Sonderausstellung 2023 Wegbereitung für eine Weltpremiere

Das Porzellanikon und das Museum für Angewandte Kunst in Prag unterzeichnen eine offizielle Vereinbarung: 2023 veranstalten sie eine Sonderausstellung zu Porzellan aus Böhmen.

Hohenberg/Selb - Noch ist die nächste, groß angekündigte Sonderausstellung „More than bricks!“ des Porzellanikons – Staatliches Museum für Porzellan nicht einmal gestartet, da arbeiten die Verantwortlichen in Selb und Hohenberg schon an der nächsten großen Sonderausstellung. „Luxus, Wellness, High Society – Porzellan aus Böhmen“ soll im Jahr 2023 stattfinden.

Partner aus Prag und Pilsen

Es wird eine Ausstellung sein mit vielen Besonderheiten. Die erste und offensichtlichste zeigte sich gestern: Im Porzellanikon in Hohenberg, wo die Schau einst ihre Premiere erfahren soll, unterzeichneten Porzella-nikonsdirektorin Anna Dziwetzki und Dr. Helena Königsmarková, Direktorin des Museums für Angewandte Kunst in Prag, ganz hochoffiziell die „Absichtserklärung zur gemeinsamen Realisierung dieser neuen Sonderausstellung“. Denn die Macher vom Porzellanikon arbeiten dabei von Anfang an mit Kollegen aus Tschechien – genauer aus Prag und Pilsen zusammen.

Zu dieser Unterzeichnung hatte sich ein illustres Publikum im Museumssaal eingefunden mit der Generalkonsulin der Tschechischen Republik in München, Kristina Larischová, und der Regierungspräsidentin von Oberfranken, Heidrun Piwernetz, an der Spitze. Anwesend war auch Pablo Schindelmann, der Geschäftsführer der Bayerisch-Tschechischen Freundschaftswochen Selb – Asch 2023, denn die Sonderausstellung findet aus Anlass und im Rahmen dieser großen Veranstaltungsreihe statt.

Ein Höhepunkt

Geht es nach der Überzeugung von Generalkonsulin Kristina Larischová, so wird die Sonderausstellung über das Porzellan aus Böhmen im 19. Jahrhundert einer der Höhepunkte der Bayerisch-Tschechischen Freundschaftswochen. „Gerade die Zeit des 19. Jahrhunderts demonstriert wunderbar die fruchttragende Periode des deutsch-tschechischen Zusammenlebens“, sagte sie. Die Generalkonsulin wünschte den Verantwortlichen eine gute Zusammenarbeit und der Ausstellung ein begeistertes Publikum. Und sie verriet abschließend: „Ich selbst kann es kaum mehr erwarten.“

Die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bayern und Tschechien und gerade zwischen den benachbarten Regionen trage auch in schwierigen Zeiten wie den aktuellen, sagte Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und fuhr fort: „Ich höre es sehr gerne, dass Weltpremieren bei uns stattfinden.“ Damit nahm sie Bezug auf die Begrüßungsrede von Anna Dziwetzki, die darauf hingewiesen hatte, dass die geplante Ausstellung die „allererste groß angelegte Sonderschau zum Thema Böhmisches Porzellan“ überhaupt sein werde. So war es für die Regierungspräsidentin ein Leichtes, festzustellen, dass das Porzella-nikon mit all seinen Sammlungen, der umfangreichen Bibliothek und nun der geplanten Ausstellung für eine Reihe von Superlativen stehe. „Das Porzellanikon ist ein oberfränkischer Leuchtturm!“

Internationales Projekt

Diese Leuchtkraft erfährt nun ein Echo von tschechischer Seite. Denn, so bekannte die Porzellanikonsdirektorin, zwar sei der Kurator Thomas Miltschus bestens mit dem Thema böhmisches Porzellan vertraut – Dziwetzki: „Das Know-how ist schon hier“ –, jedoch besitze das Porzellanikon nicht genügend Exponate, um so eine große Sonderausstellung zu bestücken. So werde es nun ein „internationales Projekt mit tschechischen Partnern“. Mit ihnen, so lobte Anna Dziwetzki sei die Zusammenarbeit von Anfang an „sehr unkompliziert, stets freundlich und immer kollegial“.

Kuratieren wird die Ausstellung „Luxus, Wellness, High Society – Porzellan aus Böhmen“ ein Triumvirat: Thomas Miltschus, der Kurator Sammlungen und Ausstellungen Porzellan vom 18. bis 19. Jahrhundert, auf deutscher Seite sowie Lenka Merglová-Pánková, Kuratorin für Sammlung Glas, Keramik und Porzellan am Westböhmischen Museum in Pilsen, und Dr. Jan Mergl, Kurator für Sammlung Glas, Keramik und Porzellan, Museum für Angewandte Kunst in Prag.

Herzensangelegenheit

Thomas Miltschus, der einen ersten Einblick in die Ausstellungskonzeption gab, brachte zum Ausdruck, wie sehr er sich freue, dass die hochkarätigen Gäste – unter ihnen Wolfgang Kreil als Vertreter des Wunsiedler Landrats, Patrik Pizinger, Mit-Präsident der Euregio Egrensis, und Bürgermeister Jürgen Hoffmann – „ dieser Herzensangelegenheit, die schon seit Jahren in mir schlummert, mit ihrem Besuch eine besondere Bedeutung verleihen“.

Das Porzellan aus Böhmen sei vor allem im 19. Jahrhundert von einer unglaublichen Qualität gewesen und von hochgestellten Persönlichkeiten sehr geschätzt worden, erläuterte der Kunsthistoriker. Aus diesem Grund soll die Ausstellung, die nichtsdestotrotz einen wissenschaftlichen Hintergrund habe, die Besucher vor allem durch Storytelling erreichen. So habe die österreichische Kaiserin Sissi fast täglich von Tellern der Porzellanfabrik Thun gefrühstückt, und auch Kaiser Friedrich Wilhelm I. habe auf der Weltausstellung 1875 böhmisches Porzellan erworben. Über diese Brücke wollten sie, die Kuratoren, den Ausstellungsbesuchern das Porzellan vor Augen führen. Thomas Miltschus: „Wir wollen den Besuchern zeigen, dass es hier um etwas ganz Großes geht.“

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