Test: Kia Rio 1.0 T-GDI Manchmal ist weniger einfach mehr

Kompaktwagen? Rausgewachsen! Und erwachsen geworden. Der Kia Rio ist ein Kompakter, der Spaß macht, der ausreichend Platz hat. Und der gut ausschaut. Auch an der Tankstelle macht er im Kurier-Test eine gute Figur.

Autotest - Der Name kann eine gewisse Sperrigkeit nicht von der Heckklappe weisen, wenn er denn da drauf stehen würde in seiner vollen Pracht. Mit Kia Rio 1.0 T-GDI 7DCT 120 48 V GT-Line tragen sie schon ein bisschen arg dick auf. Kia Rio 120 hätte es ja normalerweise auch getan. Name. PS. Fertig. Denn der Rest – also das eigentliche Auto – ist in gewisser Weise genau das, wonach man sucht, wenn man ein sinnvolles und wertiges Fortbewegungsmittel haben will.

So groß wie der Golf früher

Der Kia Rio ist ja im eigentlichen Sinn ein Kleinwagen. Ungefähr so wie der VW Polo, dem er mit seinem Grill entgegen lächelt – oder den er vielleicht ja sogar weg zu lächeln versucht. Also: ein ehemaliger Kleinwagen. Der mit 4,07 Metern Länge inzwischen dort angekommen ist, wo der Golf früher mal war, bevor er Speck zugelegt hat.

Üppige Ausstattung

Wenn du das ganze Paket angekreuzt hast, was du in den groß gewordenen Kleinen reinwünschen kannst, bist du bei einem sehr ansehnlichen Gefährt(en) angekommen: Einem, bei dem die Radhäuser üppig mit 17-zölligen Alus und 205/45er Gummierung ausgefüllt sind. Der einen kecken schwarzen Heckspoiler und die ebenso schwarze Antennen-Finne auf dem sonst in Schneeweiß gehaltenen Blech hat. Und unter dessen Heckschürze ein Doppelauspuff hervorspitzt. Knappe Überhänge runden das Bild eines tatsächlich kompakten Autos angenehm ab.

Du vermisst: nichts

Steigst du ein, wirst du dich sehr schnell wundern, denn: du vermisst nichts. Der Platz ist für die Vorne-Sitzer mehr als ausreichend, auch hinten geht sich der Beinraum gerade noch so aus. Und überhaupt ist in der Top-Ausstattung, die für 25 680 Euro wohlfeil ist, eigentlich alles drin – bis hin zu einem Schiebedach, das noch nicht einmal den Luftraum über dem eh längst herausgewachsenen Scheitel einengen würde. Also volle Packung Assistenten, Klimaautomatik, üppiger Musikklang. Und Pi-pa-po sowieso.

Angenehme Ergonomie

Die Ergonomie des Sitzens und die Einstellmöglichkeiten für die Lenksäule haben sie bei Kia ohnehin offenbar ganz oben auf der To-do-Liste der Ingenieure stehen, dass auch hier die Klagen gering sein werden. Einzig die Sitzflächen könnten ein wenig straffer sein. Was sie mit dem Fahrwerk gemeinsam haben, das – da muss man den Spagat halt notgedrungen gehen – einen für einen eigentlich Kleinen relativ hohen Restkomfort wahrt.

Kleiner Kofferraum, kleiner Durst

Trotzdem kannst du mit dem topmotorisierten Rio sportlich unterwegs sein. Der turbogeladene, mildhybridisierte Dreierpack, der so schön kehlig klingen darf, packt ordentlich an, wenn du ihm den Sport-Modus – neben Normal und Eco möglich – auf Knopfdruck gönnst, und probiert schon mal die Radierfähigkeit der vorderen Gummis aus. Verwaltetet werden die 120 Pferde, die auf knapp über 1,2 Tonnen Kia treffen von einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, mit dem sich der Rio einige Fleiß-Zuckerhütchen verdient, weil er sich so eine Klasse höher anfühlt, was die Annehmlichkeiten angeht. Natürlich musst du irgendwo auch Abstriche machen, beim kleinen Kofferraum mit seiner Steigung hin zur Rückbank, zum Beispiel. dafür patzt der Rio nicht an der Tankstelle: 6,9 statt der versprochenen 5,5 Liter Super. Auch da ist weniger eben manchmal einfach mehr – wie bei dem ganzen Kerlchen.

 

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