Thurnau Vom Handwerker zum Künstler

Museumsleiterin Sandra Peters zeigt einige Holzschnitte von Günther Stüdemann, die in der Sonderausstellung im Thurnauer Töpfermuseum erstmals öffentlich zu sehen sind. Foto: Stephan Herbert Fuchs

Hommage an den Gründervater: Das Thurnauer Töpfermuseum ehrt Günther Stüdemann mit einer Ausstellung. Es zeigt einen Querschnitt seines umfangreichen Lebenswerks.

Thurnau - Zu Ehren des vielseitigen Malers und Keramikkünstlers Günther Stüdemann (1890 - 1981) findet im Töpfermuseum Thurnau derzeit eine umfangreiche Retrospektive statt. Stüdemann hatte mit seiner Frau Luise das Töpfermuseum gegründet, dessen Anfänge ins Jahr 1978 zurückreichen. Der später in Thurnau lebende Künstler wurde vor 130 Jahren geboren.

Öffnungszeiten

Die Sonderausstellung "Günther Stüdemann - Maler. Keramiker. Mentor" ist bis zum 6. Januar 2021 im Töpfermuseum, Kirchplatz 12, in 95349 Thurnau zu sehen.

Öffnungszeiten sind jeweils Dienstag bis Freitag zwischen 14 und 17 Uhr sowie Samstag und Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr.

Aufgrund der Corona-Pandemie dürfen derzeit immer nur 20 Personen gleichzeitig in das Museum, eine Mund-Nasen-Bedeckung ist Pflicht.


"Günther Stüdemann hat eine Riesenbedeutung für den Ort und war ein echter Glücksfall für Thurnau", sagt Museumsleiterin Sandra Peters. Die Sonderausstellung stelle diese bedeutende Persönlichkeit erstmals in seiner Gesamtheit als Künstler vor. Möglich mache dies ein Nachlass von Erben Stüdemanns, den das Museum 2015 bekommen hatte. Zu sehen sind dabei nicht nur keramische Arbeiten, die ohnehin einen wesentlichen Bestandteil des Museums ausmachen und die zur Dauerausstellung gehören. Die Sonderschau zeigt erstmals auch Zeichnungen, Gemälde, Holzschnitte, Illustrationen und dabei auch sehr frühe Werke, die zurück bis in die Jahre 1913/1914 gehen.

Günther Stüdemann wurde in Berlin geboren und wuchs in Hamburg auf. Er besuchte die Landeskunstschule in Hamburg und die Lewin-Funcke Akademie in Berlin als Schüler von Martin Brandenburg. Schon im Alter von 21 Jahren nahm er an den Ausstellungen der Freien Sezession München und Berlin teil, wo er unter anderem zusammen mit Max Liebermann ausstellte. Als Maler sah sich Stüdemann selbst als "Vertreter der neuen Sachlichkeit". Er sei ein bedeutender Maler seiner Zeit gewesen, so Sandra Peters.

Von 1924 bis 1928 lebte Stüdemann in Italien. Hier kam er erstmals mit Keramik in Berührung. In Vietri sul Mare (Provinz Salerno) gründete er eine Töpferwerkstatt und erlernte autodidaktisch die Kunst des Töpferns und der Fayencemalerei. Beeinflusst von Künstlerpersönlichkeiten wie Richard Dölker, Irena Kowaliska, Margarete Thewalt Hannasch oder Marianne Amos entwickelte er einen eigenen Stil, mit dem er als "Deutscher Mittelmeerkünstler" international bekannt wurde.

Nach Aufenthalten in Berlin und in Spanien war Stüdemann 1939 über das Deutsche Heimatwerk nach Thurnau gekommen, wo er sich sofort für die hiesige Töpfertradition begeisterte und die "Keramische Werkstatt Stüdemann" gründete. "Die Töpferei lag hier damals am Boden", sagt Sandra Peters. Günther Stüdemann habe es geschafft, einen Umschwung in die Wege zu leiten. Auch hier näherte er sich dem Töpferhandwerk von der künstlerischen Seite, experimentierte, entwickelt sich stetig weiter und vollzog den Wandel vom Handwerk zum Kunsthandwerk. 1952 erhielt er als erster deutscher Keramiker die Goldmedaille des Bayerischen Staatspreises.

"Zeit seines Lebens hat Günther Stüdemann viel experimentiert", stellte Sandra Peters fest. So habe er beispielsweise eine Fayencetechnik entwickelt, die es möglich machte, Keramik direkt zu bemalen. Er sei eben nie stehen geblieben, sondern habe sich immer weiterentwickelt. Auch die Ausbildung von jungen Leuten war ihm stets ein großes Anliegen. 30 Gesellen- und vier Meisterprüfungen wurden bei ihm abgelegt, obwohl er selbst nie eine Meisterprüfung gemacht hatte. Neben der Grundlagenvermittlung motivierte er seine Schüler dazu "allmählich immer selbstständiger zu schaffen und mit den Jahren zu hoher Meisterschaft zu gelangen". Das hinderte ihn freilich nicht daran, immer wieder auch Gebrauchsgeschirr zu töpfern, das auf der Rückseite sein Werkstattzeichen, einen Fisch, trägt.

Der Einfluss Stüdemanns auf das Werk seiner Schüler, unter ihnen Lore Cyris, Heinz und Eveline Schnauder und seine "Patentochter" Susanne Schunter-Kleemann, deren Arbeiten auszugsweise in der Ausstellung zu sehen sind, bleibt dabei unverkennbar.

 

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