Theater Hof Lothar Krause wird neuer Theater-Intendant

Lothar Krause ist kein Neuer im Haus, das – unter anderem – schätzt OB Eva Döhla an ihm. Foto: The/ater Hof

Hof hat sich für eine In-House-Lösung entschieden: 2024 folgt der Operndramaturg des Hauses Reinhardt Friese. Der dann neue künstlerische Chef des Theaters schätzt wie sein Vorgänger die Musik auf der Bühne. Und ihn zeichnet ein besonderes Faible aus.

Wer auch immer Peter Kampschulte in der Kantine des Theaters Hof folgen wird – er oder sie wird nächstes Jahr einem neuen Intendanten etwas vorsetzen müssen. Über Lothar Krauses kulinarische Vorlieben ist wenig bekannt, aber als bisheriger Dramaturg des Musiktheaters und als Intendant in spe kennt er die Vorzüge des Etablissements unten im Theater. So hat es der Stadtrat auf den Weg gebracht. Auf Musical-Friese folgt also Opern-Krause.

Das ist zwar eine grobe Verkürzung des Schaffens zweier Männer, aber es ist eine der Kontinuitäten am Haus. Dazu gehört jetzt auch die In-House-Lösung. Es gibt keine externe, die Wahl fällt auf einen Bekannten. So sicher waren viele im Theater-Foyer in den Pausen, dass eine Frau nach Hof geholt wird. 41 Bewerberinnen und Bewerber waren es, die den Posten wollten. Nun behält man einen Mann im Haus, von dem man weiß, was man hat. Zuletzt hat er mit der Oper Helena Citrónová mächtig Selbstbewusstsein gezeigt und eine gefeierte Europapremiere auf die Bühne gesetzt. Dramaturgie und Regie kann er.

Aber eine Intendanz eines Mehrspartenhauses ist eine andere Nummer. Eine, die auch wegführt von der puren Kunst. Er ist bald auch Chef mit Büro und einer tadellos arbeitenden Kaffeemaschine. „Reinhardt Friese hat mir früh viel Möglichkeiten gegeben, das Musiktheater zu organisieren. Es ist also nicht komplett neues Terrain“, sagt Krause in einem ersten Gespräch nach der Verkündung der Personalie. So schreibt auch das Theater, Lothar Krause seien in seiner bisherigen Position, von der Spielplangestaltung über die Besetzung bis zur Verhandlung mit Verlagen, alle künstlerischen Bereiche bestens vertraut. Überhaupt sei er gar nicht so sehr der Regisseur, sondern einer, der den Dialog sucht, sagt Krause über Krause. Hofs Oberbürgermeisterin Eva Döhla ist froh um die Wahl: „Er kennt das Haus bereits. So kann er organisatorisch für einen reibungsarmen Übergang sorgen und sein Hauptaugenmerk den künstlerischen Fragen widmen.“

Der 37-jährige Krause freut sich, „ein gut aufgestelltes und von der Stadt geschätztes Theater von Reinhardt Friese, dem ich den größten Respekt entgegenbringe, übernehmen zu dürfen“, wird Krause in einer Mitteilung des Theaters zitiert.

Zur Wahl gestellt hat Krause sich, wie er erzählt, weil: „Ich bin an einem Punkt im Leben angelangt, wo ich sehen muss, wie es weiter geht. Ich schätze Hof und sein Theater sehr. Und ich habe den Vorteil, nicht von null anfangen zu müssen.“

Gelernt ist gelernt. Der gebürtige Schweriner hat schon vor dem Abitur eine Jugendtheatergruppe gegründet und geleitet. Nach mehreren Stationen, darunter eine Inszenierung an der Dänischen Nationaloper, kam er 2008 an die Oper des Staatstheaters Darmstadt als Erster Spielleiter und Regieassistent. Sein Erstling als Regisseur war 2011 Verdis Nabucco. Drei Jahre später heuerte er in Hof an: als Operndirektor, Regisseur und Musikdramaturg. Seitdem haben allerlei Opernproduktionen die Sparte am Haus gestärkt. Viel erwarten kann man von der Oper „Die Weiße Rose“. Krause inszeniert sie bald in einer Neufassung innerhalb des Zyklus’ „Wider das Vergessen“ 80 Jahre nach der Hinrichtung von Sophie und Hans Scholl und Christoph Probst; am 25. Februar ist im Studio Premiere. Dass diese Oper lange in den Theater-Archiven schlummerte und Krause sie wieder ins Licht rückt, zeigt von Krauses Faible für unverdient Vergessenes.

Krauses Kür folgt einer überraschenden Abdankung. Vor neun Monaten meldete das Theater Hof aus heiterem Bühnenhimmel, dass Reinhardt Friese seinen Vertrag nicht verlängern wird. Im Sommer nächsten Jahres verlässt der Mann mit großer Musical-Affinität das Haus. Nach einer Zeit, in der das Haus mit teils gewagter Stückauswahl und Inszenierungen überregional von sich reden machte. „Am Theater sind die zwölf Jahre, die ich am Ende hier in Hof Intendant gewesen sein werde, eine kleine Ewigkeit und eine eher ungewöhnlich lange Amtszeit“, so begründete Friese seinen Abgang. Dass er gerne noch ein wenig länger als Hofer Intendant gearbeitet hätte, auch das war zu hören. Dem Erneuerer Friese Neues folgen zu lassen, ist jetzt die Aufgabe.

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