Test: Mazda 3 e-Skyactiv Der Diesel ohne Diesel

Eric Waha

Mazda ruft zur dauerhaften Fastenzeit auf: Der Mazda 3 e-Skyactiv 2.0 M Hybrid ist reich an Manieren und arm an Durst. Außerdem ist er agil, weil er wenig Gewicht auf die Waage bringt.

Bayreuth - Diesel? Benziner? Was – kein Stromer? Umweltsau! Wer sich heute ein Auto kauft, der kommt ja um das Thema nicht mehr rum. Und sollte sich – so denken schon viele – echt was schämen, wenn er sich nicht mindestens einen Plug-in-Hybrid kauft. Natürlich noch viel besser einen reinen Stromer. Wegen der reinen Leere der lokalen Emissionsfreiheit und so. Mazda schaut da scheinbar gelassen zu. Und gewöhnt inzwischen seinen Verbrennern das Trinken ab.

Kraft soll er haben, Saft soll er sparen

Normalerweise, denkt man sich so, geht das klar in Richtung: Vorteil, Diesel! Nö! Mazda dreht den Spieß um und macht den Benziner zum neuen Betätigungsfeld. Kraft soll er haben, Saft soll er sparen. Der Mazda 3 Selection – für die schöne und üppige Ausstattung – mit dem vorgespannten e-Skyactiv G 2.0 M Hybrid ist dabei ein Verbrenner, der es in sich hat – und dich gleich ein bisschen in die Irre führt. Denn das Wörtchen Hybrid steht nicht für irgendwas mit Stecker, sondern für das 24-Volt-Mildhybrid-System. Andere machen Bordnetze mit 48 Volt, Mazda nicht. Charakteristisch für die Skyactiv-Motoren ist die hohe Verdichtung, was garantiert, dass der Motor im unteren und mittleren Drehzahlbereich mager läuft, was Sprit spart. Denn in dem Bereich ist man ja viel unterwegs. Sauger, Direkteinspritzung – kein Turbo. Angenehm fahrbare 150 PS holt er aus den zwei Litern Brennraum, ordentliche 213 Newtonmeter Drehmoment stehen zur Verfügung. Und: Der Motor ist nicht nur ein munteres, drehfreudiges Kerlchen. Er sprotzelt auch alles andere als zugeschnürt aus den selbstbewussten zwei Rohren am Heck – herrlich übrigens: Mal keine peinlichen Auspuff-Attrappen, derer sich inzwischen so viele andere Hersteller ziemlich fleißig befleißigen.

Leicht und agil

Beim Bremsen pumpt der lobenswert leichte und dadurch auch sehr agile Mazda 3 einem kleinen Lithium-Ionen-Akku, der vor der Hinterachse wohnt, Energie zu – beim Gasgeben unterstützt der Startergenerator den Vortrieb mit einem durchaus sportlichen Schub.

Motor gut weggedämmt

Dass du von der ganzen Technik nichts merkst, nichts einstellen muss, und der Motor sauber weggedämmt ist, macht das Fahren höchst angenehm. Einzig beim unterourigen Dahingondeln klingt der Mazda 3 wie ein 2 CV: Wegen der Schubabschaltung ist der dann nur auf zwei Zylindern unterwegs. Auch das hilft beim Sparen.

Einen Liter über dem WLTP-Wert

Laut dem realitätsnäheren WLTP-Test soll der Zwei-Liter-Benziner 5,1 Liter Benzin brauchen dürfen. Das scheint gar nicht so realitätsfern zu sein. Denn in der Stadt pendelt er sich bei 6,7 Litern (6,2 laut WLTP) ein – bei 6,1 Litern Super landet er auf der Test-Runde, was schon ziemlich nah dran ist an Diesel-Werten, ohne auch nur einen Tropfen Diesel in den Tank zu kippen.

Üppig ausgestattet

So sparsam der Mazda im Betrieb ist, so üppig ausgestattet schickt Mazda den Dreier in den Wettbewerb mit dem Golf: Leder, richtig gute Sitze, 18-Zöller und Matrix-LED, um nur ein paar Zuckerstückchen herauszupicken, gehören neben dem heißen Magma-Rot zur Sonderausstattung, die den Preis vom Einstieg bei 26 790 Euro auf 32 650 Euro steigen lässt. Was nicht übertrieben scheint angesichts dessen, was ohnehin Serie ist. Gepaart mit einem herrlich reduzierten Design gerade im Innenraum, was den Mazda 3 schon jetzt wie einen Klassiker aussehen lässt.

 

Bilder