Thüringen Impfen im Kino: Erste Impfzentren in Betrieb

Eine Spritze wird vor den Schriftzug "Impfung" gehalten. Foto: Friso Gentsch/dpa/Illustration/dpa

Stadthallen, Kulturzentren, Krankenhäuser, Ärztehäuser - in Thüringen läuft die Corona-Impfung nun auch in zentralen Anlaufstellen. Viele Hoffnungen sind mit der Impfung verbunden.

Weimar - Über dem Eingang des hellgetünchten großen Gebäudes in der Innenstadt von Weimar hängen Filmplakate. Normalerweise zieht es die Menschen hierher ins Kino. Am frühen Mittwochnachmittag stehen die Rentner Gisela Ludwig (82) und Hans-Otto Herrmann (89) in der Januarkälte vor der automatischen Glastür. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat sich zu den beiden gesellt, sie unterhalten sich über die Corona-Impfungen. Ramelow will hier gleich das Weimarer Impfzentrum eröffnen - in dem Gebäude im Stadtzentrum, in dem sonst Filme gezeigt werden oder wo andere Kulturangebote locken. Ludwig und Herrmann haben die ersten der heiß begehrten Impftermine ergattert.

29 feste zentrale Anlaufstellen sollen in Thüringen die Corona-Schutzimpfung übernehmen, die ersten 14 von ihnen sind am Mittwoch in Betrieb gegangen. In den Pflegeheimen in Thüringen und in den Krankenhäusern wird bereits seit zwei Wochen geimpft. Dass nun auch die Zentren arbeiten, haben viele Menschen herbeigesehnt. Das Terminvergabeportal www.impfen-thueringen.de und die Terminhotline 03643-4950490 sind permanent überlastet.

"Wir können nur so viel Termine vergeben, wie Impfstoff vorhanden ist", sagt die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen, Annette Rommel. Die KV ist verantwortlich für den Betrieb der Zentren. Mit deren Start hofft Ministerpräsident Ramelow auf einen Wendepunkt bei der Pandemiebekämpfung. "Heute ist der erste Tag vom Ende der Pandemie", sagt er am Mittwoch bei der Eröffnung des Impfzentrums in Weimar.

Für den 89-jährigen Hans-Otto Herrmann hat seine Tochter in Karlsruhe die Online-Buchung übernommen. "Gleich am 30. Dezember, als es damit losging", erzählt er. Ins Impfzentrum ist der Rentner, der auf einen Rollator angewiesen ist, mit dem direkt vor der Einrichtung haltenden Stadtbus gekommen. Menschen über 80 Jahre gehören neben Pflegeheimbewohnern, Pflege- und Krankenhauspersonal und Rettungskräften zu den Bevölkerungsgruppen, die vorrangig von dem raren Impfstoff profitieren sollen.

Im Weimarer Impfzentrum ist ihre erste Station die Anmeldung, die von einem Oberstabsgefreiten der Bundeswehr betreut wird. "In allen Impfzentren in Thüringen hilft die Truppe", sagt KV-Impfmanager Jörg Mertz. Danach geht es zur ärztlichen Aufklärung, dann zur Impfung. Eine Viertelstunde müssen die Geimpften dann vorsorglich noch bleiben, bevor sie das Zentrum wieder verlassen können. Dieser Ablauf ist in allen Anlaufstellen identisch.

Pro Impfstelle sind laut KV vorerst 72 Impfungen pro Tag geplant. Wenn mehr Impfstoff vorrätig sei, könnten diese Kapazitäten massiv hochgefahren werden, versichert die KV-Vorsitzende. Bundesweit herrscht Impfstoffmangel. In dieser Woche sollen in den Einrichtungen in Thüringen zunächst rund 3200 Menschen ihre Erstimpfung erhalten. Gespritzt wird zunächst der Impfstoff des Herstellers Biontech. Nach drei Wochen gibt es jür jeden Geimpften eine zweite Dosis dieses Mittels.

Die am Dienstag eingetroffene Lieferung des US-Herstellers Moderna soll erst ab 3. Februar angewandt werden - in den restlichen 15 Impfzentren, die dann in Thüringen schrittweise den Betrieb aufnehmen. Die KV hat bereits insgesamt rund 40 000 Menschen Termine für die Erst- und Zweitimpfung zugeteilt. Seit Beginn der Impfkampagne vor zwei Wochen haben nach Angaben des Sozialministeriums 13 000 Thüringer die erste Impfung erhalten.

 

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