Veronica Witzgall hat mit der Note "0,81" ein Abi-Traumergebnis erzielt. Ab diesem Herbst will sie Medizin studieren.
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Beim Gespräch auf dem sonnigen Balkon ihres Elternhauses ist es natürlich genau dieses Ergebnis, das als Erstes erklärt werden will. Denn die beste Bewertung in einem Fach sind jeweils 15 Punkte. Wer nur dieses Ergebnis in allen Fächern erzielt, würde auf 900 Punkte kommen. "Mit nur 14 Punkten überall hätte man bereits einen Schnitt von 1,0", erklärte Veronica Witzgall. Bereits ab 823 Punkten könnte also eine glatte Eins erreicht werden - als "schlechteste 1,0" sozusagen. Im Falle von Veronica sind übrigens vier Mal 13 Punkte, Eins minus, die "schlechtesten" Noten in ihrem exzellenten Abiturzeugnis.
Ein Traumergebnis, das für viele Gymnasiasten unerreichbar ist. "Ich hatte von Anfang an sehr gute Noten in der Schule", sagt die Tochter eines Arztes und einer Rechtsanwältin. Dennoch habe sie nicht nur den ganzen Tag gelernt. "Von kleinauf habe ich viel gelesen und ich denke, diese Lesekompetenz hat mir in allen Fächern weitergeholfen." Veronica Witzgall ist als Jahrgangssprecherin und Jahrgangsbeste am Caspar-Vischer-Gymnasium dennoch recht bescheiden. Dabei erhielt sie für das beste Abitur in Latein eine Auszeichnung des Landesverbands Bayern im Deutschen Altphilologenverband. Neben den Pflichtfächern Mathematik und Deutsch waren ihre weiteren Abiturfächer Geschichte und Musik. Denn Veronica ist auch sehr musikalisch: Seit elf Jahren spielt sie Klavier und seit zehn Jahren Saxofon. Zuerst war sie in der Bläserklasse des Thurnauer Musikvereins, dann trat sie mit der Big Band und dem Bläserensemble ihrer Schule auf. Musik war eines ihrer mündlichen Prüfungsfächer. Doch für ein Musik-Studium interessiert sie sich nicht. "Ich würde mir wünschen, nach Erlangen zu kommen, um dort Medizin zu studieren." Ihr Vater Thomas Witzgall ist Allgemeinarzt, sein Vater, Veronicas Großvater, war ebenfalls Arzt. "Mein Vater hat mich nicht dazu gedrängt, aber er hat sich sehr gefreut." Medizin habe sie schon immer interessiert und auch das Fach Biologie.
Jetzt hofft sie, dass das mit dem Studienplatz in Erlangen klappt. Obwohl das bei ihrer Abiturnote kein Problem sein dürfte, nahm sie vorsichtshalber am Medizinertest in Bamberg teil. Für viele Abiturienten ist ein gutes Abschneiden in dem Test die einzige Möglichkeit, einen der begehrten Medizinstudienplätze zu bekommen. Sechs Stunden lang dauerte die Prüfung.
Vorerst das Ende eines langen Lernmarathons, der schon in der Oberstufe begann. Die Gymnasiastin besuchte bis dahin den neusprachlichen Zweig. Obwohl das CVG Pilotschule für die Mittelstufe Plus ist, entschied sie sich für ein Abitur nach acht Schuljahren. "Ich hatte ja keine größeren Probleme. In den Sprachen war es relativ viel Stoff, aber durchaus machbar." Ein regelrechtes "Hass-Fach", wie es für manchen Schüler Mathe ist, hatte sie nie. "Mathe war zwar nicht mein bester Freund, aber ab der zehnten Klasse ging es." Die Phase vor dem Abitur in diesem Jahr dürfte jedoch einzigartig gewesen sein. Zumal die Schüler anfangs überhaupt nicht wussten, ob die Abiturprüfungen überhaupt und, wenn ja, wann stattfinden würden. "Wir waren vom 15. März bis zum 27. April daheim. Aber wir waren die Ersten, die wieder in die Schule durften." Fehlende Klausuren konnten nicht mehr nachgeholt werden, die Zeit drängte. Das Kultusministerium verschob die Prüfungstermine schließlich nach hinten. "Jeder ist zum Einzelkämpfer geworden", sagt Veronica Witzgall rückblickend. Nur über Skype habe man versuchen können, miteinander zu lernen. "Ich denke, wir sind noch mit einem blauen Auge davongekommen."
Das bayernweite Abiturergebnis fiel keineswegs schlecht aus. Die Durchschnittsnote der 35 000 Jungen und Mädchen an Bayerns Gymnasien lag bei 2,25. Die Note "1,0" erreichten nur 2,61 Prozent der Abiturienten. Abischerz und Abiball fielen coronabedingt aus. Auch die geplante Reise nach Stockholm musste Veronica wieder stornieren. Wenn alles klappt, liegen bald sechs Jahre Medizinstudium plus Facharztausbildung vor ihr. In welche Fachrichtung es einmal gehen wird und ob sie womöglich eines Tages die Praxis ihres Vaters übernimmt, weiß sie noch nicht. "Das lasse ich alles auf mich zukommen."