Statistik 2020 Polizei Naila klärt 82 Prozent der Straftaten auf

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Damit liegt sie deutlich über dem oberfränkischen Durchschnitt. Ein Drittel aller Taten geht auf das Konto durchreisender Straftäter an den Rastanlagen und Autohöfen.

Naila - „In Naila und Umgebung lässt es sich nicht nur sehr gut, sondern auch sicher leben“, betont Dienststellenleiter Klaus Bernhardt zur Kriminalstatistik 2020 für den Zuständigkeitsbereich der hiesigen Polizeiinspektion. „Rückläufige Straftaten, hohe Aufklärungsquoten und niedrige Kriminalitätsbelastungszahlen sind ein Indiz hierfür“, ergänzt stellvertretender Dienststellenleiter Wolfgang Manig.

Kriminalitätsentwicklung: Im Zuständigkeitsbereich der Polizei Naila wurden im vergangenen Jahr 1631 Straftaten verübt, das ist ein Rückgang um 6,5 Prozent ( 113 Straftaten). Im Zehnjahresrückblick bedeutet dies das zweitniedrigste Fallaufkommen. Die Aufklärungsquote (AQ) stieg um 2,7 Prozentpunkte auf 82,2 Prozent. Damit liegt die Polizei Naila deutlich über den landesweiten Durchschnitt von 68,1 Prozent und dem oberfränkischen Durchschnitt von 74,7 Prozent. 1341 Fälle wurden aufgeklärt. 1089 Tatverdächtige wurden ermittelt, 885 männliche und 204 weibliche.

Haufigkeitszahl: Die Häufigkeitszahl (HZ) beschreibt als Sicherheitskennzahl das Verhältnis der bekanntgewordenen Straftaten pro hunderttausend Einwohner. Im Zuständigkeitsbereich Naila beträgt die HZ 6230, in Oberfranken 4769 und bayernweit 4528. Diese erhöhte HZ der Polizei Naila wird vor allem durch die Gemeinde Berg mit einer HZ von 31 711 beeinflusst. Im Gemeindegebiet befinden sich die Rastanlagen Berg und Rudolphstein an der Autobahn A 9, wo auch Schleierfahnder viele Kontrollen vornehmen. Hier geht es überwiegend um Straftaten aus den Bereichen Betäubungsmittel-, Waffen- und Aufenthaltsgesetz. Somit belasten durchreisende Täter die HZ erheblich. Als bereinigtes Ergebnis – ohne die Gemeinde Berg – ergibt sich für die acht verbleibenden Kommunen eine HZ von 3050. Die Kriminalitätsbelastung liegt damit deutlich unter den oberfränkischen (HZ 4769) und bayerischen (HZ 4528) Werten.

Die niedrigste HZ mit 1549 errechnet sich in Geroldsgrün. Den zweiten Platz hinter der Gemeinde Berg nimmt die Stadt Naila mit einer HZ von 5009 ein.

Die einzelnen Kommunen: Wie bereits aufgezeigt, ist Berg mit 671 Fällen (792 im Vorjahr) die am höchsten belastete Gemeinde. In der Stadt Naila wurden 383 (443) Fälle aufgenommen, gefolgt von Selbitz mit 179 (158), Schwarzenbach am Wald 158 (124), Bad Steben 112 (121), Geroldsgrün 42 (43), Lichtenberg 25 (18) und Issigau mit 22 (zehn).

Die einzelnen Deliktbereiche: Rückgänge lassen sich bei den Diebstählen mit 169 Fällen verzeichnen, 48 Fälle weniger als im Vorjahr. Dieser Wert ist der niedrigste im Zehn-Jahres-Rückblick. Registriert wurden 47 schwere Diebstähle, sogenannte Einbruchdiebstähle, und 122 einfache Diebstähle, darunter auch Ladendiebstähle. Die Aufklärungsquote bei den Diebstählen liegt bei nur nur bei 42 Prozent (plus 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Am markantesten waren die drei Geldautomaten-Sprengungen in Selbitz, Issigau und Berg.

Eine leichte Abnahme lässt sich auch bei den sogenannten Rohheitsdelikten um vier auf insgesamt 204 Fälle feststellen: Dabei handelt es sich um Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung und Freiheitsberaubung. Der Großteil, 117 Fälle, entfiel auf Körperverletzungen. In der Regel handelt es sich um Beziehungsdelikte, weshalb die Beteiligten bekannt sind. Demzufolge ist die Aufklärungsquote mit 97,5 Prozent hoch.

Um 84 sankt die Zahl der Verstöße gegen sogenannte Nebengesetze. Insgesamt 549 waren zu verzeichnen. Rauschgiftdelikte und Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz waren stark rückläufig. Da es sich hier überwiegend um sogenannte Kontrolldelikte handelt, liegt ein Bezug zur Coronapandemie und den damit verbundenen Ausgangssperren nahe. Da die Straftäter bei den Kontrollen bekannt werden, ist auch hier die Aufklärungsquote hoch (98,2 Prozent).

Eine Zunahme um 18 Fälle ergibt sich bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten (insgesamt 344). Bei 82,2 Prozent (79,1 Prozent) gelang die Aufklärung. Auch 2020 sind wieder zahlreiche Enkeltrickfälle, falsche Polizeibeamte oder das betrügerische Vortäuschen von Notfällen angezeigt worden. Trotz zahlreicher polizeilicher Warnhinweise gelingt es den Tätern immer wieder, das Vertrauen gerade älterer Personen zu gewinnen, die dann hohe Bargeldbeträge an die unbekannten Täter aushändigen. „Glücklicherweise ist der Großteil der Bevölkerung mittlerweile sensibilisiert, sodass ein Großteil der Fälle im Versuch steckenbleibt“, erklären die beiden Nailaer Polizeichefs.

Fünf Vorgänge mehr, insgesamt 22 (17), wurden bei den „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ angezeigt. Auch hier liegt mit 90,9 Prozent eine hohe Aufklärung vor, weil sich die Täter und Opfer in der Regel kennen. Darunter fallen beispielsweise Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern und auch das Verbreiten von pornografischen Schriften. Letzteres taucht häufig schon bei Kindern und Jugendlichen auf, die mit ihren Handys pornografische Fotos weiterleiten und sich nicht bewusst sind, sich strafbar zu machen. Aktuell läuft hierzu eine Präventionskampagne der Polizei unter dem Motto „Dein Smartphone – Deine Entscheidung“. Schüler, Eltern und Lehrer sollen für einen verantwortungsvollen Umgang in den sozialen Medien damit sensibilisiert werden.

Mit 132 Fällen bei der Straßenkriminalität weist die Statistik die niedrigste Fallzahl in zehn Jahren aus. Hierunter fallen gefährliche oder schwere Körperverletzungen sowie Sachbeschädigung auf öffentlichen Straßen und Plätzen, Diebstahl aus oder an Kraftfahrzeugen und sonstige Straßendiebstähle. Vor allem die öffentlichen Sachbeschädigen fallen hier mit 44 Fällen und somit einem Anteil von einem Drittel ins Gewicht. Häufig geschehen derartige Straftaten im Umfeld von Veranstaltungen. Der Rückgang steht wahrscheinlich auch hier in Zusammenhang mit Corona und den abgesagten Veranstaltungen.

Fazit: Ein Drittel der Straftaten im Dienstbereich der Polizei Naila haben durchreisende Straftäter an den Rastanlagen und Autohöfen verübt. Der Schwerpunkt liegt bei den Betäubungsmitteldelikten (340 Fällen) und Verstößen nach dem Aufenthaltsgesetz. Insgesamt besonders erfreulich seien die rückläufigen Fallzahlen um 6,5 Prozent und die nochmals gesteigerte Aufklärungsquote auf 82,2 Prozent, stellen die beiden Inspektionsleiter fest. Die Polizei Naila werde 2021 verstärktes Augenmerk auf die Eindämmung der Drogenkriminalität setzen, „um das Risiko des Drogenkontakts für unsere heranwachsenden Bürger zu minimieren“. red

 

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