Teich- und Fischwirtschaft „Fresswalze“ kommt immer näher

Helmut Engel
Etwa 10 000 Bachforellen verschiedener Größen hat der Fischereiverein Weißdorf am Samstag an mehreren Stellen der Saale eingesetzt, wie hier bei der Saalebrücke am Weißdorfer Schloss. Foto: /Engel

Der Fischereiverein Weißdorf weist auf eine existenzielle Bedrohung der Fischwirtschaft hin: Der geschützte Otter sei ein echter „Artenkiller“.

6,3 Kilometer der Saale, vom Abzweig des Mühlbaches in Weißdorf bis zur Bahnbrücke in Seulbitz, bewirtschaftet und pflegt der Fischereiverein Weißdorf. Am Samstag wurden an verschiedenen Stellen an die zehntausend Bachforellen verschiedener Größen – von der nur zentimetergroßen Nachzucht bis zu ausgewachsenen Fischen – eingesetzt. Etwa 40 Interessierte waren an der Saalebrücke beim Weißdorfer Wasserschloss dabei, unter ihnen Landrat Oliver Bär, Bürgermeister Heiko Hain und sein Stellvertreter Alexander Liebs.

Der Vorsitzende Uwe Schmitz erklärte, warum der Verein diese Aufgabe diesmal so öffentlichkeitswirksam gestaltet hat: „Da ist das Problem mit dem Otter in der oberfränkischen Fischerei und Teichwirtschaft.“ Man habe gelernt, mit Kormoran und Fischreiher zu leben. „Aber seit einigen Jahren macht uns ein nahezu unsichtbarer Geselle, der Fischotter, das Leben schwer.“ Die Otter seien aus der Oberpfalz eingewandert und vermehrten sich mit großem Erfolg. „Den Landkreis Wunsiedel haben sie wahrscheinlich komplett und den Landkreis Hof in weiten Teilen im Griff“, sagte Schmitz. Der Otter habe es in kurzer Zeit geschafft, dass viele kleine Teiche und Hobbyanlagen nicht mehr zu bewirtschaften seien, „weil er sie schlicht und ergreifend leer frisst“. Klimaveränderungen und teils extreme Sommer mit Wasserknappheit könne man noch kompensieren; der Otter aber bringe viele an den Rand ihrer Existenz. Viele Zuchtbetriebe in der Oberpfalz, unter anderem ein langjähriger Satzfischlieferant des FVW, habe mittlerweile resigniert und den Betrieb eingestellt, weil es wirtschaftlich keinen Sinn mehr mache. „Wir sind als Verein kein Wirtschaftsbetrieb, aber auch für uns ist es irgendwann eine Existenzfrage.“

Schmitz will nicht falsch verstanden werden; man sei nicht generell gegen den Otter. „Auch wir finden, dass er ein Lebensrecht in unserer Landschaft hat.“ Leider würden Naturschutz- und Tierschutzverbände dies gerne anders darstellen. Dort werde immer von Artenvielfalt geredet und von Schutzwürdigkeit. Das der Otter selbst „einer der größten Artenkiller in den Gewässern“ sei, weil er Fische, Krebse, Muscheln und sogar Gelege von Wasservögeln frisst, bleibe unerwähnt. Der Otter stehe unter absolutem Schutz und vermehre sich unkontrolliert; natürliche Feinde habe er nicht. „Die Fresswalze schiebt sich unaufhaltsam nach Norden und Westen weiter und bedroht nach der bereits halb tot gebissenen Teichwirtschaft in Oberpfalz und Oberfranken nun auch den Aischgrund, ein Karpfenzuchtgebiet mit jahrhundertelanger Tradition.“

Es gebe zwar Entschädigungen für Teichwirte, aber auch nur Teilbeträge des tatsächlichen Schadens. Es gebe auch staatliche Hilfen für Schutzzäune um die Teiche; an Flüssen sei das ohnehin nicht möglich und an Teichen so teuer, dass dies in der Praxis nicht umsetzbar sei. „Das sind Alibihandlungen von staatlicher Seite. Mal ganz abgesehen davon, dass wir als Fischereiverein von diesen Hilfs und Entschädigungsleistungen sowieso ausgenommen sind“, kritisierte Schmitz.

Man hoffe darauf, dass ein Umdenken einsetzt und ein Weg zu einem vernünftigen Miteinander von Otterschutz, Fischzucht und Angelfischerei gefunden wird.

Schmitz dankte Eberhard Freiherr Leuckart von Weißdorf, dem Autohof Münchberg, dem Gasthaus Burgruine in Oppenroth, den KZV Weißdorf und der Forellenräucherei Puchtler in Zell für die Unterstützung bei der Besatzaktion.

Für Landrat Oliver Bär war die Besatzmaßnahme ein großartiger Beweis für die Bemühungen zum Erhalt der Artenvielfalt im Fließgewässer Saale. Die Landratsämter Hof und Tirschenreuth hätten schon Beratungen aufgenommen, wie sie der Plage begegnen wollen, damit das Kulturgut der Teichwirtschaft und der Angelfischerei an den Fließgewässern weiter bestehen kann.

 

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