Solarpark Erkersreuth ESM steht Rede und Antwort

Der Energieversorger stellt das bei Erkersreuth geplante Projekt vor. Es geht um Flora und Fauna, Investoren und Pläne für benachbarte Flächen.

Bei der Informationsveranstaltung beantworteten Felix Langnau (links) und Mathias Jakob von der ESM die zahlreichen Fragen der Bürger. Foto: ESM

Gut gefüllt war die Schulturnhalle der Grundschule Erkersreuth bei der Informationsveranstaltung der Energieversorgung Selb-Marktredwitz (ESM) zum geplanten Solarpark an der Ortsverbindungsstraße von Erkersreuth zwischen Mühlbach und dem Laubbühl. Gerade Anwohner, Bürger sowie Stadträte holten sich Informationen aus erster Hand. Das geht aus einer Mitteilung der ESM hervor.

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ESM-Geschäftsführer Mathias Jakob und ESM-Geschäftsbereichsleiter Felix Langnau, der das Projekt leitet, und Mitarbeiter des Planungsbüros SPCTRM Engineering aus Marktredwitz sowie ein Mitarbeiter des Selber Bauamts beantworteten Fragen.

Positive Bescheide

Nachdem der Selber Stadtrat im September dem Bauvorhaben zugestimmt hatte, kam es gerade in den Sozialen Medien zu mitunter hitzigen Diskussionen. „Ich selbst bin ein Freund der sozialen Medien“, wird Jakob in der Meldung zitiert. Aber: In einem persönlichen Gespräch lasse sich das Für und Wider eines Solarparks eher erörtern als auf einer Onlineplattform. Anwesend war auch der Hauptflächeneigentümer Martin Goldschald aus Erkersreuth. Er hatte das Projekt bereits 2024 angestoßen und eine Einspeiseanfrage beim vorgelagerten Netzbetreiber, der Bayernwerk AG gestellt sowie eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP) in Auftrag gegeben. Die Einspeiseanfrage über eine Leistung von acht Megawatt wurde positiv entschieden, auch die über eine Vegetationsperiode durchgeführte saP ist abgeschlossen.

Weitere Projekte geplant

Die ESM beteiligt sich laut Mitteilung am Projekt, weil es als Energieversorger nicht mehr ausreiche, nur noch Strom und Gas zu verkaufen und Netze zu betreiben. Ein ganzheitlicher Lösungsansatz werde verfolgt, um das Potenzial vor Ort zu nutzen. Dafür gelte es auch, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Mit dem Bau der Windkraftanlagen in Vielitz wurde 2015 der Grundstein gelegt. „Doch für die Zukunft stehen für die ESM im Landkreis Wunsiedel weitere Projekte, sei es in der nachhaltigen Energieproduktion, Speicherung und Verwendung oder in der kommunalen Wärmeplanung, zur Umsetzung an“, sagte Jakob. Für Projekte wie in Erkersreuth interessierten sich auch bundesweit agierende Investoren. „Wir haben es selbst in der Hand, ob wir die Wertschöpfung in der Region belassen oder sie aus der Hand geben“, gab Jakob zu bedenken.

Weiter stellte die ESM in einer etwa 20-minütigen Präsentation des Projekts mit Informationen zur Lage des Solarparks, zu Abstandsflächen zu Bebauungen und zu baurechtlichen Voraussetzungen vor. Danach folgten Fragen aus dem Plenum und die Antworten der Experten.

Blendet der Solarpark? „Zur Genehmigungsphase gehört auch ein Blendgutachten. In einer Simulation wird getestet, ob bei bestimmten Sonnenständen Wohnbebauungen geblendet werden. Ist dies der Fall, werden blendfreie Module verwendet, um optische Störeinflüsse auszuschließen“, sagte Felix Langnau.

Können Tiere das Areal kreuzen? Aus Sicherheitsgründen werde das Areal eingezäunt. Es sei aber geplant, dass der Zaun mindestens 15 bis 20 Zentimeter vom Boden aus freibleiben wird, um bodennahen Lebewesen den Durchgang zu ermöglichen. Ebenso sei im Areal die Haltung von Schafen angedacht.

Welche Auswirkungen hat der Park auf Flora und Fauna? Im Areal werde es keinen Kahlschlag geben. Auch ein kleines Biotop bleibe erhalten. Ein Durchgangskorridor für Amphibien werde ebenso beibehalten, um die Artenvielfalt zu schützen und eventuell noch zu vermehren.

Strom statt Brot? Auf den Flächen, auf denen der Solarpark entstehen soll, seien in den vergangenen rund 20 Jahren überwiegend Energiepflanzen für eine Biogasanlage angepflanzt und geerntet worden. Zur Effizienz von Energiepflanzen oder Photovoltaik gab Martin Goldschald Auskunft: „Mit dem Mischertrag pro Hektar Fläche lassen sich rund 30.000 Kilowattstunden Strom und die gleiche Menge Wärme in einer Biogasanlage produzieren, je nachdem, ob ein Wärmekonzept vorhanden ist oder nicht.“ Der geplante Solarpark werde rund neun Millionen Kilowattstunden erzeugen. Also ein Vielfaches dessen, was durch eine Biogasanlage an Energie erzeugt werden kann.

Warum PV-Anlagen auf Grünflächen und nicht auf Dächern oder Parkplätzen? Industriebauten oder auch öffentliche Gebäude seien wegen statischer Gegebenheiten nicht immer für den Aufbau von PV-Modulen geeignet. Das Angebot von Parkplätzen, die überdacht werden könnten, sei riesig. Doch seien die Gestehungskosten geschätzt mindestens doppelt so hoch wie auf einer unbebauten Freifläche. Das mache die erzeugte Energie wesentlich teurer und letztendlich benötige man auch Käufer dafür.

Ist eine Bürgerbeteiligung bei dem Projekt geplant? Wie auch schon beim Bau des Windparks in Vielitz, sei eine Bürgerbeteiligung geplant. Eine unverbindliche Vormerkung lasse sich jetzt schon auf der Homepage der ESM ausfüllen.

Wer nimmt die erzeugte Energie des Solarparks ab? Die ESM erstelle die Anlage primär nicht, um den erzeugten Strom in das Übertragungsnetz einzuspeisen, um hier eine Vergütung zu erhalten, die relativ gering ist. Der Strom soll im eigenen ESM-Netz als Grünstromprodukt an Haushalte, Industrie- und Gewerbebetriebe vermarktet werden. Wenn ein Industriebetrieb sich an ein Direktkabel an die PV-Anlage anbinden lasse, entfallen auch Netzentgelte sowie gesetzliche Umlagen. Diese Möglichkeit besteht bis zu einem Radius von 4,5 Kilometern und mit einer Anschlussleistung von bis zu zwei Megawatt. Hierzu sei die ESM bereits in Gesprächen mit Interessenten.

Hat die ESM vor, weitere angrenzende Flächen für PV-Anlagen zu nutzen? Aktuell sei hier keine Erweiterung geplant. Die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung sei nur für die aktuelle Planung ausgelegt. Was zudem dagegen stehe, sei das Nadelöhr zur Einspeisung des Stroms über das Umspannwerk des Bayernwerkes. Hier seien die Kapazitäten in Selb, wie auch in Marktredwitz nahezu erschöpft. Die Umspannwerke sollen erst in den kommenden Jahren modernisiert werden.

Ist ein Batteriespeicher geplant? Batteriespeicher, die nur die Spitzen bei der Solarproduktion speichern können, gehörten eigentlich schon der Vergangenheit an. Ein heutiger Speicher werde wesentlich vielseitiger ausgelegt, um etwa Strom aus dem Übertragungsnetz zu speichern, wenn er sehr günstig ist, und ihn bei teuren Bezugszeiten wieder an die Verbraucher abzugeben. Auch könnten Speicher die vorgelagerten Netze zur Beibehaltung einer stabilen Netzfrequenz unterstützen.

Fakten zum Solarpark

Ort
Der Solarpark soll auf Höhe der Abzweigung nach Schatzbach an der Verbindungsstraße zwischen Erkersreuth und Laubbühl errichtet werden.

Größe
Nach derzeitigem Stand sollen die Solarmodule eine Fläche von bis zu 70.000 Quadratmetern abdecken.

Leistung
Mit der Anlage sollen rund neun Millionen Kilowattstunden Grünstrom pro Jahr produziert werden. Rein rechnerisch ließen sich damit im Durchschnitt 3000 Haushalte versorgen.

Start
Die ESM geht davon aus, dass der Solarpark bis Ende 2027 in Betrieb gehen kann.

Kosten
Die Investitionssumme wird sich auf etwa 4,5 Millionen Euro belaufen.