Timo Baumgartls Diagnose Hodenkrebs: So wichtig ist die Vorsorge

Werner Ludwig
Timo Baumgartl Foto: dpa/Daniel Karmann

Beim Ex-VfB-Spieler Timo Baumgartl wurde die Krankheit früh erkannt. Was Männer über Hodenkrebs wissen sollten.

Der Fußballer Timo Baumgartl vom 1. FC Union Berlin hat seine Hodenkrebs-Diagnose öffentlich gemacht. Der Tumor wurde bereits erfolgreich entfernt. „Glücklicherweise gehe ich seit einigen Jahren zur Vorsorge. Ich bin sehr dankbar für die schnelle, klare Diagnose und für die inzwischen erfolgte, gut verlaufene Operation“, sagte der 26-Jährige, der früher beim VfB Stuttgart spielte. Eine frühe Diagnose ist bei Hodenkrebs entscheidend. „Wird die Krankheit frühzeitig erkannt und adäquat therapiert, beträgt die Heilungsquote nahezu 100 Prozent“, sagt Mark Schrader, Chefarzt der Klinik für Urologie am Helios Klinikum in Berlin-Buch. Werde der Krebs dagegen erst im stark metastasierenden Stadium festgestellt, liege diese Quote nur noch bei 70 Prozent.

Monatliche Selbstuntersuchung

Wichtig ist die regelmäßige Selbstkontrolle. „80 Prozent der Hodentumoren werden in einem Frühstadium von Patienten selbst erkannt“, sagt Schrader. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt Männern zwischen 14 und 45 einen monatlichen „Hodencheck“. Dabei sollte man auf tastbare, schmerzlose, harte Schwellungen des Hodens oder Knoten im oder am Hoden achten. Tipps zur Selbstuntersuchung gibt es unter www.hodencheck.de. Wer dabei verdächtige Veränderungen wahrnimmt, sollte sich an einen Urologen wenden. Dieser klärt zunächst mit Ultraschall, ob eine Gefahr besteht. Je nach Ergebnis folgen Blutuntersuchungen zur Erkennung von Tumormarkern, Hormonmessungen und Gewebeuntersuchungen. Bei einem positiven Befund wird unter anderem per Computertomografie untersucht, ob der Krebs gestreut und andere Organe befallen hat.

Vergleichsweise selten

Die Behandlung beginnt in der Regel mit der Entfernung des kranken Hodens. Wenn sich der Krebs noch nicht im Körper ausgebreitet hat, folgen je nach Risikoeinschätzung regelmäßige Kontrollen, Bestrahlungen oder eine Chemotherapie. Weil Hodenkrebs mit einem Anteil von 1,6 Prozent aller Krebsdiagnosen bei Männern relativ selten ist, hätten viele Praxen keine größere Erfahrung damit, sagt der Urologe Schrader. Er empfiehlt daher, nach einer Hodenkrebsdiagnose eine Zweitmeinung einzuholen. Ärzte könnten sich dazu online an ein Netz von 30 Zweitmeinungszentren wenden. Wichtig sei auch die Beratung zu möglichen Folgen für die Zeugungsfähigkeit. Je nach Behandlung könne es sinnvoll sein, vor Beginn Sperma einzufrieren.

 

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