Spielabsage in Selb Corona-Frust statt Derby-Lust

Der VER Selb muss am Freitagabend kurzfristig das DEL2-Derby gegen die Bayreuth Tigers absagen. Die Netzsch-Arena war zu diesem Zeitpunkt bereits sehr gut gefüllt. Die Tigers-Fans sind mächtig sauer.

Selb - Auch wenn es sportlich zuletzt nicht ganz so gut gelaufen ist beim VER Selb: Die Fans fieberten dem DEL2-Derby am Freitagabend gegen die Bayreuth Tigers regelrecht entgegen. Schon weit eine Stunde vor dem – geplanten – ersten Bully (19.30 Uhr) füllte sich die Netzsch-Arena. Gut 2000 bis 2500 Zuschauer, darunter auch viele Bayreuther, dürften es bereits gewesen sein, als 45 Minuten vor Spielbeginn die Stadiondurchsage kam, dass das Derby aufgrund von vier positiven Corona-Schnelltest-Ergebnissen im Team der Wölfe abgesagt werden muss.

Vier Wölfe am Abend positiv getestet

Gemunkelt wurde in Selb erstmals am frühen Nachmittag darüber, dass es wohl einen positiv auf Covid-19 getesteten Wölfe-Spieler geben würde. Das bestätigte nach der Absage auch zweiter Vorsitzender Thomas Manzei. Daraufhin seien vormittags nochmals alle Spieler, die im übrigen wie der komplette Stab rund um die Mannschaft geimpft sind, getestet worden. „Da war alles negativ und alles okay. Alle haben sich gut gefühlt“, sagte Manzei. Das habe sich dann allerdings am Abend geändert. Beim Treffpunkt zum Spiel hätten zwei, drei Spieler über ein Kratzen im Hals gespürt und leichte Symptome gezeigt. Sofort seien vom Mannschaftsarzt erneut alle Spieler getestet worden – mit dem Ergebnis, dass bei vier Spielern der Test positiv ausgefallen ist.

Absage war alternativlos

„Wir haben sofort mit der Ligenleitung der DEL2 telefoniert. Uns wurde dringend empfohlen, das Spiel abzusagen“, berichtete Manzei. „Wir konnten auch keine andere Entscheidung treffen. Die Absage war alternativlos. Die Gesundheit steht an allererster Stelle.“ Dem zweiten Vorsitzenden der Wölfe tat es vor allem auch für die bereits anwesenden Zuschauer leid. „Das tut uns im Herzen weh, wenn man die vielen Leute sieht, die teilweise eine weite Anreise hatten. Es tut uns leid, dass die Absage so spät passiert ist. Wir können uns nur bei allen entschuldigen.“

Wenig Verständnis bei Tigers

Wenig Verständnis brachte Tigers-Geschäftsführer Matthias Wendel für die kurzfristige Absage auf. Nach Bekanntwerden des ersten positiven Falles auf Selber Seite sowie der allgemein diffusen Situation habe Wendel schon um die Mittagszeit dafür plädiert, die Partie zu verlegen. Was wiederum von den Selbern abgelehnt worden sei. „Das Ende vom Lied ist nun, dass kurzfristig abgesagt werden musste und viele Fans umsonst ins Stadion nach Selb gekommen sind“, sagte der Bayreuther Geschäftsführer.

Bayreuther Fans „mächtig angefressen“

Besagte Fans seien auch „mächtig, mächtig“ angefressen, erklärte Carsten Herrmannsdörfer, der Fanbeauftragte der Tigers. „Die größte Frechheit war, dass sie uns hier Eintritt zahlen lassen, kurz danach absagen, um dann sofort die Tageskassen dichtzumachen, damit bloß keiner sein Geld zurückbekommen kann“, tat Herrmannsdörfer seinen Unmut kund. Wie Thomas Manzei aber versicherte, werden alle Fans ihr Geld zurückerhalten, sofern sie nicht beim Nachholtermin dabei sein wollen oder können.

Aufgebrachter Tigers-Fanbeauftragter

„Ich finde das trotzdem nicht in Ordnung, so etwas muss man doch vor Ort klären“, war Herrmannsdörfer kaum zu beruhigen. Der Fanbeauftragte war auch deshalb so aufgebracht, weil die Selber Verantwortlichen wohl versucht hätten, ihm Stadionverbot zu erteilen. „Nur weil ich bei Facebook einen Selber Fan mit einer Schweinemaske gepostet habe und eine kleine Übersetzungshilfe mit den wichtigsten Wörtern in tschechischer Sprache mitgeliefert habe. So was ist doch sonst kein Problem gewesen. Jetzt machen die so einen Aufstand“, sagte Herrmannsdörfer und kündigte eine weitere Stellungnahme in den nächsten Tagen an.

„Sehr überrascht“ von der Absage zeigte sich auch Daniel Hahn, der Vorsitzende des VER-Fanclubs Fichtelgebirge. Die Anhänger aus dem Raum Sparneck, Weißenstadt, Kirchenlamitz und Marktleuthen hatten für das Derby eigens einen Fanbus eingesetzt – und mussten ebenfalls unverrichteter Dinge wieder die Heimreise antreten. „Aber das müssen wir eben so hinnehmen. Die Gesundheit geht vor“, sagte Hahn.

Wenig Arbeit für Polizei

Während die vielen Helfer an den Verkaufsständen im Stadion die bestellten Würstchen und das Bier wieder verräumen mussten, lag es an der Polizei, für einen geordneten Abzug der rivalisierenden Fans aus Selb und Bayreuth zu sorgen. Und das ist gelungen. „Es ist alles ruhig geblieben“, sagte ein Sprecher der Polizei, die schon einige Stunden früher als geplant ihren Einsatz beenden konnte.

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