„Selblinge“ Container-Kindergarten überzeugt

Sophia Goldner
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Der Betrieb im Kindergarten „Selblinge“ am Vorwerk in Selb ist gut angelaufen. Am Freitag fand die offizielle Einweihung statt.

Von außen wirkt er unscheinbar, doch innen sprüht das pure Leben. Worum es geht? Um den neuen Container-Kindergarten am Selber Vorwerk. Am Freitag fand die offizielle Einweihung statt.

„Nach Selb kommen immer mehr Familien“, freut sich Ulrich Pötzsch, Oberbürgermeister der Stadt Selb. Deshalb liegt es ihm am Herzen, genug Krippen-, Kindergarten- und Hortplätze zu schaffen. Der neue Kindergarten, der auf den liebevollen Namen „Selblinge“ hört, ist zweierlei: Kindergarten und Krippe.

50 Kinder zwischen eins und fünf

Insgesamt gibt es dort zwei Krippen- und eine Kindergarten-Gruppe. Laut der Leiterin des Kindergartens, Martina Eichler, werden aktuell ungefähr 50 Kinder im Alter zwischen einem und fünf Jahren bei den „Selblingen“ betreut. Der Betrieb sei bereits Anfang Dezember aufgenommen worden und bisher gut angelaufen: „Die Kinder sind sehr friedlich und fühlen sich in unserem Kindergarten wohl. Am Morgen kommen sie gerne und gehen am Nachmittag meist strahlend nach Hause.“ Insgesamt kümmern sich sechs Pädagogen um die Betreuung der jüngsten Selber.

Wie es im Inneren der Container aussieht

Doch wie kann man sich das Innenleben der Container-Einrichtung vorstellen? Zur Einweihung gibt es eine kleine Führung durch die verschiedenen Räume. Dabei fällt auf: Der Kindergarten unterscheidet sich nicht wirklich von anderen. Lediglich die Wände und Decken sind minimalistischer gehalten, als man es normalerweise von solchen Einrichtungen kennt. Wenn man den Kindergarten betritt, steht man in einem langen, wohnlichen Gang, von dem die verschiedenen Räume – 16 an der Zahl – abzweigen. Darunter sind ein Eltern-Warte-Raum, Gruppenräume, ein Verwaltungsbereich, ein Speiseraum mit Küche, Toiletten- und Wickelräume sowie das Herzstück: die Spielräume. Die Kinder können sich im Künstlerraum kreativ ausleben, im Bewegungsraum austoben, im Sprachenraum mit anderen Ländern und Kulturen beschäftigen und im Bau-Raum mit Lego- und anderen Bausteinen zu kleinen Architekten werden. Falls sich die Kleinen von den vielen Aktivitäten erholen müssen, steht ihnen zudem ein Schlafraum zur Verfügung.

Unterschiede zu herkömmlichen Kindergärten

Wodurch sich die „Selblinge“ von anderen Kindergärten in der Region unterscheiden, weiß die Kindergartenleiterin: „Wir arbeiten sehr offen, das heißt, dass unsere Kinder ganz nach ihrem Belieben andere Gruppen besuchen können.“ Das zeigt sich auch auf dem Gang: Manche Kinder rollen begeistert mit Fahrzeugen wie Bobbycars durch die Einrichtung.

„Außerdem verzichtet der Kindergarten – so weit es geht – auf Plastikmaterial, zum Beispiel bei Spielzeugen“, sagt Martina Eichler. Lego nimmt sie davon aus. Was noch für den Kindergarten spricht, ist das Essensangebot: „Die Einrichtung stellt den Kindern jeden Tag ein Frühstück bereit, bei dem die Kleinen selbstständig mithelfen können. Zum Beispiel, indem sie Obst schneiden“, sagt die Kindergartenleitung. Das Mittagessen werde in einem Kindergarten in Schönwald frisch gekocht und anschließend nach Selb gebracht.

Für das gesamte Innere des Kindergartens – von der Ausstattung über die Betreuung bis zum Essen – ist der Träger, das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF), zuständig. Die Räume selbst liegen im Verantwortungsbereich der Stadt Selb.

„Der Kindergarten verursacht riesige Kosten bei der Stadt Selb“, erklärt der Oberbürgermeister. Bis ein „richtiger“ Kindergarten fertig gebaut worden ist, mietet die Stadt nämlich die Container – Pötzsch bezeichnet sie lieber als Module – teuer an. Doch die Kinder in schönen Räumen unterzubringen, ist dem Stadtoberhaupt das viele Geld wert.

Insgesamt 420 Quadratmeter

Mit dem Außenbereich, der in diesem Jahr noch realisiert wird, stehen dem Kindergarten laut Pötzsch 420 Quadratmeter zur Verfügung. Geplant sind noch ein Zaun und Spielgeräte im Freien.

Wie gut Ulrich Pötzsch mit Kindern kann, hat sich auch bei der Einweihung am Freitag gezeigt: Martina Eichler berichtet, dass sich Ulrich Pötzsch liebevoll mit den Kindern der Einrichtung unterhalten und sogar mit ihnen gespielt hat.

 

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