Stadtrat Arzberg Selbst Engelszungen nützen nichts

Noch reicht die Magnolienallee als Zufahrt zur AHF-Group-Villa bis unmittelbar an die Bergnersreuther Straße heran. Sollte dies so bleiben, dann würde gleich rechts daneben eine zweite Zufahrt, nämlich zum neuen Baugebiet „Olatsberg II“, gebaut. Etlichen Stadträten geht das gegen den Strich. Sie wollen eine gemeinsame Zufahrt, von der die Magnolienallee abzweigt. Foto: pr

Zum Zankapfel „Olatsberg II“ in Arzberg hat der Investor eine andere Sichtweise als etliche Stadträte. Der Unternehmer Helmut Fickenwirth möchte zwei Zufahrten und mehr Land.

Arzberg - Noch hat der Arzberger Stadtrat nicht entschieden. Doch nach ausgiebigen Diskussionen sowohl im Stadtrat als auch im Bauausschuss zum Thema „Baugebiet Olatsberg II“ (wir berichteten) zeichnet sich ab, dass eine Mehrheit der Gremiumsmitglieder Entscheidungen treffen wird, die Helmut Fickenwirth nicht gefallen.

Zwei Punkte sind zwischen den Kommunalpolitikern und dem Chef der AHF-Group strittig: Zum einen möchte Fickenwirth die Zufahrt zu seiner repräsentativen Villa am Olatsberg in voller Länge erhalten. Mit der Zufahrt zum neuen Baugebiet würde dann unmittelbar neben der Magnolienallee eine zweite Straße entstehen, von der die Allee abzweigt. Zum anderen will der Finanzberater weiteren Grund erwerben. Beides könnte ihm mit einem Stadtratsbeschluss, der in der Sitzung im Juni gefällt werden soll, versagt werden.

Alle Fraktionen dagegen

Die Ablehnung von Fickenwirths Plänen geht quer durch alle Fraktionen. Aus der Sicht eines Unternehmers könne er die Denkweisen der Stadträtinnen und -räte, die sich gegen seine Vorhaben stellen, in keiner Weise verstehen, sagt Helmut Fickenwirth. Dies hat er auch in einem Schreiben an Bürgermeister Stefan Göcking sowie an das Gremium kundgetan. In der Mail untermauert er seine Forderung nach einer Extra-Zufahrt für das Baugebiet mit zwei Umfragen, die er unter Bürgerinnen und Bürgern von Arzberg, Wunsiedel und Marktredwitz angestellt habe. Dabei seien rund 300 Menschen zu ihrer Meinung befragt worden. Beide Umfrageergebnisse seien nahezu gleich: 71 Prozent der Befragten hätten für eine zweite Zufahrt gestimmt, 17 Prozent für eine. Zwölf Prozent hätten keine Meinung dazu gehabt.

Die Umfrageerbnisse wertet der Unternehmer als eine Bestätigung seiner Ansicht, dass zwei Zufahrten die bessere Lösung seien. „Ich glaube vielmehr, dass andere Faktoren für die Haltung der Stadträte, die gegen eine zweite Einfahrt sind, eine Rolle spielen“, sagt er - und meint damit nichts anderes als Neid. Zu einer Ortsbegehung, zu der er den Stadtrat eingeladen habe, um seine Vorstellungen zu erklären, seien neben Bürgermeister Göcking lediglich drei Stadtratsmitglieder sowie Bauamtsleiter Andreas Martin gekommen. Er habe angeboten, so Fickenwirth, die zweite Zufahrt zu bezahlen sowie Spielplätze zu finanzieren. Dem Argument, dass schon immer nur eine Einfahrt geplant gewesen sei, begegnet Fickenwirth mit seiner Sichtweise: Zunächst habe er nicht beabsichtigt, seine Zufahrt als Allee anzulegen. Wenn diese nun um 20 Meter verkürzt werden müsse, dann müssten vier Bäume weichen sowie die Bodenbeleuchtung entfernt werden­.

Wunsch nach mehr Grünfläche

Strittig ist auch die Frage, ob die Stadt an Helmut Fickenwirth einen Grünstreifen unterhalb seines großen Anwesens verkaufen soll oder nicht. Dieselben Rätinnen und Räte, die gegen eine zweite Zufahrt sind, wollen auch dem Verkauf nicht zustimmen. Fickenwirth führt dazu aus seiner Perspektive an, dass die bisherigen Grundstücksgrenzen im Süden, Westen und Osten sehr kompliziert gestaltet worden seien. „Wenn die Grenzen gerade gezogen würden, könnte ich zusätzlichen Grund erwerben, und wir hätten eine Bereinigung“, meint Fickenwirth. Dies hätte seiner Ansicht nach auch für Käufer angrenzender Grundstücke eine positive Auswirkung.

Konkret möchte er weitere Grünflächen im Süden, im Osten zum Baugebiet „Olatsberg I“ hin und im Nordwesten kaufen. Die Anlage des dortigen Walls habe er mit 60000 Euro finanziert, obwohl eigentlich die Stadt dafür zuständig sei. Außerdem habe er den Wall bepflanzen lassen. „Ich habe mit Engelszungen geredet und versucht, die Rätinnen und Räte zu überzeugen. Was soll ich denn noch machen?“, fragt der Unternehmer. Für den Fall, dass ihm der Stadtrat den Kauf der Grünfläche im Süden als Abgrenzung zu seinem Grundstück verweigert, kündigt Fickenwirth an, dann eben eine Mauer zu bauen.

Investition in Gastwirtschaft

Außerdem verweist Fickenwirth darauf, dass er eigentlich vorgehabt hatte, noch einige weitere Millionen Euro in eine Bio-Landwirtschaft und in eine Gaststätte zu investieren. Dies habe er der Stadt schon Anfang 2020 mitgeteilt. Dazu wollte der Investor eine kleine Landwirtschaft übernehmen sowie leerstehende Objekte kaufen und renovieren. „Das hätte höhere Gewerbesteuern und die Schaffung von Arbeitsplätzen zur Folge“, wirft der Unternehmer in die Waagschale.

So sieht der Bürgermeister die Situation
Er könne die Verärgerung von Helmut Fickenwirth ein Stück weit nachvollziehen, sagt Bürgermeister Stefan Göcking auf Nachfrage der Frankenpost. „Ich hätte gerne Entgegenkommen signalisiert“, sagt er und betont, dass dies seine eigene Sichtweise sei. Entscheiden werde der Stadtrat. „Und daran werde ich mich auch halten“, kündigt Göcking an. Dem Unternehmer sei bekannt gewesen, dass er möglicherweise die Zufahrt zum Teil zurückbauen müsse. „Mir wäre aber eine klare Abgrenzung der privaten Zufahrt von der des allgemeinen Wohngebiets lieber“, sagt der Rathaus-Chef. Dies gelte auch für den Grünstreifen. „Helmut Fickenwirth würde uns die Fläche zu Baulandpreisen abkaufen und einen grünen Sichtschutz anlegen“, führt der Bürgermeister ins Feld. Dann würden sich einzelne Sichtschutzmaßnahmen auf den Grundstücken der Anlieger darunter erübrigen. Ob nun 44 oder 40 Bauparzellen entstünden, sei nicht maßgeblich. Die Anzahl reiche in jedem Fall aus. „Wir müssen sehen, dass wir die Grundstücke verkaufen und wenn die Planung beschlossen ist, mit der Umsetzung beginnen“, erläutert Göcking. Dies sei allerdings abhängig von der Auslastung der Firmen und den Baupreisen. „Das treibt mich sehr um.“ Das Thema „Olatsberg II“ gebe es ja schon länger, so der Bürgermeister. Der erste Bebauungsplan datiere auf das Jahr 2001. „Vor vier oder fünf Jahren habe ich das Thema wieder ins Spiel gebracht, auch um die Starkregensituation im bestehenden Baugebiet in den Griff zu bekommen“, sagt Göcking. Der Bau der Fickenwirth-Villa sei dann quasi eine Initialzündung für „Olatsberg II“ gewesen. Obwohl das Anwesen nicht jedem gefalle, sei doch zu bedenken, dass dies letztlich eine große Investition in Arzberg sei. Und der Bürgermeister ist sich sicher: „Wir werden ein super Baugebiet bekommen und zusätzlich etwas gegen die Überflutungen bei Starkregen tun.“
 

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