Bis es so weit ist, setzt Trutschler auf kreative Lösungen, um die gröbsten Finanzlöcher zu stopfen. Er hält etwa Vorträge gegen Spenden, die dann Kosten die nächste Tankfüllung abdecken.
KI sorgt für weniger Spenden aus Supermärkten
Ein Trend, den die Tafeln bereits seit längerem beklagten, hält an: Weil Supermärkte auf Künstliche Intelligenz (KI) setzen, um ihre Wareneinkäufe effizienter zu machen, fallen weniger Spenden ab. Grundsätzlich würden die Tafeln begrüßen, dass es dadurch weniger Lebensmittelverschwendung gibt, so Trutschler. "Aber es fällt uns natürlich auf die Füße."
Bundesweites Netzwerk hilft kleineren Tafeln
Inzwischen hat jedoch ein bundesweites Verteilsystem etwas Abhilfe geschaffen. Der Bundesverband der Tafeln arbeite massiv an der Akquise von Großspenden, die Waren werden dann über Regionen hinweg verteilt und ausgetauscht. Davon profitieren besonders kleinere Tafeln. "Wir haben zum Beispiel in Niesky Riesenprobleme, weil es dort nicht so viele Märkte und Bäckereien gibt", erklärt Trutschler.
Die Tafel Torgau etwa hat gute Kontakte in die Oberpfalz, wo ein Unternehmen ein bis zwei Mal monatlich bis zu zwei Tonnen Fleischwaren wie Schinkenendstücke oder Leberkäse spendet. "Die Torgauer fahren dann mit einem Transporter runter nach Bayern und beliefern auf dem Rückweg mehrere Tafeln", sagt Trutschler.
Sächsische Milchprodukte gegen Getränke aus Tschechien
Auch mit den Kollegen in Tschechien gibt es einen Warenaustausch: "Wir haben da seit Jahren einen Deal, das läuft sehr gut." Die dortige staatlich organisierte Foodbank bekomme durch eine Vereinbarung mit einem Hersteller monatlich Dutzende Tonnen Getränke. Sachsen hat hingegen mit einer großen Molkerei einen "fantastischen Spender", zusätzlich liefert ein Unternehmen aus Bayern regelmäßig zu viel produzierte Milchprodukte an, die auf tschechischer Seite des Erzgebirges fehlen.
Im Freistaat sind laut Landesverband 45 Tafeleinrichtungen mit etwa 110 festen und mobilen Ausgabebestellen tätig. Über 1.000 Ehrenamtliche helfen dort beim Einsammeln, Sortieren und Ausgeben der Lebensmittel. Im vergangenen Jahr verzeichneten sie rund 900.000 Abholungen, insgesamt fast 1.200 Tonnen Waren wurden verteilt.