There’s no Business like Showbusiness Eine beschwingte Musical-Nacht

Stimmgewaltig: Alle Interpreten der „Musical Summer Night“ (von links): die Schwestern Marlene und Liliana Düstersiek, Mutter Beata Marti und der Wiener Baritenor Johannes Summer. Die siebenköpfige Band „Magic Max and his Moonlight Orchestra“ sorgte für den perfekten Sound im Pfarrhof. Foto: Peggy Biczysko

Im Marktredwitzer Pfarrhof brennt das Musiker-Ehepaar Beata Marti und Bernhard Hirtreiter zusammen mit seinen Töchtern und Baritenor Summer ein Feuerwerk an Melodien ab.

There’s no Business like Showbusiness – am Freitagabend hat sich der Marktredwitzer Pfarrhof in eine farbenprächtige Bühne verwandelt. Der einstmals Junge Tenor Bernhard Hirtreiter begeistert bei lauschigen Sommertemperaturen mit einer Musical-Nacht. Und er bringt gleich seine gesamte Familie mit ins Rampenlicht. Neben dem Künstler brillieren seine Ehefrau, die Mezzosopranistin Beata Marti, sowie deren beider Töchter Liliana (Lilly) und Marlene Düstersiek, die bereits in die Fußstapfen der Eltern getreten sind. Das Tüpfelchen auf dem i ist der Auftritt des Wiener Baritenors Johannes Summer, der stimmgewaltig Schauspiel, Gesang und Tanz in einer Person vereint.

Ehe sich die Dunkelheit über den Pfarrhof legt und ihn in immer neue Farben taucht, nehmen die sieben Musiker von „Magic Max and his Moonlight Orchestra“ die Bühne – eingebettet zwischen Kirch- und Schlossturm – in Beschlag. Gut zwei Stunden lang sorgen sie für den passenden Sound, swingen perfekt zu den schönsten Musical-Melodien, die das Genre zu bieten hat.

Pink Panther losgelassen

Der „König der Löwen“ lässt gleich zu Beginn grüßen, ehe es Schlag auf Schlag geht und das Künstler-Ehepaar – zunächst noch, ohne es zu verraten – seine Töchter ins Rampenlicht holt. „Summer Nights“ aus „Grease“ könnte am Freitagabend nicht passender sein: Marlene und Lilly stehen ihrer Mutter in nichts nach – und Johannes Summer gibt den John Travolta. „On the street where you live“, schmachtet er dann, ehe die sechs Musiker – von Trompete über Schlagzeug bis hin zum Kontrabass – und die Posaunistin des Mondlicht-Orchesters den „Pink Panther“ loslassen.

Stimmgewaltig sind sie alle. Marti und Hirtreiter scheinen ihre Musik-Gene an die Töchter weitergereicht zu haben, wie Marlene bei „I’d give my Life for you“ aus „Miss Saigon“ ausdrucksstark intoniert. „Nimm mich, wie ich bin“ – dass das Musiker-Paar das tut, ist offensichtlich. Dazu muss man nicht erst das Duett der beiden hören. Auch wenn es schön unter die Haut geht, wenn das Lied aus „Jekyll & Hyde“ den Abend erfüllt.

Rote Stola gegen schwarze Spitze

„Jesus Christ Superstar“ darf nicht fehlen in einer „Musical Summer Night“ in Marktredwitz. Die Rockoper ist 1971 in New York uraufgeführt worden und bis heute eines der erfolgreichsten Musicals. Die drei Damen und Baritenor Johannes Summer geben alles – das findet auch Bernhard Hirtreiter, der hinten von der Treppe des Pfarrhauses beide Daumen mit einem Strahlen nach oben hält.

Und wieder kommt sie in neuer Robe auf die Bühne: Beata Marti lässt die rote Stola fallen und tauscht sie ein gegen eine mit schwarzer Spitze. „Das sieht ein bisschen royaler aus“, meint sie augenzwinkernd. „Ich gehör nur mir“, lässt sie das Publikum wissen. Berührend aus dem Drama-Musical „Elisabeth“, hat es eigentlich nichts an seiner Aktualität verloren. „Ich wehr’ mich, bevor ich mich verlier ...“

Gänsehaut-Feeling im Pfarrhof

Der Melancholie folgt messerscharf der Auftritt von Hirtreiter als Mack the Knife. Das beliebte Bänkellied gilt heute als das bekannteste und am meisten gecoverte Stück der „Dreigroschenoper“. Und ehe es in die Pause geht, wo sich die Besucher Wein und Bier zu Wurstsalat und Matjes schmecken lassen können, geht’s noch einmal tüchtig unter die Haut: „Das Phantom der Oper“ bringen Vater und Tochter Lilly eindrucksvoll auf die Bühne.

„Don’t cry for me, Argentina“ ist dann Beata Martis Part aus dem Musical „Evita“, in dem es um die Geschichte der argentinischen Präsidentengattin Eva Perón geht. Stilecht tritt die Sopranistin mit schwarzen Handschuhen, kleiner Pelzrobe und langen, glitzernden Ohrringen ins Rampenlicht. Untermalt von Trompeten, Saxofon und der Posaune, kommt hier Gänsehaut-Feeling auf.

Kess und sexy

„All that Jazz“ entführt mit Lilly Düstersiek kess und sexy ins Chicago der 20er-Jahre, ehe Johannes Summer – abermals stimmgewaltig – zum letzten Tanz im Elisabeth-Musical bittet. „Bad Bad Leroy Brown“, der leidenschaftliche Spieler aus Chicago, gastiert ebenfalls im Marktredwitzer Pfarrhof, lässt die Zuhörer, die sich meist sittsam zurückhalten, auch mal ein bisschen mitwippen. „There’s a Place for us“ aus der West Side Story ist einer der großen Klassiker, die nicht fehlen dürfen in einer Musical-Nacht.

Schlag auf Schlag geht es dann in Richtung Finale. Schwarze Sonnenbrillen, goldenes Jacket, das Lied von der Copacabana, ein Auftritt der drei jungen Akteure mit Steppschuhen, „Sing, Sing, Sing“ in Benny-Goodman-Manier – ein fulminanter Abschluss eines wunderbaren Sommerabends. Blumen und Likör gibt es von den Mitarbeiterinnen der MAKkultur, die diese stimmungsvollen Stunden organisiert haben.

Und Beata Marti hat einen Wunsch, ehe sie die Bühne zusammen mit allen Akteuren unter großem Applaus verlässt: „Es wäre schön, wenn Sie sich wieder trauen, ins Konzert zu gehen.“ Denn: There’s no Business like Showbusiness!

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