Telefonaktion Voller Impfschutz nach zwei Wochen

Kleiner Pieks, große Wirkung Foto: dpa/Soeren Stache

Wie wirkt die Corona-Impfung, warum wird sie Kindern nicht verabreicht, wie gut ist man danach geschützt, welche unerwünschten Nebenwirkungen kann es geben? Diese und viele andere Fragen beantworteten Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Bayreuth/Coburg/Hof/Köln - Viele Leseranfragen hatte das Expertenteam der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln bei der Telefonaktion dieser Zeitung zum Thema Corona-Schutzimpfung am Donnerstag zu beantworten. - Hier eine Zusammenfassung der häufigsten Fragen und Antworten.

Mein Mann sagt, die neuen Impfstoffe können überhaupt nicht sicher sein, da sie viel zu schnell entwickelt wurden...

In Deutschland werden generell nur Impfstoffe genehmigt, die sehr strenge Sicherheitsstandards erfüllen und die umfangreichen klinischen Prüfungen unterzogen wurden. Die Sicherheitsprüfungen wurden für die Corona-Schutzimpfung insofern beschleunigt, als dass die klassischen Prüfschritte parallel und nicht zeitversetzt erfolgt sind. Dabei wurden aber keine Prüfschritte ausgelassen. In die Studien werden mehrere zehntausend Personen einbezogen. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind bisher nicht gehäuft aufgetreten. Die Arzneimittel werden aber auch nach der Zulassung weiter aktiv überwacht, sodass hier immer mehr Erkenntnisse in den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gewonnen werden.

Ich habe gehört, dass nur Gesunde für die Testimpfungen herangezogen wurden. Stimmt das?

Nein. Es wurden auch ältere Menschen sowie Risikopatienten mit bestimmten Vorerkrankungen oder Übergewicht in die klinischen Prüfungen aufgenommen.

Wie funktionieren die neuen Impfstoffe?

Die Impfstoffe enthalten lediglich Teile der Erbinformation des Virus - in Form von Boten-RNA. Nach der Impfung nehmen einige wenige menschliche Körperzellen die Boten-RNA auf. Sie dienen als Vorlage, um die Virusproteine selbst zu produzieren. Wichtig ist: Es wird nur ein Bestandteil des Virus gebildet. Ein komplettes, vermehrungsfähiges Virus kann nicht entstehen. Die neu gebildeten, ungefährlichen Virusproteine aktivieren das Immunsystem. Falls eine geimpfte Person später in Kontakt mit dem Corona-Virus kommt, erkennt das Immunsystem den Krankheitserreger und bekämpft ihn.

Meine Kollegin hatte Corona mit leichtem Verlauf. Jetzt fürchtet sie, dass die Impfung nichts bringt, weil in solchen Fällen die Antikörper nicht lange halten. Ist das so?

Das Phänomen schwindender Antikörper gibt es vor allem bei Menschen, die eine leichte Erkrankung oder gar keine Symptome hatten. Aber nach wie vor ist unklar, ob sich diese Abnahme auf den Schutz vor einer erneuten Infektion oder vor einer schweren Erkrankung auswirkt. Durch eine Impfung werden verschiedene Teile des Immunsystems angeregt. So kann auch im Falle unzureichender Antikörper eine schützende Immunantwort des Körpers durch eine Impfung erreicht werden.

Ich bin über 80, muss ich mich impfen lassen?

Nein, kein Mensch ist verpflichtet, sich impfen zu lassen. Zur Impfung wird aber geraten, da es sich beim Coronavirus um ein neuartiges, ansteckendes Virus handelt, das die teils lebensgefährlich verlaufende Krankheit Covid-19 verursacht. Das Risiko für einen ernsten Krankheitsverlauf steigt mit zunehmendem Alter und bei bestimmten Vorerkrankungen – aber auch jüngere Erwachsene und Personen ohne Vorerkrankungen können schwer erkranken. Einiges ist noch nicht vollständig aufgeklärt, etwa wie die Krankheit optimal behandelt wird und welche Langzeitfolgen sie verursachen kann.

Wann wird es möglich sein, sich vom Hausarzt impfen zu lassen?

Wenn ausreichend Impfstoffe für die Gesamtbevölkerung zur Verfügung stehen und ein großer Teil der Impfstoffe unter Standardbedingungen gelagert werden kann. In dieser sogenannten zweiten Phase sollen die Impfungen dann zum großen Teil dezentral, zum Beispiel in Arztpraxen, stattfinden.

Mit welchen Impfreaktionen sollte man rechnen?

Am häufigsten wurde von Schmerzen an der Einstichstelle und Abgeschlagenheit berichtet. Es kann auch zu Kopf- und Muskelschmerzen, Frösteln oder zu Gelenkschmerzen kommen. Bei manchen gibt es eine Schwellung der Einstichstelle und Fieber. Möglicherweise rötet sich die Einstichstelle oder es tritt Übelkeit auf. Auch Lymphknotenschwellungen, Schlaflosigkeit, Schmerzen in Arm oder Bein, Unwohlsein und Juckreiz an der Einstichstelle wurden beobachtet. Diese Reaktionen treten meist innerhalb von Tagen nach der Impfung auf und halten selten länger als drei Tage an.

Wem sollte ich Nebenwirkungen nach der Impfung melden?

Nebenwirkungen melden Sie am besten Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin. Für die Bewertung der Nebenwirkungen, eine mögliche Diagnose und Folgebehandlung sind sie Ihr Ansprechpartner, auch wenn Sie nicht in Ihrer Hausarztpraxis geimpft wurden. Verdachtsfälle zu Nebenwirkungen werden sehr ernst genommen und es wird so schnell wie möglich aufgeklärt, ob es sich um eine zufällig auftretende Reaktion oder um eine tatsächliche Nebenwirkung handelt. Oft ist es nur ein Verdacht, der sich nicht bestätigt. Gerne können Sie Nebenwirkungen zusätzlich beim Paul-Ehrlich-Institut über die Webseite www.nebenwirkungen.bund.de oder über die App des Instituts SafeVac 2.0 melden.

Ich bin 82 Jahre alt, habe eine ganze Reihe von Allergien. Kommt die Impfung deshalb für mich nicht infrage?

Bei einer Überempfindlichkeit gegenüber einem Impfstoffbestandteil sollte nicht geimpft werden. Bitte informieren Sie den Impfarzt bzw. die Impfärztin vor der Impfung über Ihre Allergien.

Mein Bruder hatte sich mit Corona infiziert. Soll er sich trotzdem impfen lassen?

Das ist erst einmal nicht notwendig. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass man nach einer Covid-19-Erkrankung immun ist. Eine Impfung wäre für ihn aber auch nicht schädlich.

Der Impfstoff soll ja superkalt sein. Wird er vor dem Spritzen aufgetaut?

Ja, kurz vor der Impfung wird er aufgetaut und mit einer schwachen Kochsalzlösung verdünnt.

Benötigen eigentlich auch Kinder eine Impfung?

Geimpft werden zunächst nur Erwachsene. Die Impfstoffe sind für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahre noch nicht genügend auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht worden. Es sind Studien geplant und in kleinem Rahmen wurden diese auch schon begonnen.

Was wiegt bei der Risikoabschätzung für einen schweren Verlauf von Covid-19 schwerer: Vorerkrankung oder das Alter?

Vorerkrankungen sind im Allgemeinen weniger bedeutsam als das Alter. Das Alter eines Menschen ist der wichtigste Risikofaktor für einen schweren oder sogar tödlichen Erkrankungsverlauf. Folgende Vorerkrankungen erhöhen das Risiko: Trisomie 21, chronische Nierenerkrankungen, Demenz, Herzinsuffizienz und Diabetes. Auch Organtransplantationen und ausgeprägtes Übergewicht können einen schweren Verlauf verursachen.

Kann ich meine Mutter endlich mal wieder in den Arm nehmen, wenn sie geimpft wurde?

Wir wünschen uns solche Momente alle sehnlichst herbei. Aber leider werden wir trotz Impfung noch eine Weile warten müssen. Denn Immunität tritt je nach Impfstoff erst ein bis zwei Wochen nach der zweiten Impfung ein, und auch dann könnte Ihre Mutter das Virus noch übertragen. Die Schutzwirkung der Impfstoffe liegt zwar sehr hoch bei bis zu 95 Prozent. Aber es gibt auch wenige Menschen, bei denen die Impfung nicht wirkt. Im Interesse aller müssen die AHA-Regeln noch eine Zeitlang gelten.

Wie kann herausgefunden werden, ob die Impfkampagne den erhofften Erfolg bringt?

Zur Dokumentation wurde ein Meldesystem mit nicht-personenbezogenen Daten eingerichtet. Dazu gehören unter anderem Alter, Geschlecht, Ort der Impfung und verabreichte Dosis. Diese werden aus den Impfzentren direkt an das Robert Koch-Institut übermittelt. Das RKI prüft zudem, wie gut die Impfung vor einer Ansteckung schützt. So wird bei Covid-19-Fällen auch mitgeteilt, ob derjenige bereits geimpft ist oder nicht. Aus einem Vergleich des Anteils Geimpfter unter den Covid-19-Meldefällen und dem Anteil Geimpfter in der Bevölkerung kann man grob die Effektivität der Impfung schätzen.


Weitere Informationen gibt es unter:

www.infektionsschutz.de/coronavirus/

www.infektionsschutz.de/coronavirus/schutzimpfung.html

www.corona-schutzimpfung.de

Bundesweite Servicenummer: 116 117

Beratungstelefon der BZgA unter der kostenlosen Rufnummer 0800/2322783

(Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.)

 
 

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