Selber Tafel Ein wenig Herzlichkeit in bitterer Zeit

Silke Meier
Das Team der Selber Tafel, Außenstelle Kirchenlamitz (von links): Sigrid Degelmann, Ingeborg Hjordt, Dmitri Siedov, Micha Saborowski, Peter Wirtz, Daria Siedova, Isolde Gräßel und Mohammad Orfali. Foto:  

Die Selber Tafel betreut zudem eine Außenstelle in Kirchenlamitz. Hier mangelt es nicht an freiwilligen Helfern, die sich um die Arbeit förmlich reißen.

Wer am Samstag die Längenauer Straße entlang fährt, sieht ab dem Vormittag viele Einkaufstaschen vor der Selber Tafel stehen. „Manche wollen einfach einmal Erster sein“, weiß Peter Enzi, Leiter der Einrichtung. Drei Stunden werden in Selb am Samstagnachmittag Lebensmittel ausgegeben. Damit die Kunden abwechselnd in den Genuss kommen, in der ersten Runde die gewünschten Lebensmittel auszuwählen, werden sie für den Einkauf in Gruppen und nach Farben rotierend eingeteilt. Mal kommen die Kunden mit roten Karten zuerst in den Laden, dann die mit blauen oder gelben Karten. 250 Personen in 100 Haushalten versorgen sich nach Angaben von Peter Enzi mit dem Nötigsten.

50 bis 70 Kunden

Am Mittwoch wird die Außenstelle in Kirchenlamitz mit 50 bis 70 Kunden pro Woche bedient. Gegen 15 Uhr fährt Helmut Bönisch zur Selber Tafel und lädt die vorsortierten Kisten ein. Auf der Strecke von Selb nach Kirchenlamitz werden Kunden in Niederlamitz beliefert. „Es sind Menschen, die selbst nicht mehr aus dem Haus und zur Tafel kommen können“, erklärt Enzi.

In Kirchenlamitz muss es dann schnell gehen. Ingeborg Hjordt, Zahnärztin, hat die Filiale fest im Griff. Sicherheit und Vorsorge sind oberstes Gebot. Während in Selb weitere Helfer, vor allem Fahrer, gesucht werden, gibt es sie in Kirchenlamitz reichlich. „Die Leute reißen sich um die Arbeit!“ betont Hjordt. Zehn Helfer sind pro Nachmittag dabei. Nicht alle wollen auf das Foto, aber alle testen sich freiwillig auf das Corona-Virus, tragen Maske und desinfizieren sich die Hände.

Resolute Chefin

„Unser Mitarbeiter sind alle sehr gut und immer gut gelaunt“, freut sich die resolute Chefin. Besonders dankbar sei Hjordt über die ukrainischen Kräfte, die „fleißig sind, zupacken und übersetzen.“ Vor Kurzem gab es LED-Glühbirnen für die Tafelkunden. Diese waren erklärungsbedürftig, die Übersetzung war für die Ukrainer kein Problem. Damit die Waren in Kirchenlamitz gerecht verteilt werden, beginnt die Registrierung an der Kasse gegen 16 Uhr. Sobald die Anzahl der Tageskunden feststeht, wird aufgeteilt. „Man kennt sich, und wenn in Familien Kinder da sind, wird das berücksichtigt“, sagt Hjordt.

Die Kunden können selbst auswählen, was in die Einkaufstaschen soll. Damit werde vermieden, dass Produkte, die dem Geschmack nicht entsprechen „irgendwo im Landkreis entsorgt werden.“ Jeder Kunde komme einzeln in die Ladenräume und habe ausreichend Zeit, um auszusuchen. „Das sind Glücksfälle, sie sind sehr höflich und desinfizieren sich freiwillig die Hände“, so Hjordt.

Günstige Preise

Die Kirchenlamitzer Tafel deckt den Bedarf von Bedürftigen auch aus Weißenstadt, Marktleuthen und der näheren Umgebung. Fahrer Helmut Bönisch, der besonders die Dankbarkeit der Kunden schätzt, hat die Handkasse aus Selb dabei, Ausweise für Neukunden und Formulare. Enzi und Team überprüfen die Bedürftigkeit anhand von Bürgergeldbescheid, Wohngeldbescheid und ähnlichen Dokumenten. Gebrauchte Möbel und Kleider können zu günstigen Preisen am Donnerstag von 17 bis 19 Uhr in der Längenauer Straße in Selb gekauft werden. Mit den niedrigen Preisen sollen die Betriebskosten gedeckt werden. Und es soll für den Kunden würdig sein, selbst bezahlen zu können.

Firmen oder Privatpersonen, die unterstützen wollen, können in den Einkaufsmärkten Gutscheine erwerben und bei Peter Enzi abgeben. 75 Helfer engagieren sich in der Selber Einrichtung. Sie sorgen für eine gerechte Verteilung, auch der Einkaufsgutscheine, und machen die oft bitterkalte Gesellschaft zumindest ein bisschen herzlicher.

 

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