Theater Hof Oans, zwoa – Pärchenzoff

Am Freitag spielt das Theater Hof die Premiere von Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Da wird Schweigen zur Kunst.

Zertrennlich: Karoline (Carolin Waltsgott) und Kasimir (Benjamin Muth). Foto: Harald Dietz Fotografie

Theater ist der Raum, in dem sich Probleme Platz verschaffen. Schauspieler Benjamin Muth, zum Beispiel, ist „Kasimir“ – und: „Ich kenne Kasimirs“. Also Männer, die den Job verlieren, sich als Loser fühlen und bei denen es in der Beziehung schwierig wird, eben weil sie sich als Loser fühlen. Das zertrennliche Paar sind in Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“ jene beiden Titelfiguren, die sich auf dem Rummel des Oktoberfests als Paar verlieren. Am Freitag ist Premiere des Volksstückes.

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Verkauft wird es häufig als Beziehungsdrama. Schon weil da zwei auf ihren Schollen voneinander wegtreiben und es selbst forcieren, ohne es jeweils zu wollen. Horváths Stück (Uraufführung 1932) ist aber mehr. Für Carolin Waltsgott, sie spielt die Karoline, bietet der Anderthalbstünder auch alles für ein Sozialdrama. „Es befasst sich mit der unteren Schicht, die mehr will. Und es zeigt die Reichen“, erklärt sie im Gespräch mit der Frankenpost. Der oft geträumte Traum vom Aufstieg.

Jobloser Wicht

Kasimir verliert seinen Job als Fahrer. Karoline will auf dem Rummel ihren Spaß. „Ich glaube, Kasimir will, dass er sich auch mal schlecht fühlen darf“, sagt Muth. Und er tut sich so leid, dass er glaubt, Karoline will nichts mehr von ihm, dem joblosen Wicht. Für Karoline gilt nichts dergleichen – aber sie sieht ihre Chance, aufzusteigen, da sie von arrivierten Männern umgarnt wird. „Da lockt der Schwerreiche“ – Marke Elon Musk -, sagt Carolin Waltsgott. Im Rausch des Alkohols wird der Traum, zu den Oberen zu gehören, greifbar, ein Traum, den sie bisher nicht gewagt hat zu träumen. An diesem Abend setzt sie mutig alles auf eine Karte. So driftet ein Paar auseinander, Szene für Szene.

„Horváth kann gut Beziehungen schreiben“, urteilt Schauspieler Benjamin Muth. Arm an Klischees, stattdessen Raffinesse im psychischen Elend. Was beide Schauspieler beeindruckt, ist Horváths Kunst der Stille. „Das ist keine pure Sprachlosigkeit, sondern das Nachdenken darüber, was ich jetzt sage“, erklärt Muth. Immer wieder hat das Ensemble sich an verschiedenen Stillen im Dialog probiert, hat ausgereizt, wie viel davon das Stück und das Publikum vertragen. Schweigen, bis es unangenehm wird. „Diese Stillen verleihen dem Text einen ganz eigenen Rhythmus“, findet Carolin Waltsgott. Aus diesem Grund, meint sie, hat der Auto sein Stück auch „Ballade stiller Trauer“ genannt. „Es ist auch wahnsinnig traurig.“

Durchaus von heute

Wer flüchtig über eine Inhaltsangabe von „Kasimir und Karoline“ huscht, wird sich nicht sicher sein, ob das Stück vor 90 oder vor zehn Jahren geschrieben wurde. Finanzielle Sorgen, gesellschaftlicher Abstieg, Träume vom besseren Leben, Ich-Bezogenheit und Depression. Alles in einer Sprache, die so direkt wie drastisch ist. „Horváth hat das Volksstück wieder populär gemacht“, sagt Benjamin Muth. Er habe den Werken der Bürgerlichkeit wieder etwas entgegengesetzt.

Die Hofer Inszenierung von Intendant Reinhardt Friese bleibt aber auf Distanz zu den 2000ern. Wenn Stücke nur das Heute zeigen, das auf einen auch fern der Bühne wartet, geraten sie gern ins Plakative. Friese geht aber auch nicht in die Entstehungszeit zurück. Waltsgott und Muth freuen sich schon, fast kichern sie. Muth deutet an: „Es ist die Epoche, in der den Menschen die Mode etwas entglitten ist.“

Das Stück „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horváth feiert am Theater Hof Premiere am Freitag, 10. Februar, um 19.30 Uhr im Großen Haus. Die nächsten Vorstellungen des Volksstücks folgen am 4. und 8. März, jeweils um 19.30 Uhr. Es gibt noch Karten. www.theater-hof.de