber immer gemeinsame Lösungen gefunden.

Helmut Lockenwitz, der Organisator des Schülercafés Oase im Schulzentrum dankte Jörg Herzig auch im Namen des Dekanats für die offene und unkomplizierte Zusammenarbeit. Michaela Wunderlich, die Vorsitzende des Elternbeirats, betonte, dass Herzig immer ein offenes Ohr nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Eltern gehabt habe.

Jörg Herzig schließlich berichtete von der Entwicklung der Siebensternschule von einer kleinen Schule mit überschaubarem Kollegium, deren Zukunft ungewiss gewesen sei, hin zu der etablierten Förderschule von heute mit doppelter Größe. Er habe sich bemüht, der Schule ein Profil zu geben mit festen Angeboten. Erst vor Kurzem sei die Siebensternschule zur "Schule ohne Rassismus" ernannt worden. An seine Aufgaben sei er immer mit Herzblut herangegangen. "Teaching ist heart work, not hard work" sei sein Leitspruch, den er auch habe verwirklichen können, ohne sich zu verstellen. "Ich betrachte es als eine Ehre, Verpflichtung und Vergnügen, an dieser Schule Schulleiter gewesen zu sein."

Auch durch eingespielte Videobotschaften wurde die besondere Wertschätzung, die Jörg Herzig in Selb genießt, deutlich. Schüler aller Klassen kamen darin zu Wort und auch die Schulleiter-Kollegen der Nachbarschulen meldeten sich.

Zur Abrundung der Feier hatte sich das Kollegium einiges einfallen lassen: unter anderem ein eigens auf Herzig getextetes, mit Mundschutz vorgetragenes Lied, ein großes Porträtfoto mit vielen eingearbeiteten Miniaturbildern all seiner Weggefährten und Schüler, eine kleine "Apotheke" mit "Medizin" für existenzielle Lebenssituationen und einen Bildband mit Situationen aus zwölf Jahren Siebensternschule.

Am letzten Schultag verabschiedeten sich die Schüler mit einem coronakonformen Spalier von "ihrem Direktor". Jörg Herzig ist gegangen - seine Fans bleiben. gb

 

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