Streit um Güterbahnhof JU will den Abriss

Erhalten oder abreißen: Der Güterbahnhof spaltet die Kulmbacher. Foto: Gabriele Fölsche

Die Junge Union fordert den Abriss des Güterbahnhofs. Ein Bürgerentscheid? Nicht nötig, sagt der Nachwuchs der CSU und greift die Befürworter scharf an.

 
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Einem möglichen Erhalt des Kulmbacher Güterbahnhofs kann die Junge Union nichts abgewinnen. Ortsvorsitzender Frederik Barth nennt in einer Stellungnahme vom Wochenende den Abriss ein„notwendiges Übel“ und verweist darauf, dass sich jahrzehntelang niemand um das Gebäude gekümmert oder interessiert habe. „Nun, wenn endlich Licht am Ende des Tunnels erscheint und der Bau des Uni-Campus Schritt für Schritt näher rückt, bilden sich plötzlich Fangruppierungen um den alten Bahnhof?“ fragt Barth ironisch und geht einen Schritt weiter: „Wer sich gegen die Tangente und für den Bahnhof einsetzt, stellt sich gegen eine Weiterentwicklung der Stadt und gegen den Campus. So jemand kann keine positive Entwicklung für die Stadt im Sinn haben.“

Die Junge Union reagiert damit auf eine neue Initiative mehrere Kulmbacher Bürger, an deren Spitze die langjährige Zeitungsredakteurin Katrin Geyer (Kirchenvorstand Sankt Petri) und Hartmut Schuberth (Studiendirektor a.D. und über Generationen Lehrer von Kulmbacher Berufsschülern) stehen. Die Gruppe hat sich einen Bürgerentscheid zum Ziel gesetzt. An zahlreichen Stellen in der Stadt liegen Unterschriftenlisten aus. Insgesamt möchte man 1700 Unterschriften zusammenbekommen, um den Stadtrat zu einem Bürgerentscheid zu zwingen. „Als Relikt einer Zeit, in der Kulmbach einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, hat der Güterbahnhof für mich Denkmalcharakter. Zudem hat das Gebäude Charme. Wenn man es etwas aufhübscht, ist es eine Bereicherung für den künftigen Uni-Campus“, ist Katrin Geyer überzeugt. „Überhaupt nicht nachhaltig“ nennt es ihr Mitstreiter Schuberth, ein historisches und seiner Ansicht nach keineswegs marodes Gebäude abzureißen. Dies wäre nicht nur die Vernichtung von grauer Energie. „Es geht auch um den Erhalt unseres kulturellen Erbes. Der Güterbahnhof ist ein markantes Gebäude, das wesentlich mit den industriellen Aufstieg Kulmbachs ermöglicht hat“, sagt Schuberth. Und was die Tangente angeht, so schaffe die keine Lösung für den Verkehr. „Wir sprechen hier über eine große breite Straße, eine neue Brücke über den Main und zwei neue Kreuzungen, die das Zeug zu neuen Stau-Hotspots in sich tragen“, ist Katrin Geyer überzeugt.

Komplett anders sieht man das alles bei der Jungen Union. „Das Gebäude ist schön, keine Frage. Aber steht seit Jahren leer und unbenutzt und jetzt soll es erhalten bleiben und die Tangente nicht gebaut werden? Außerdem würden der Erhalt und die Sanierung des Bahnhofes zusätzlich hohe Kosten und Zeitverzögerungen schaffen“, schreibt Barth. Er verweist auf ein unabhängiges Gutachten, das zu dem Schluss gekommen sein, dass ohne eine neue Tangente der Verkehr in der Stadt nicht mehr zu bewältigen sei. „Die Tangente bringt also eine Entlastung für den Verkehr – auch unabhängig vom Campus.“ Der Stadtrat hatte im Jahr 2021 beschlossen, dass der alte Bahnhof für den Bau der Tangente weichen muss.

Insbesondere sieht die Junge Union durch die Bürgerinitiative die Umsetzung der Uni-Pläne in der Stadt gefährdet. „ Unsere Stadt braucht die Universität. Eine Integration in das Unigelände ist nicht möglich“, ist Barth überzeugt und erinnert daran, dass der Stadtrat sich dieser Frage gestellt habe und dann zu der Entscheidung gekommen sei, das Gebäude abzureißen.

Die Befürworter eines Güterbahnhof-Erhalts – und nicht nur die – greift die Junge Union in ihrer Mitteilung scharf an. „Diese entwicklungshemmenden Kulmbacher“, heißt es da, „ erinnern schon fast an die Arbeitsmoral des aktuellen Rathauses. Frei nach dem Motto: ,Nur nichts verändern, dann kann man auch nichts falsch machen. Hier bleibt alles so wie es ist.“

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