Stadtrat entscheidet Grünes Licht für Selber Feste

red

Es ist offiziell: Das Selber Wiesenfest, das Fest der Porzelliner und das Bürgerfest finden 2022 statt. Die ersten Vorbereitungen laufen schon.

Das Selber Wiesenfest kann heuer wieder stattfinden – ebenso wie das Fest der Porzelliner und das Bürgerfest. Foto:  

Welcher Selber vermisst nicht die Atmosphäre am Goldberg zum Wiesenfest, das Feilschen am Porzellanflohmarkt oder den Duft von frischen Bratwürsten am Bürgerfest? Das Warten auf all das hat ein Ende. Denn die traditionellen Selber Feste dürfen wieder stattfinden. Diese Information schreibt die Stadt Selb in ihrer Pressemitteilung.

Nach der Werbung weiterlesen

Feste finden statt

Der Selber Stadtrat hat in einer nicht-öffentlichen Sitzung am Donnerstag einstimmig beschlossen, die Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Besonders im Gespräch war das wohl schönste Volksfest im ganzen Fichtelgebirge – das Selber Heimat- und Wiesenfest. Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch freut sich über diese Entscheidung ganz besonders: „Wir wollen den Bürgern zeigen, dass wir darauf bedacht sind, zur Normalität zurückzukehren. Die Feste finden so statt, wie wir sie kennen.“

Da die Selber wohl am meisten das Wiesenfest interessiert, teilt Pötzsch einige Informationen diesbezüglich. „Wir wollten keine Einschränkungen, die das Wiesenfest verändern. Der Festplatz wird weder eingezäunt, noch gibt es eine 3 G-Regelung.“ Jedoch geht der Bürgermeister nur von den aktuellen Corona-Regelungen aus. Es könne sein, dass bis Juli noch einige Änderungen vorgenommen werden müssen. Ob Masken getragen werden müssen, ist noch nicht bekannt. „Wir warten ab und halten uns an das Infektionsschutzgesetz“, sagt Ulrich Pötzsch. Ein Wiesenfest mit unzähligen Einschränkungen kann er sich nicht vorstellen: „Ich freue mich auf ein Wiesenfest, wie wir es kennen mit traditionellen Abläufen vom ersten bis letzten Tag.“ Deshalb ist die Stadt Selb als einer der drei Organisatoren schon fest in der Planung: „Alles, was keine Kosten verursacht, haben wir verwaltungsintern bereits im Vorfeld organisiert.“ Darunter sind die Zusagen der Essensstände. Seit dem festen Beschluss am Donnerstag werden laut dem Oberbürgermeister auch die kostspieligen Vorbereitungen getroffen. Der Bürgermeister freut sich am meisten auf das Pinnochiowerfen und darauf, die Luftballons am Marktplatz steigen zu lassen.

Wiesenfest startet bereits am Donnerstag

Ein Highlight gibt Ulrich Pötzsch ebenfalls bekannt: „Das Wiesenfest startet in diesem Jahr am Donnerstag.“ Grund dafür ist das zehnjährige Jubiläum der Festwirtsfamilie Hans-Rainer Spannruft – des zweiten Organisators. „Meine Frau und ich hätten schon 2020 unser zehnjähriges Jubiläum gehabt. Da nichts stattfinden konnte, holen wir das eben in diesem Jahr nach“, sagt Hans-Rainer Spannruft. Er und seine Frau sind überglücklich, dass der Stadtrat und der OB sich für das Wiesenfest 2022 entschieden haben. „Über zwei Jahre hatten wir überhaupt keine Einnahmen. Wir haben nicht einmal staatliche Hilfen bekommen. Um uns über Wasser zu halten, mussten wir die Altersvorsorge auflösen. Die Einbußen holen wir nicht mehr rein“, sagt Spannruft. Da zudem aktuell überall die Preise steigen, hat Spannruft keine andere Wahl, als auch seine Preise zu erhöhen. „Die Maß Bier hat 2019 8,30 Euro gekostet. In diesem Jahr wird sie 1 bis 1,50 Euro teuerer – also kostet die Maß maximal 9,80 Euro.“ Mehr als 10 Euro dürfe die Maß Bier nicht kosten. Das sei die festgelegte Obergrenze. Auf die Frage, ob sich manche Menschen das Wiesenfest dann gar nicht mehr leisten können, antwortet der Festwirt: „Ich glaube nicht, dass die Selber auf das Wiesenfest verzichten. Einige werden es vermutlich bewusster feiern.“ Er ergänzt: „Die Leute sind voller Vorfreude. Wir haben sogar schon die erste Reservierung für einen Tisch im Bierzelt.“ Er geht davon aus, dass wie üblich 7000 Leute im Zelt Platz finden werden. Nun müsse er nur noch Personal und die Bands organisieren.

Auch die Fahrgeschäfte sind garantiert: Der dritte Organisator, die Familie Wunderle-Hartmann, bestätigt, dass sie ihre Vorbereitungen getroffen hat und nun hofft, dass nichts mehr dazwischenkommt.

Schulen planen Festzug

Wenig Zeit für Emotion und Diskussion fand bisher Carsten Kunstmann, Rektor der Dr.-Franz-Bogner-Mittelschule. Wiesenfest und Selb gehören für ihn zusammen und das Wiesenfest zu feiern sei ein Schritt zurück in die Normalität. Niemand aber könne wissen, wie sich die Lage bis dahin entwickelt, gibt Kunstmann zu bedenken: „Wenn man sich die Inzidenzen derzeit anschaut, überlegt man schon.“ Bisher war im Kollegium noch nicht die Zeit, um darüber zu diskutieren, was zu organisieren sei. Die Entscheidung des Stadtrats sei nachvollziehbar und bald werde mit den Planungen begonnen. Kunstmann: „Vom Gefühl her ist das super, und auch wenn es viel zu organisieren gibt: Es wird laufen.“ Konrektorin Manuela Rahm ergänzt: „Die Freude der Lehrer ist grenzenlos!“

Natalie Keller, Lehrerin an der Luitpold Grundschule Selb, saß am Mittwochabend „wie auf Kohlen“ vor dem Handy. Als dann endlich die Nachricht kam: „Das Wiesenfest findet statt!“ fand sie die Nacht über vor Freude und Aufregung keinen Schlaf. Sohn Marvin, der in die dritte Klasse geht, konnte morgens die Botschaft kaum fassen. Als Erstklässler wäre er schon Fahnenträger gewesen. Als Drittklässler erlebt er endlich sein erstes Wiesenfest als Schulkind. „Unterricht ist heute fast nicht machbar“, lacht Natalie Keller, denn es gibt nur ein Thema unter den Schülern: das Wiesenfest. Keller berichtet von Schülerinnen, die gleich ausmachen wollen, wer mit wem tanzt, wie sie sich kleiden wollen und welche Fahrgeschäfte sie ausprobieren werden. Ein ganz großes Thema sei auch das Riesenrad.