Stadtsteinach "Kunstwerk" auf Zeit

Klaus Klaschka

Die Bauernmarktscheune in Stadtsteinach ist verhüllt wie einst der Reichstag. Der Grund: Das Gebäude ist vom Holzwurm befallen.

Stadtsteinach - Was wie die Verhüllung eines Gebäudes als Kunstobjekt à la Christo anmutet, nennen Schädlingsbekämpfer "Einhausung". 1200 Quadratmeter Folie brauchte ein Trupp der Spezialfirma Groli aus Dresden, um jetzt die Stadtsteinacher Bauernmarktscheune einzuhausen. Sie ist wurmstichig. Mit Gas wird dem Holzwurm derzeit der Garaus gemacht. Dazu wurde das Gebäude zunächst mit Folie hermetisch luftdicht verpackt und anschließend Gas mit dem Wirkstoff Sulfurylfluorid eingeleitet. Das bleibt 72 Stunden in dem Fachwerkhaus, dringt in alle Löcher und Ritzen und wird alle Stadien des sogenannten Hausbocks vernichten. Während dieser Zeit wird das Gebäude permanent überwacht; nichts bleibt dem Zufall überlassen.

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Einen ganzen Tag dauerte das Verpacken der Scheune mit einer dreiteiligen Folie. Ein Teil deckt das ganze Dach und die Seiten ab, jeweils ein weiteres Teil die beiden Giebel. Der gemauerte Anbau mit den Toiletten ist unverpackt. Aber die Fenster sind von innen abgeklebt, die Tür von außen. Sämtliche Nähte sind mit breiten Klebebändern mehrfach verschlossen. Schwere Sandsäcke auf dem Dach halten die Folie auf den Ziegeln, und an den Seitenwänden ist sie mit angeschraubten Latten gesichert.

Damit kann sich die Verpackung auch bei stürmischem Wetter nicht selbstständig machen und hält das Gebäude dicht. Denn die Begasung im Innern darf eine bestimmte Konzentration nicht unterschreiten, um wirksam zu bleiben. Kontrolliert wird das Gebäude während der 72-stündigen Begasung ununterbrochen. Zum einen wird die Gaskonzentration über ein Messgerät per Funk an den Laptop eines Mitarbeiters übertragen, der während der Begasung in Stadtsteinach bleibt. Zum anderen ist in der Scheune ein sogenannter Prüfkörper mit Holzbocklarven deponiert. Der wird nach der Begasung im Labor untersucht, ob das Gas auch seine gewünschte Wirkung gezeigt hat.

Sulfurylfluorid ist ein farb- und geruchloses Gas, das als Insektizid aber auch zur Verhinderung von zum Beispiel Schimmelpilzen bei der Lagerung von Lebensmitteln wie Getreide, Nüssen, Schalen- und Trockenfrüchten und auch Schokolade Anwendung findet. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erlaubte ab 2007 die Anwendung des Gases zunächst für die Behandlung von Trockenobst, Nüssen und Schalenfrüchten sowie für verschiedene Getreidearten. Erst 2012 erfolgte die Zulassung zur Schädlingsbekämpfung bei Laub- und Nadelholz, Holzpaletten und Packholz. Für alle Anwendungen gelten dennoch Konzentrationsobergrenzen. Bei "bestimmungsgemäßem Gebrauch und bei Behandlung der zugelassenen Anwendungsbereiche" hat das Bundesamt das Gas als unbedenklich eingestuft. Dessen Verwendung wird allerdings nur ausgesuchten und sachkundigen Firmen gestattet.

Die Firma Groli, noch zu Zeiten der DDR im Mai 1990 gegründet, gilt als einer der Spezialisten auf dem Gebiet der "Schaffung von schädlingsfreien Lebensräumen vorwiegend für Lebensmittelproduktions- und Gastrobetriebe, Hotels, Museen, Architekten, Kirchen, Restaurationswerkstätten, Immobilienunternehmen wie auch für private Haushalte", wie Marco Müller berichtet - einer der beiden Geschäftsführer, der den Betrieb mit mittlerweile 30-jähriger Erfahrung nun in der zweiten Generation leitet.

Wenn die Begasung am Donnerstag beendet ist und bevor die Scheune am Freitag wieder ausgepackt wird, ist zunächst eine messtechnische Überprüfung vorgeschrieben, in der nachgewiesen werden muss, dass keine Gas-Rückstände oberhalb zehn Milligram pro Kubikmeter mehr vorhanden sind. Weitere fünf Tage lang wird die Scheune dann gelüftet, bevor sie wieder betreten werden darf. Der nächste Bauernmarkt ist deshalb erst am 22. August angekündigt.