Tauperlitz-Kautendorf Deutlich mehr Bäume bleiben stehen

Die kurvenreiche Kreisstraße HO 5 zwischen Tauperlitz und Kautendorf ist in weiten Streckenabschnitten von Bäumen gesäumt. Foto: Keltsch

Landrat Oliver Bär stellt im Bauausschuss die neuen Pläne für die Baumfäll-Aktion an der Allee zwischen Tauperlitz und Kautendorf vor. Momentan stehen sechs Bäume auf der Liste – ursprünglich waren es 32.

Der Protest von Landkreis-Grünen, Naturschutzverbänden, Radlern und sonstigen Baumfreunden gegen die geplante Fällaktion an der Kreisstraße zwischen Tauperlitz und Kautendorf (Gemeinde Döhlau) hat Wirkung gezeigt – mit beachtlichem Erfolg: Der Landkreis reduziert den Umfang der Fällungen – ursprünglich sollten 32 Bäume verschwinden – massiv. Landrat Oliver Bär hat am Donnerstag im Bauausschuss des Kreistags vor einer stattlichen Zuhörerschar die geänderten Pläne vorgestellt.

Fällung Fest steht die Fällung von sechs Bäumen, weil sie starke Schäden aufweisen und für den Verkehr gefährlich werden könnten. Weitere drei Bäume werden per Ultraschall noch genau untersucht, wie weit die Schädigungen vorgedrungen sind und ob sie vielleicht erhalten werden können.

Leitplanken Auch der Bau neuer Leitplanken wird erheblich reduziert. Die Experten des Landkreises werden die Kreisstraße nochmals genau prüfen, in welchen Kurven neue Schutzplanken unabdingbar sind. Zwar werden an diesen „vereinzelten Stellen“, wie der Landrat sagte, dann eventuell weitere Bäume entnommen. Der ursprünglich geplante umfangreiche Bau neuer Leitplanken ist aber somit vom Tisch .

Tempo 70 Bereits seit einigen Wochen ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 70 Stundenkilometer reduziert. Dabei soll es dauerhaft bleiben.

Zum Hintergrund: Als der Landkreis Hof seine Pläne bekannt gab, aus Gründen der Verkehrssicherheit 32 Allee-Bäume zu fällen, gab es scharfen Protest (die Frankenpost berichtete). Die Landkreis-Grünen und Naturschutzverbände sprachen von einer „ökologischen und ästhetischen Sünde“. Der Landrat reagierte, sagte die Fällung vorerst ab und lud für 8. November zu einer Diskussion vor Ort ein. Ergebnis damals: Die Bäume bleiben vorerst stehen, die Situation wird nochmals genau analysiert, dann werde sich der Bauausschuss damit befassen.

Nun war es so weit, der Bauausschuss traf sich am Donnerstag zur öffentlichen Beratung – die beinahe den Charakter einer Bürgerversammlung bekam. Gut 30 Zuhörer waren dabei, und sie erhielten Rederecht. Als feststand, dass die Baumfällung deutlich kleiner ausfallen wird, gab es Applaus, ebenso für mehrere teils leidenschaftliche Plädoyers aus dem Publikum für den Erhalt der Bäume.

Zunächst erklärten Vertreter der Behörden nochmals ihre Beweggründe für die einst geplante umfangreiche Fällung: Der Bau von weiteren Leitplanken werde die Zahl der schweren Unfälle reduzieren; die Straße sei auch wegen der häufigen Wildwechsel gefährlich. Landrat Bär verdeutlichte: „Wir haben erhebliches Interesse am Erhalt möglichst vieler Bäume.“ Doch die Behörden seien auch verpflichtet, für Verkehrssicherheit zu sorgen. Markus Käs von der Straßenverkehrsbehörde betonte, das neue Konzept müsse sich künftig an der Entwicklung der Unfallzahlen messen lassen.

Für die Grünen lobte Klaus Schaumberg den schnellen Stopp der Fällaktion durch den Landrat – der aber erst nach dem heftigen öffentlichen Protest eingegriffen habe. Schaumberg holte zu einem Rundumschlag aus und sprach von behördlichem „Totalversagen“. Immer wieder segne die Naturschutzbehörde „ökologische Desaster“ ab, wetterte der Grüne und nannte den Perlenradweg bei Oberkotzau und die Verfüllung einer geschützten Moorwiese in Issigau. „Sie sah nun offenbar auch in der Beseitigung der Allee keinerlei naturschutzfachlichen Probleme.“ Der Landrat reagierte deutlich: Er wies die seiner Meinung nach teils persönlichen Anschuldigungen Schaumbergs „komplett“ als nicht angemessen zurück. Michael Abraham, CSU, stimmte dem zu.

Peter Geiser (FW) begrüßte die deutliche Reduzierung der Baumfällung und stimmte dem Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands zu: Norbert Sörgel hatte sich vorher in einer emotionalen Rede für den Schutz der Allee ausgesprochen.

Für die SPD kritisierte Daniel Hohberger den „Alleingang“ der Verwaltung, der zu dem Proteststurm geführt habe. Und: Für die Räte in der Sitzung seien viele Infos neu – es wäre schön gewesen, wenn man sie früher erhalten hätte. Bärbel Feulner, AfD, betonte die Notwendigkeit der Verkehrssicherheit, lobte aber die neuen Pläne der Verwaltung und fragte ebenfalls: „Warum erst jetzt?“

Aus dem Publikum

Diskussion
Etwa 30 Zuhörer saßen in den Besucherreihen, mehrere von ihnen ergriffen mit Plädoyers für den Erhalt möglichst vieler Bäume das Wort. Diskutiert wurden beispielsweise die unterschiedlichen Interpretationen von Unfallzahlen oder der Sinn von Leitplanken. Unbestritten blieb, dass Schutzplanken Fußgänger und Radler behindern können und bei Wildwechsel die Gefahr erhöhen, wenn Tiere die Fahrbahn nicht verlassen können. Markus Käs von der Verkehrsbehörde machte hingegen deutlich: „Wir bauen Leitplanken, um Verkehrstote zu vermeiden.“

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