Staatliche Wirtschaftsschule Wunsiedel Eine Erfolgsgeschichte wird 70

Außen historisch, innen ausbildungstechnisch auf allerneuestem Stand: die „Kaffeemühle“, in der die Staatliche Wirtschaftsschule untergebracht ist. Foto: /pr

Die staatliche Wirtschaftsschule Wunsiedel besteht seit 1952. Seitdem war und ist sie immer auf dem neuesten Stand der Bildungsvermittlung inklusive dem Prüfungsfach „Übungsunternehmen“.

Die Staatliche Wirtschaftsschule Wunsiedel blickt im Jahr 2022 mit Stolz auf ihr 70-jähriges Bestehen zurück; ab 1952 war sie zunächst aus privater Initiative städtische Handelsschule und seit 1975 als staatliche Wirtschaftsschule. In dieser Zeit entwickelte sich die Wirtschaftsschule, wie Frank Eckstein, Weiterer Ständiger Vertreter des Schulleiters, mitteilt, zur heutigen sehr modernen Form einer berufsorientierenden Schule. Die Wirtschaftsschule vermittelt neben den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik insbesondere eine vertiefte kaufmännische Allgemeinbildung unter anderem mit dem beispielgebenden Abschlussprüfungsfach „Übungsunternehmen“ und führt zum mittleren Bildungsabschluss – seit 2020 auch ab der sechsten Klasse.

Breite Kompetenzfähigkeit

„Die Wirtschaftsschule war über all die Jahrzehnte immer ein Vorreiter und Garant für modernsten problemlösungsorientierten Unterricht mit engem Bezug zur Lebenswirklichkeit in Beruf und Alltag“, betont Eckstein. Die breite Kompetenzfähigkeit der Schülerinnen und Schüler spiegle sich in deren anschließenden Berufswahl wider: jeweils 25 Prozent der Absolventen wählen kaufmännische, soziale und handwerkliche/technische Berufe oder wechseln zur FOS.

Schon zur 50-Jahr-Feier im Jahr 2002 wurde in der Festschrift der Wirtschaftsschule diskutiert, ob eine Lehrkraft in zehn Jahren per Internet unterrichten und prüfen werde. Es hat zwar dann 20 Jahre gedauert, aber die Weichen dafür wurden schon damals gestellt, sodass der pandemisch bedingte Distanzunterricht der vergangenen Jahre die Wirtschaftsschule Wunsiedel weder überrascht noch überfordert hat. Nach einer kurzen Umstellungsphase wurde der Distanzunterricht mit Office 365 nach regulärem Stundenplan angeboten.

Der große Wurf

Die Wirtschaftsschule räumte bereits zu Beginn des Digitalzeitalters an Schulen Anfang der 1980er-Jahre dem Bereich EDV einen wichtigen Platz ein und war eine der ersten Schulen im Landkreis, die einen eigenen Computerraum hatten. Nach und nach wurde die Anlage immer weiter modernisiert und erweitert. Bald kam auch der erste Server ins Haus. Mit Beginn der 2000er wurde ein dritter EDV-Fachraum mit gebrauchten Computern bestückt, die mithilfe von Elternspenden und dem neu ins Leben gerufenen Förderverein finanziert wurden.

Der große Wurf kam in den Jahren 2013/14, als nicht nur die erste komplette iPad-Klasse eingerichtet wurde, sondern die gesamte Schule im Zuge der Generalsanierung eine vollständig neue EDV-Anlage mit Terminal-Server-System erhielt. Jedes Klassenzimmer erhielt Wlan, einen fest installierten Kurzdistanzbeamer und eine hochwertige Tonanlage; die altgedienten Overheadprojektoren wurden durch moderne Dokumentenkameras ersetzt.

Mit dem Umbauabschnitt II wurden im Dachgeschoss des Berufsschulgebäudes 2017 ebenfalls neue EDV-Räume geschaffen. Regelmäßige Erneuerungen und Modernisierungen sind Standard, wie zum Beispiel die Möglichkeit der Nutzung von Apple-TV und die Umstellung auf Großmonitore in allen Klassenzimmern.

Zwei Übungsunternehmen

„Im Winter 2010/11 lief mit der einsetzenden Schneeschmelze das Wasser die Wände hinunter“, berichtet Eckstein weiter. „Der Putz und das Mauerwerk saugten sich voll wie ein Schwamm. Schimmel breitete sich aus. An Unterricht in den Klassenzimmern war fortan nicht mehr zu denken.“ Die Klassen zogen von einem Tag auf den anderen in das Gebäude der Berufsschule um. Schüler wie Lehrkräfte mussten sich in Geduld üben, denn es vergingen viele Monate, bis sie im Schuljahr 2013/14 in die für 3,9 Millionen Euro sanierten und perfekt ausgestatteten Räume der „Kaffeemühle“ zurückkehren konnten.

Ein weiterer Meilenstein folgte am 2. Juni 2017: Die Staatliche Wirtschaftsschule Wunsiedel weihte die Büroetage im Dachgeschoss der Berufsschule mit einem großen Fest ein. Der Landkreis investierte hier 1,8 Millionen Euro. Auf 600 Quadratmetern bieten zwei Übungsunternehmen und ein Informationsverarbeitungsraum Platz für einen praxisorientierten Unterricht. Daneben befinden sich ein großer Mehrzweckraum, ein Vorbereitungsraum, eine Bibliothek und ein Raum für die Schülermitverantwortung.

Vermittlung von Alltagskompetenzen

Ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Wirtschaftsschule in Wunsiedel stellte im Schuljahr 2020/21 die Einführung der sechsten Klasse dar. Ergänzend zu den allgemeinbildenden Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch werden Alltagskompetenzen in Ökonomischen Grundlagen, Digitalem Leben und Arbeiten sowie Mensch und Umwelt vermittelt.

Nun ist die Wirtschaftsschule wieder Vorreiter mit der Realisierung eines modularen Lehrplans, der durch individuelle Wahlmöglichkeiten eine persönliche Themenschwerpunktsetzung für die Lernenden ermöglicht. Frank Eckstein: „So reagiert das Schulsystem auf die aktuellen Trends, die sich auch in der Wirtschaft abzeichnen.“

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