St. Josef Schirnding Seit 90 Jahren Stätte der Heiligen Messe

Jürgen Henkel
Jubiläum in St. Josef: Festgottesdienst in Schirnding mit Diakon Michael Plötz, Regionaldekan Georg Flierl und Pfarrer Stefan Prunhuber (von links am Altar). Foto: Marco Fleischer

Die Katholische Kirche feiert 90. Jubiläum mit Festgottesdienst und Kirchenmusik. Dabei wird deutlich, unter welch schwierigen Bedingungen das Gotteshaus entstand.

Seit 90 Jahren bietet die strahlend weiße Kirche St. Josef den Gläubigen der katholischen Pfarrgemeinde von Schirnding nun eine Stätte des Gebets und der Heiligen Messe. Mit einem großen Festgottesdienst würdigte die Pfarrgemeinde jüngst das 90. Kirchenjubiläum.

Glaubensglut und Opferbereitschaft

Unter der Leitung von Hauptzelebrant Regionaldekan und Monsignore Georg Flierl feierte die Gemeinde mit Pfarrer Stefan Prunhuber und Diakon Michael Plötz eine feierliche Messe. Flierl erinnerte an das Wirken von Bischof Ignatius von Senestrey, der sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts nachhaltig um die Seelsorge im nördlichen Diasporabereich seiner Diözese angenommen habe. 1926 hätten dann Gläubige vor Ort die Initiative zum Bau einer eigenen Kirche ergriffen und den „Katholischen Kirchenbauverein Schirnding und Umgebung“ gegründet.

Der Festprediger benannte die schwierige Anfangsphase. Die 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts seien eine extrem schwierige Zeit gewesen. „Umso mehr beeindruckt es mich, dass damals hier in Schirnding diese Initiative gläubiger Katholiken in Gang gesetzt worden ist und innerhalb weniger Jahre zu einem stolzen Ergebnis geführt hat. Ohne entsprechende Glaubensglut ist das für mich nicht vorstellbar. Dazu hat es sicher die Opferbereitschaft vieler in finanzieller Hinsicht gebraucht und den ganzen Einsatz bei Hand- und Spanndiensten. Manches ist für uns heute wohl gar nicht mehr vorstellbar.“

Für alles zu haben

Monsignore Flierl würdigte die Mühen der Gläubigen vor Ort mit den Worten: „Der Blick in die Chronik zeigt deutlich, dass hier immer wieder große Anstrengungen unternommen worden sind, um den Fortbestand des Gotteshauses zu sichern und vieles immer wieder auf den Stand der Zeit zu bringen. Möge Gott es ihnen in Ewigkeit vergelten!“

Die feierliche Messe wurde musikalisch umrahmt von Marco Fleischer an der Orgel und Martin Neidhardt an der Trompete. So erklangen unter anderem zur Eröffnung Henry Purcells „Trumpet Voluntary“ sowie das meditative Solostück „Ave Verum“ von Charles Gounod für Orgel und Trompete. Mesnerin Karin Fleischer richtete „persönliche Worte“ an ihre Kirche. Dabei machte sie unter anderem deutlich: „Das ist vielleicht das Wunderbarste an dir: dass du alles mitmachst und für alles zu haben bist: für feierliche Tischgemeinschaften, für trippelnde Kinderfüße und rollende Gehhilfen, für leuchtende Schrift an der Wand, für einen allein und für viele gemeinsam. Du bist Gottes Haus. Ich glaube wirklich, dass Gott in dir zu Hause ist – und ich bin es auch!“

Traum mutiger Menschen

Beim anschließenden, von Pfarrgemeinderatssprecher Tobias Sommerer moderierten Festakt im Pfarrheim gab Bürgermeisterin Karin Fleischer einen historischen Rückblick. Sie würdigte die Bedeutung der Kirche: „Hier kommen Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher sozialer Stellung zusammen. Hier werden Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe vermittelt, hier existiert ein echtes Gemeinschaftsgefühl.“

Pfarrer Stefan Prunhuber machte deutlich: „Vor 90 Jahren haben sich hier in Schirnding mutige Menschen zusammengefunden, um ihren Traum einer eigenen Kirche vor Ort zu realisieren. Heute dürfen wir uns ihrer dankbar erinnern. Die Kirche besteht nicht nur aus diesen gemauerten Steinen, sondern aus lebendigen Steinen: den Menschen hier in der Pfarrei St. Josef.“ Auch eine Bilderschau zum Werdegang und der Baugeschichte der Kirche bis heute war zu sehen. In einem Grußwort übermittelte der Stellvertreter des Landrats, Wolfgang Kreil, die Glückwünsche des Landrats und des Landkreises Wunsiedel.

Bau eines Gotteshaus in Rekordzeit

Pfarrer Johann Renner
Seit seinem Amtsantritt 1930 setzte sich Pfarrer Johann Renner für den Bau einer eigenen Kirche ein. Dies erfolgte dann in Rekordzeit: Am 7. September 1931 war Baubeginn, am 19. Juni 1932 nahm der Regensburger Bischof Dr. Michael Buchberger die Konsekration der neu erbauten Kirche vor. Bereits im Februar 1932 waren die vier Glocken in Schirnding angekommen und geweiht worden. 1947 sorgte Pfarrer Alois Schmatz dafür, dass jene drei Glocken, die im Krieg eingeschmolzen worden waren, ersetzt wurden.

Beginn 1874
Die Anfänge der Kirchengemeinde gehen auf das Jahr 1874 zurück, als die katholische Kirche in Schirnding wieder aktenkundig wird. Damals hatte der Ort etwa 480 Einwohner darunter 15 Katholiken, 1880 waren es dann bereits 102, vorwiegend zugezogene Eisenbahnbedienstete. 1918 wurden dann das katholische Schulhaus und der Betsaal eingeweiht. Durch den starken Zuzug von Katholiken aus der Oberpfalz wurde die Errichtung einer eigenen Expositur in Schirnding immer dringlicher. 1930 kam Johannn Renner als erster Geistlicher auf die neue Expositur. 1997 erfolgte die Erhebung zur Pfarrei. Das katholische Schirnding bildet heute als eigenständige Pfarrei eine Pfarreiengemeinschaft mit Arzberg und Thiersheim.

 

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