Statistisches Bundesamt Junge Leute leben auf Kosten ihrer Eltern

Michael Setzer
Klingt lustig, ist aber Realität: Viele junge Menschen müssen im Hotel Mama bleiben. Foto: Imago/Peter Sandbiller

Wie finanziell selbstständig sind die jungen Deutschen? Das Statistische Bundesamt hat dazu Zahlen vorgelegt. Manche von ihnen überraschen.

Mehr als 51 Prozent der 15- bis 24-Jährigen in Deutschland lebt mehrheitlich auf Kosten der Eltern oder anderer Angehöriger. Lediglich 38 Prozent haben ihren Lebensunterhalt im vergangenen Jahr aus eigener Erwerbstätigkeit bestritten. Dies teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Internationalen Tag der Jugend am 12. August mit. Die Gründe sind allerdings naheliegend, denn ein Großteil der jungen Menschen befindet sich heutzutage in diesem Alter noch in Schule, Ausbildung oder Studium – mit kleinem oder eben gar keinem Einkommen.

Ein Viertel wohnt im Hotel Mama

Die aktuellen Zahlen schließen sich indes nahtlos an Statistiken an, wonach 2020 über ein Viertel der jungen Menschen (bis 25 Jahre) noch im sogenannten Hotel Mama residierte – also zu Hause bei den Eltern beziehungsweise bei anderen Angehörigen. Doch alleine ein Blick auf den Wohnungsmarkt der vergangenen Jahre reicht aus, diese Zahlen zu erklären: Für viele junge Menschen stellt sich die Frage, wie sie Ausbildung, Studium und Lebensunterhalt finanzieren sollen. Oder: Ob es lohnt, einen Großteil des Gehalts in die Miete zu investieren.

Vor 30 Jahren war die Gemengelage noch umgekehrt: Mehr als die Hälfte der jungen Menschen (52 Prozent) konnte damals finanziell auf eigenen Beinen bestehen, unabhängig leben, 40 Prozent waren auf Eltern oder andere Angehörige angewiesen.

Die Pandemie erschwert die Situation

Die Pandemie tat allerdings ihr Übriges dazu, die Situation für junge Menschen zu erschweren: Noch 2019 konnte stolz verkündet werden, dass die Gruppe derer, die weder einer Schul- oder Berufsausbildung noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen auf ein Zehn-Jahres-Tief von 5,7 Prozent gefallen sei. Während der Coronakrise ist der Anteil auf 7,5 Prozent gewachsen. Jeder Zehnte bezog 2021 sein Haupteinkommen aus öffentlichen Leistungen. Erfreulicher sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für junge Menschen: Die sind laut den Zahlen des Statistischen Bundesamts nämlich überdurchschnittlich gut in Deutschland – zumindest im europäischen Vergleich.

Arbeitslosenquote ist niedrig

Nur 6,9 Prozent der Erwerbspersonen zwischen 15 und 24 Jahren waren 2021 in Deutschland ohne Job. Die Quote in der EU liegt bei 16,6 Prozent – in Ländern wie Griechenland (35,5 Prozent) und Spanien (34,8 Prozent) betrifft das mehr als ein Drittel der jungen Menschen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts gehen auf erste Auswertungen aus dem Mikrozensus zurück.

Hohe Quote bei atypischer Beschäftigung

Befristung
 Fast ein Drittel (29,2 Prozent) der Beschäftigten zwischen 15 und 24 Jahren ging 2021 laut dem Statistischen Bundesamt Destatis einem atypischen Beschäftigungsverhältnis nach. Damit ist gemeint: Sie arbeiten befristet, in Teilzeit mit weniger als 21 Wochenstunden, geringfügig beschäftigt oder in Zeitarbeit.

Altersgruppe
Insgesamt betrifft die atypische Beschäftigung in Deutschland 21,2 Prozent der Erwerbstätigen. Die Quote unter jungen Menschen liegt somit deutlich höher als in anderen Altersgruppen.

 

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