Sticker, Kleidung und Kuscheltiere Hohenberg hat jetzt Fan-Artikel

Sophia Goldner
Anderas Thaler zeigt ein Paar seiner Fanartikel: Er trägt ein T-Shirt und hält zwei Sticker. Foto: Goldner

Die „Lokalpatrioten“ überzeugen Hohenberg mit ihrer Geschäftsidee. Ab sofort gibt es auf ihrer Internetseite über 300 verschiedene Souvenirs.

Was haben ein Fußballverein, eine Band und die Stadt Hohenberg gemeinsam? Alle bieten Fanartikel an. Hohenberg hat Fanartikel? Sie haben richtig gelesen. Heute ist es gar nicht mehr so ungewöhnlich, dass auch kleinste Gemeinden mit T-Shirts, Aufklebern und Tassen für sich werben. Für die Hohenberg-Souvenirs sind Andreas und Sabine Thaler verantwortlich.

Vor drei Jahren hatte das Paar seine bisherige Heimat München verlassen, um in Hohenberg noch einmal neu durchzustarten – auch beruflich. Bei der Suche nach einem passenden Haus sind sie auf die ehemalige Drogerie in der Schirndinger Straße gestoßen. Sie bietet alles, was Andreas und Sabine Thaler brauchen: ein schönes Haus mit Ladenlokal, mitten im Zentrum von Hohenberg.

Zuneigung für Hohenberg ausdrücken

Geschäftsideen haben sie viele. Eine davon sind die Hohenberg-Souvenirs. Ihr kleines Unternehmen nennt sich die „Lokalpatrioten“. Denn mit den Fanartikeln will das Paar die Zuneigung zu seiner Wahl-Heimat Hohenberg ausdrücken. Als Andreas Thaler das Logo für die 800- Jahr-Feier im Ehrenamt entwickelt hatte, wurde ihm nämlich klar: „Hohenberg-Logos haben ein größeres Potenzial.“

Bewusst schaute er sich in Hohenberg nach Souvenirs um, fand aber nur ein mageres Angebot: „Die Verwaltung in Schirnding bietet einen Schlüsselanhänger, ein kleines Ortsschild von Hohenberg, an.“ Laut ihm würde jedoch kein Tourist draufkommen, in Schirnding nach Hohenberg-Souvenirs zu suchen. Deswegen beschloss er kurzerhand, eine Internetseite für solche Produkte zu erstellen. Ein Laden für die Souvenirs ist in Hohenberg vorerst nicht geplant.

Mittlerweile gibt es auf der Plattform über 300 Artikel: Von der Grillschürze über die Handyhülle bis hin zum Hunde-Lätzchen. „Keine Schlüsselanhänger“, sagt Andreas Thaler. Die soll es weiter in der Verwaltung geben. „Neben dem 800-Jahr-Feier-Logo, haben wir insgesamt noch sechs weitere Aufdrucke entworfen“, fährt Thaler fort.

Die Stadt verdient mit

Ob sich so viele Souvenirs für eine so kleine Stadt überhaupt lohnen? „Definitiv“, meint Andreas Thaler.

„Ich hätte anfangs auch nicht gedacht, dass die Nachfrage doch so groß ist. Die Hohenberger hatten Personalisierungswünsche und weitere Produktideen wie zum Beispiel Bierkrüge.“ Neben den circa 1400 Einwohnern freuen sich auch Touristen über die Fanartikel. Im vergangenen Jahr hatte Hohenberg laut Andreas Thaler circa 3500 Übernachtungs-Gäste und somit genug potenzielle Interessenten. Doch besonders für die Stadt selbst sei die Geschäftsidee eine Win-Win-Situation: Thaler argumentiert, dass die Fanartikel die Stadt nichts kosten. Im Gegenteil: „An jedem verkauften Produkt verdient der Ort 50 Cent mit.“ Das Geld fließe dann in ein lokales Projekt, das Unterstützung nötig hat.

Zu der Internetseite der Lokalpatrioten führen QR-Codes. Sie sind überall in der Stadt zu finden: „Beim Kaiser, in den Schaukästen, an der Plakatwand, im Porzellanikon und in den Werksverkäufen“, zählt der Unternehmer auf. Thaler ist zuversichtlich, dass auch ältere Menschen mit dem QR-Code und der Internetseite zurechtkommen werden: „Seitdem ich in Hohenberg lebe, habe ich überraschend viele ältere Hohenberger kennengelernt, die sehr gut mit der Digitalisierung zurechtkommen. Hier klebt der 35-Jährige eher am Papier als der Sechzigjährige.“

3D-Druck, Lasern und Fräsen

Dass sich das Paar auf den Online-Andenkenladen beschränkt, hat einen Grund: „Wir bedrucken nur das, was auch bestellt wurde.“ Das Prinzip wird auch „Print on Demand“ genannt und bietet dem Unternehmer-Paar viele Vorteile: „Wir brauchen kein extra Lager und es gibt auch keine Ladenhüter. Da verstaubt nichts.“ Für Menschen, die Sachen gern anfassen, bevor sie sie kaufen, will Andreas Thaler zusätzlich ein kleines Sortiment an Artikeln in Hohenberg anbieten – genauer gesagt im Ladenlokal seines Hauses. Hier will er nicht nur im 3D-Druck, computergesteuerten Lasern und Fräsen experimentieren, interessierte Kunden beraten sowie Material und Technik verkaufen, er will auch Seminare für Neueinsteiger und Fortgeschrittene anbieten. Nebenher plant er, den Online-Fanshop „Lokalpatrioten“ auszubauen. „Die Hohenberg-Souveniers sind nur unser Pilotprojekt. Wenn das Design einmal erstellt ist und im Netz bestellbar ist, dann ist die Pflege des Produkts minimal. So können wir uns auf das nächste Design des nächsten Orts stürzen.“ Andreas Thaler träumt davon, dass sich seine Geschäftsidee irgendwann einmal verselbstständigt. Bis dahin steckt er all seine Liebe in die verschiedenen Designs.

Zur Person
Nachdem Andreas Thaler sein Studium zum Lebensmittelchemiker in München und Bonn absolviert hatte, gab es kaum Stellen. Durch einen glücklichen Zufall kam der heutige Unternehmer zum Programmieren. Erst arbeitete er in der Firma seines WG-Mitbewohners, später in einer größeren Münchner Firma – ebenfalls als Programmierer. Er hat sich das meiste selbst beigebracht. Auch heute eignet er sich vieles mithilfe von YouTube Videos an. Mit der Zeit wurde Andreas Thaler und seiner Frau klar, dass es nicht billig ist, auf Dauer in München zu leben. Deshalb haben sie sich nach Häusern in bezahlbaren Gegenden umgeschaut. Schließlich sind sie auf ein Haus in Hohenberg gestoßen. Mit dem neuen Wohnort, brauchte Thaler auch eine neue Arbeit. Er entschloss sich, selbstständig zu werden: mit dem 3D-Druck, Fräsen und einem Fanshop für Städte.Nun ist der Fanshop fertig und unter www.hohenberg-eger.myspreadshop.de abrufbar.
 

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