Stumme Demo Spaziergänger ohne Botschaft

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Eine Demo ohne Meinungsäußerung in Selb. Foto:  

Um die 300 Menschen ziehen demonstrierend durch Selb. Allerdings haben sie keinen Standpunkt, den sie vertreten.

Selb - Es dürften zwischen 250 und 300 Frauen und Männer gewesen sein, die sich am Freitagabend auf dem Goldberg in Selb getroffen haben und anschließend durch die Stadt gezogen sind. Wofür oder wogegen sie demonstriert haben (denn eine Demonstration war es ohne Frage), kann man sich lediglich denken: keine Plakate, keine Parolen und selbst auf Nachfrage kein Standpunkt. Die Demonstranten verweigern eine Demonstration, eine Darstellung ihrer Meinung.

Verabredung im Netz

Verabredet hatten sich die „Spaziergänger“ auf Social-Media-Kanälen und in Chatgruppen, in denen einige einfach ihre Bedenken gegen Impfungen äußern, in denen sie nicht wenige, aber auch abstruse Verschwörungstheorien verbreiten. Also muss man davon ausgehen, dass sich die Aktion unter dem Motto „Lichter gegen Zwang und Spaltung“ gegen die Corona-Politik und eine mögliche Impfpflicht richtet.

Sarkastisch

Man würde es gerne erfahren, doch jeder Versuch, ins Gespräch zu kommen, scheitert. Auf Nachfrage reagieren die Teilnehmer entweder gar nicht oder mit Sarkasmus. Persönlich bekannte Spaziergänger drehen einem den Rücken zu, sobald sie erfahren, dass man dienstlich unterwegs ist. Warum? Warum redet keiner der Teilnehmer mit jemandem, der in ihren Augen höchstwahrscheinlich eine andere Meinung vertritt? Sieht so eine Aktion gegen Spaltung aus?

Mit Kind und Kegel

Auf dem Goldberg, kurz vor 17.30 Uhr: Immer mehr Menschen aller Altersklassen kommen zum Eingang. Mit Kind und Kegel, Hund und Kinderwagen. Die Stimmung ist gelöst, man lacht, umarmt sich zur Begrüßung. Ein als Wikinger verkleideter Demonstrant stößt in ein Rufhorn – das Zeichen zum Aufbruch.

Kurz nach 17.30 Uhr sind es vielleicht 150 Männer und Frauen, die sich auf den Weg machen, die allermeisten ohne Maske und auch ohne Abstand. Es sind offensichtlich nicht nur Menschen aus Selb, die sich hier getroffen haben.

O Tannenbaum

Als sich der Zug – unter den Augen der Polizei – auf den Weg macht, haben einige Wunderkerzen in der Hand oder Lichterketten um den Hals. Je weiter der Zug über die Wunsiedler und die Burgstraße Richtung Innenstadt führt, desto mehr Menschen schließen sich an.

Nach einer Runde durch die Ludwigstraße und über den Parkplatz an der „Kraft“ schiebt sich die Menge auf den Martin-Luther-Platz. Offensichtlich gibt es einen Wortführer. Der ruft dazu auf, „O Tannenbaum“ zu singen. Und als jemand danach die Nationalhymne anstimmt, singen die meisten mit.

Mit dem Hinweis, dass man sich wieder treffen wolle, setzt sich der Zug in der Selber Innenstadt erneut in Bewegung.

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