Stadtrat Selb Feuerwehr auf den Barrikaden

Umbau, Anbau, Ausbau oder doch ein Dorfgemeinschaftshaus? Um das weitere Vorgehen beim Gerätehaus in Silberbach wurde im Stadtrat heftig gerungen. Foto: /Florian Miedl

Im Stadtrat beharken sich der Silberbacher Ortssprecher und Kommandant Thomas Rohstock und Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch. Im Mittelpunkt steht der Ausbau des Gerätehauses.

Die Fronten sind ziemlich verhärtet: Auf der einen Seite steht der Silberbacher Ortssprecher Thomas Rohstock, der auch Kommandant der Feuerwehr ist und vehement einen Ausbau des Feuerwehrgerätehauses fordert; auf der anderen Seite Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch, der vor konkreten Schritten erst das in Auftrag gegebene Feuerwehrhauskonzept abwarten will, in dem alle Ortsteilwehren erfasst sind. Einen Beschluss gab es in der Stadtratssitzung nicht, dafür aber eine durchaus emotional geführte Diskussion.

Der Ausgangspunkt des Ganzen liegt schon in der November-Sitzung. Damals hatte der Stadtrat auf Antrag von Aktiven Bürgern und CSU mehrheitlich beschlossen, 290 000 Euro, die für die Planung und den Umbau des Silberbacher Feuerwehrhauses im Haushalt 2023 eingeplant waren, für das Gestaltungskonzept der Ludwigstraße einzusetzen. In der Sitzung am Mittwoch legte die Verwaltung nun als Sachstandsbericht vier Varianten für einen möglichen Umbau des Gerätehauses vor (siehe Info-Kasten). Der ursprüngliche Beschluss, den Anbau eines Schulungsraumes weiterzuverfolgen, hatte der Stadtrat bereits im Juni 2020 gefasst.

Gute Lösung

Oberbürgermeister Pötzsch sagte dazu, dass grundsätzlich alle Gerätehäuser alle drei Jahre begangen und geprüft würden. Dabei festgestellte Mängel im täglichen Betrieb würden sofort erledigt (so habe man beispielsweise den Hallenboden unter dem Fahrzeug erneuert), andere Probleme gehe man perspektivisch an. So sei das Problem der zu geringen Torbreite eben nicht sofort zu lösen. „Dinge, die die Sicherheit angehen, haben wir sofort geregelt.“ Aufgabe der Stadt sei es, für Silberbach eine möglichst gute Lösung zu finden. Und die müsse auch wirtschaftlich darstellbar sein. Dass in Silberbach etwas geschehen müsse, stehe außer Frage, er plädiere aber dafür, erst das Feuerwehrkonzept abzuwarten.

Diese Aussagen wollte Thomas Rohstock so nicht stehen lassen. Ob der neue Estrichboden überhaupt zulässig sei, wisse man nicht, weil er noch gar nicht geprüft worden sei. Er verwies darauf, dass grundsätzlich die Bestimmungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gelten. Vehement bemängelte der Kommandant, dass es zu Beispiel noch immer keine Absauganlage für die Dieseldämpfe gebe: „Es wird nichts gemacht.“ Er habe die Mängel bereits 2019 gemeldet, es sei an der Zeit, in die Gänge zu kommen. Er befürchte, dass die Versicherung bei einem Unfall keinen Cent zahle.

Unterstützung unstrittig

Pötzsch hielt dagegen, dass die Unterstützung der aktiven Wehren im Stadtrat unstrittig sei. Die Stadt sei bereit zu investieren, allerdings arbeite man mit Steuergeldern und müsse zudem auch die Belange der anderen Wehren berücksichtigen: „Die aktiven Wehren werden an allen Stellen gleich behandelt.“ Dafür werde eben das Gesamtkonzept aufgestellt. Deutlich wurde dann auch der Oberbürgermeister: Der Eindruck, Silberbach habe nichts bekommen und die Stadt handle fahrlässig, stimme keinesfalls. Und auch den Vorwurf der Untätigkeit wollte der OB so nicht stehen lassen, sondern stellte sich vor seine Verwaltung: Man habe die Zeit genutzt und verschiedene Varianten erarbeitet. Dazu habe die Verwaltung mit dem Amt für ländliche Entwicklung und auch mehrfach mit Rohstock gesprochen.

Roland Schneider (Freie Wähler Selb) zeigte Verständnis für den Silberbacher Ortssprecher, immerhin sei der ursprüngliche Beschluss vor zweieinhalb Jahren gefasst worden. Und es sei gut, dass sich Rohstock so engagiere. Allerdings gehe er davon aus, dass das Gesamtkonzept in zwei bis drei Monaten vorliege und man dann entscheiden könne.

Stand 2020

Für die SPD fragte Walter Wejmelka, ob die im Sachstand angegebenen Kosten noch aktuell seien. Wie Christine Koch vom Hochbauamt sagte, geben die Kostenschätzungen den Stand von 2020 wider. Aktualisierte und konkrete Zahlen werde es dann im Gerätehauskonzept geben. Zudem machte Wehmelka deutlich, dass die SPD weiterhin zu dem damaligen Beschluss für einen Anbau stehe.

Thomas Rohstock gab sich mit den Aussagen des OB noch nicht zufrieden: In den vergangenen zweieinhalb Jahren habe man vor allem über ein Gemeinschaftshaus am Gerätehaus geredet: „Aber was ist mit dem Feuerwehrwehrhaus?“ OB Pötzsch verwies noch einmal darauf, dass die Ausarbeitung viel Zeit gekostet habe. Zudem habe die Stadt auch das in Frage kommenden Grundstück hinter der Feuerwehr gekauft. Er nehme Kritik gerne an, wenn sie angebracht sei: „Hier ist sie nicht angebracht.“

Vier Varianten für Um- oder Ausbau

Variante 1
Anbau eines Schulungsraumes mit Sanitärbereich an der Rückseite und Erweiterung des Gerätehauses zur Straßenseite, um die Größe der Stellplätze zu erhöhen. Problem: die Trafostation der ESM müsste verlegt werden. Alle erforderlichen Maße – außer der Torhöhe – würden eingehalten, nicht aber das Raumprogramm. Geschätzte Kosten: 325 000 Euro.

Variante 2
Anbau eines Gemeinschaftshauses mit großem Gemeinschaftsraum, Küche, Lager und Technikräumen sowie Sanitäranlagen. Dabei würde das Raumprogramm erfüllt, Stellplätze und Torgröße müssten dennoch geändert werden. Geschätzte Kosten: eine Million Euro.

Variante 3
Freistehendes Gemeinschaftshaus auf dem angrenzenden Grundstück: im Prinzip wie Variante 2, nur eben nicht als Anbau, sondern freistehend

Variante 4
Neubau eines Gerätehauses. Dabei würden alle aktuell geltenden Vorschriften und Anforderungen erfüllt. Geschätzte Kosten: 1,2 Millionen Euro.

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