Sigmund Wann Vom Bäckergesellen zum reichen Gönner

Dr. Sabine Zehentmeier-Lang, Leiterin des Fichtelgebirgsmuseums, das im Wunsiedler Spital untergebracht ist, mit einem Gemälde von Sigmund Wann. Es zeigt ihn betend vor einem Kreuz, die Hände unter einen Hut haltend, schwarz und weiß gekleidet wie ein Dominikaner. Foto: /Florian Miedl

Nur wenig ist über Sigmund Wanns frühe Jahre bekannt. Eine vor Kurzem aufgetauchte Chronik gibt Einblick in sein Leben. Nicht alles deckt sich mit bisherigen Erkenntnissen.

Wunsiedel/Eger - Lange Zeit war sie verschwunden: die Chronik von Johann Thomas Funk, von 1740 bis 1748 Bürgermeister von Eger. Als aber im Herbst 2020 der Stadt Eger „eine alte Egerer Handschrift“ zum Kauf angeboten wurde, erkannte der Historiker Dr. Miloš Říha, dass es sich dabei um die verschollene Chronik handelt. Seit dieses schwer lesbare Werk wieder am Ort seiner Herkunft ist, hat Dr. Říha bereits viele Teile abgeschrieben und außerdem ins Tschechische übersetzt, darunter auch einen Beitrag über Sigmund Wann.

Über diese Wunsiedler Persönlichkeit (geboren um 1395, gestorben am 11. Mai 1469) gibt es nur sehr wenige gesicherte Angaben. Der Chronist J. T. Funk hat das Leben von „Sigismundus Wohn“ ausführlich beschrieben – allerdings ist seine Darstellung sehr oft nicht im Einklang mit den heutigen Vorstellungen: Danach war Wann Sohn eines „Fichtelberger Bauern Wohn mit Nahme … Sobald das Bauern Sohn erwachsen, bekame er Lust ein sammtwerke zu erlehenen, worein auch der Vatter verwilliget, ehn nacher Eger geführet, und allda das Becken-Handwerke hat erlehren lassen…“ In seinen Wanderjahren sei Sigmund Wann nach Italien gekommen, und das Glück führte ihn alsbald nach Venedig.

Wann erbt venezianisches Vermögen

Dort wurde er „beÿ einen Venetianischen Becken-Meister untergebracht“ und war bald so beliebt, dass der Meister ihn fast jeden Sonn- und jeden Feiertag zum Essen eingeladen hat. Wanns Meister war zu großem Reichtum gelangt. Als dieser aber sterbenskrank wurde, eröffnete er ihm, „wie er anjetzo gesinnet seÿe ihn zu einen Universal-Haben seiner Reichthumen einzusetzen doch mit dieser Bedingnisse, wann er nach seinen Tode die hinterlassene junge Wittibe heürathen wurde.“ Nach einer Bedenkzeit stimmte Sigmund Wann zu, „worauf der Kranke sein Testament verfertiget, alles in Richtigkeit gebracht, und kurtz darauf auch sein Leben getzudiget hat.“

Nach einigen Jahren zog es Sigmund Wann doch wieder zurück nach Deutschland. Seine Frau stimmte der Rückkehr zu, „weilen sie ihn sehr liebte, … verkauften derowegen ihre liegende gütter, mobilien und Hausgeräthe, und zogen mit grossen Reichthumen, und gleicher Wissenschaft Silber und Gold aus anderen Metallen ferauszuziehen, und zu Schoÿden in Teütschland, und langeten endlich zu Eger an.

Zurück nach Deutschland

Seine in Italien erworbenen Kenntnisse befähigten Wann zur Herstellung von Geschirr aus Messing und Zinn. Der Verkauf brachte ihm so großen Reichtum ein, dass er sich leisten konnte, Wohltäter von Eger zu werden. Überliefert ist eine Geschichte, wonach Wann beim Bau der Egerer Kirche die Arbeiter mit Münzen, die er auf der Baustelle versteckt hatte, motivierte und der Bau so zu einem glücklichen Abschluss kam.

Sigmund Wann vermachte der Stadt Eger zahlreiche großzügige Stiftungen. Als er aber ein Siechenhaus gründen wollte, gab es so großen Ärger, dass er verdrossen die Stadt verließ und nach Wunsiedel zog. „Alldorten ein Brüder-Hauß, oder Hospital reichlich gestifftet, und eine Kirche zu Ehren der heiligen Catharinæ erbauer hat.“

Der Chronist berichtet, dass Sigmund Wann in dem von ihm erweiterten Teil der Egerer Nikolauskirche „nächhe beÿ dem Tauff-Stein zufinden seÿe allwo er vor dem Crucifix Ruiendt, und bettend, die Hände unter einen kleinen Hüttl haltend, schwartz und weiß gekleÿdet wie ein Dominikanes mitgehalten oberrack durchschlittet als im bedachtes Männl zu sehen ist.“

Experimente in der Kapelle

J. T. Funk ergänzt, unter Bezugnahme auf die Chronik von Friedrich Sergius (1734), dass Sigmund Wann 1458 zu Wunsiedel sein Testament gemacht habe. „1467 stiftete Sigismundus Wann Bürger in Eger das Spietal in Wunsiedel vor 12 Männer.“ Vermerkt ist auch, dass der Stifter eine sehr reiche Frau hatte, die nicht nur aus Venedig stammte, sondern auch sehr bewandert in der Alchemie sein solle. Wann selbst wird als Spender und Gönner gelobt, der viel Geld der Kirche zukommen ließ und auch seine Dienstboten bedachte. Erben hatte er jedoch keine.

J. T. Funks Chronik endet mit einem Hinweis auf Sigmund Wanns alchimistisches Treiben in der Doppelkapelle der Egerer Burg: „In der Eberhardischen Chronick … finde ich, das oben in einem winkel ein gemach zu sehen seÿe, allwo weÿlandt Sigmund Wohn sich aufgehalten, und seine Alchimiam getrieben“. Welche Experimente Sigmund Wann im Dachgeschoss der Doppelkapelle durchgeführt hatte, darüber schweigt sich der Chronist jedoch aus.

 
 

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