Sorgen vor dem Derby Grippewelle erfasst die Wölfe

Mit 1:3 mussten sich die Wölfe zuletzt in Dresden geschlagen geben. Hier sorgt Johann Porsberger für Betrieb vor Wölfe-Keeper Michael Bitzer. Gegen Regensburg soll an diesem Freitag die Wende gelingen – allerdings laborieren viele Wölfe-Spieler an der Grippe. Foto: /Julia Peter

Ausgerechnet vor dem ersten DEL2-Derby an diesem Freitag gegen die Eisbären Regensburg fällt den Selbern fast die halbe Mannschaft weg. Jetzt baut Trainer Sergej Waßmiller erst recht auf die Unterstützung der Fans.

Nach vier Niederlagen – zwei davon erst nach Verlängerung – wäre es für die Wölfe eigentlich wieder einmal an der Zeit, die volle Punktzahl einzufahren. Und was gäbe es Schöneres für die Selber Fans, als im ersten DEL2-Derby gegen die Eisbären Regensburg an diesem Freitag (19.30 Uhr) den vierten Saisonsieg feiern zu können? Die Vorzeichen sind allerdings alles andere als günstig. Ausgerechnet vor dem sicher auch zuschauerträchtigen Duell gegen den Aufsteiger aus der Oberpfalz ist eine Grippewelle durch die Wölfe-Kabine geschwappt. „Das ist bitter, aber wir können es uns ja nicht aussuchen“, sagt Trainer Sergej Waßmiller, dem – Stand Donnerstagabend – die halbe Mannschaft wegbricht.

Neben den Langzeit-Ausfällen Feodor Boiarchinov und Leon Fern sowie Philip Woltmann, der vergangene Woche schon pausieren musste, droht mit Jan Hammerbauer, Martin Hlozek, Lukas Vantuch, Kevin Lavallee, Arturs Kruminsch, Richard Gelke, Steven Deeg, Mauriz Silbermann, Nikita Naumann und Elias Pata der Ausfall von gleich zehn weiteren Spielern. „Wer fehlt und wer vielleicht doch spielen kann, wird sich erst am Freitagvormittag entscheiden“, erklärt Waßmiller, der aber irgendwie einen Kader zusammenbringen und im voraus keine Ausreden suchen will. „Dann müssen wir halt mit zwei Reihen spielen.“ Zudem baut der Selber Trainer auf die Unterstützung der Fans. Eigentlich wie immer – „aber in diesem Fall eben besonders!“

Kämpferisch gibt sich – trotz aller Probleme – auch Verteidiger Michel Schaaf. „Wir wollen wieder in die Erfolgsspur kommen nach den zuletzt frustrierenden Niederlagen“, sagt der 21-jährige, geborene Kölner, der im Sommer vom Nord-Oberligisten Krefelder EV nach Selb gewechselt ist und am vergangenen Freitag gegen Bad Nauheim sein erstes Tor für die Wölfe erzielt hat. Bitter sei es gewesen, gegen Landshut und Bad Nauheim trotz deutlicher Führungen nur mit einem Punkt belohnt worden zu sein. „Da sind wir beide Male zu nachlässig geworden.“ Und beide Male habe, wie zuletzt auch beim 1:3 in Dresden, die Kaltschnäuzigkeit etwas gefehlt. „Wir müssen aber positiv bleiben“, sagt Schaaf, der sich trotz aller personellen Probleme auf die zu erwartende heiße Derby-Atmosphäre in der Netzsch-Arena freut.

An die letzte Begegnung gegen die Eisbären Regensburg haben die Wölfe gute Erinnerungen. Mit einem 3:2-Sieg feierten sie im April 2021, damals noch in einem Corona-Geisterspiel, die Meisterschaft in der Oberliga Süd. Ein Jahr später sind auch die nach einer Insolvenz im Jahr 2008 zwangsabgestiegenen Oberpfälzer nach mehreren vergeblichen Anläufen wieder in der zweiten Liga angelangt. Und sie haben keinen schlechten Start hingelegt, sind nach acht Spieltagen punktgleich mit Selb. Vor allem in der heimischen Donauarena überzeugten die Eisbären mit vier Siegen (Bayreuth, Ravensburg, Freiburg, Heilbronn) in vier Spielen, auf fremden Eis gab es für die Schützlinge von Trainer Max Kaltenhauser dagegen noch nichts zu erben. Null Punkte und 4:21-Tore lautet die Eisbären-Bilanz aus den Spielen in Krefeld, Kassel, Landshut und Bad Nauheim. Man muss kein Prophet sein, um sich vorstellen zu können, dass die Regensburger diese schwarze Auswärtsserie in Selb gerne beenden würden.

Mit dem gebürtigen Amerikaner Devin Williams, der schnell eingedeutscht wurde, haben die Eisbären eine neue Nummer eins verpflichtet. Die Kontingentstellen besetzen Richard Divis, der bereits zum Inventar gehört, dessen Landsmann Radim Matus, der Finne Topi Piiponen und der Kanadier Corey Trivino (zuletzt Kassel), der für den an der Schulter operierten Kyle Osterberg nachverpflichtet wurde. Zu den Stützen der Oberpfälzer zählt weiterhin auch Nikolai Gajovsky, der mittlerweile mit einem deutschen Pass aufläuft, aber nichts an seiner Gefährlichkeit eingebüßt hat und mit vier Toren und drei Assists die interne Scorerliste anführt. Besonders wichtig sind Eisbären-Trainer Kaltenhauser aber auch andere Qualitäten seiner Spieler. „Was hilft mir ein Topspieler mit 80 Punkten, wenn das zu Lasten der Defensivarbeit geht“, sagte der 41-Jährige vor Saisonbeginn der „Eishockey News“.

Mannschaftsdienlichkeit, Charakter, Tempo und die Bereitschaft zur Defensivarbeit: Diese Eigenschaften sieht aber nicht nur Kaltenhauser gerne von seinen Spielern, auch Wölfe-Coach Sergej Waßmiller wird genau das wieder von seinen Spielern einfordern an diesem Wochenende. Egal, wer letztlich zur Verfügung steht.

Noch ganz weit weg für Waßmiller und sein Team, aber doch schon ganz nah sind die nächsten zwei Auswärtsspiele. Am Sonntag (17 Uhr) sind die Wölfe beim Schlusslicht Lausitzer Füchse zu Gast, bereits am Dienstag (19.30 Uhr) dann beim Tabellenzweiten ESV Kaufbeuren.

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