Todkrank Streamer sammelt Geld für Yigit

Marius Zötzl streamt unter dem Namen „geeneruniverse“. Foto: red

Der knapp zwei Jahre alte Junge müsste sterben, wenn er keine Gentherapie bekommt. Marius Zötzl aus Marktredwitz will der Familie im Kampf gegen SMA Typ 1 helfen.

Marktredwitz - Der kleine Yigit liegt apathisch in seinem Bettchen, hängt an einem Schlauch, wird beatmet. Der 22 Monate alte Junge leidet an einer seltenen Krankheit mit dem Namen SMA Typ 1. Der Tod tritt meist in den ersten beiden Lebensjahren durch Ateminsuffizienz oder Infektion ein.

Damit der kleine Türke leben kann, gibt es nur eine Möglichkeit: eine Gentherapie. Und die ist zeitlich begrenzt, muss vor seinem zweiten Geburtstag starten.

Das Schicksal von Yigit hat Marius Zötzl sehr berührt. Und deshalb war es für den Streamer aus Marktredwitz mit dem Namen „geeneruniverse“ keine Frage, seine Follower im Netz um Spenden für den schwerst kranken Jungen zu bitten. Und tatsächlich kamen binnen 72 Stunden 7360 Euro für Yigit zusammen.

2,25 Millionen Euro für Therapie

Auch wenn dies angesichts der Summe, die die Gentherapie kostet – nämlich 2,25 Millionen US-Dollar –, wie der Tropfen auf den heißen Stein anmuten mag, gibt es im Internet weltweit viele Menschen, die sich ebenso für die Heilung des Kleinen einsetzen wie Marius Zötzl.

„Yigit litt heute an Erstickungsgefahr und sein Fieber ist wieder gestiegen. 38,5! Jetzt wird er wieder die Sonde durch die Nase bekommen, wieder leiden, wieder weinen. Yigit ist erschöpft und müde. Bitte helft uns! Wir möchten unseren Sohn nicht verlieren.“

Dieser Aufruf der Eltern auf Instagram und anderen Kanälen im Netz hat den Marktredwitzer aufhorchen lassen. „Helft uns, Yigit zu retten, ihm eine normale Kindheit zu ermöglichen. Schaut nicht weg! Es könnte auch Dein Kind treffen!“, flehen die Eltern von Yigit.

72-Stunden-Stream

Es ist nicht die erste Spendenaktion, die Marius Zötzl in seinem Studio durchzieht. „Im Dezember kamen für krebskranke Kinder schon knapp 4000 Euro zusammen“, erzählt der 29-Jährige in seinem Studio. „In Deutschland übernimmt die Krankenkasse die äußerst teure Gentherapie, nicht aber in der Türkei.“ Deshalb seien die Eltern auf Unterstützung angewiesen, sagt der Streamer, der nicht nur gelernter Friseurmeister ist, sondern gerade in Hof seine Bachelorarbeit in digitalem Business schreibt.

„Es war an der Zeit, wieder etwas Gutes zu tun“, sagt er – und lud seine Zuschauer und -hörer im Netz zu einem 72-Stunden-Stream ein, in dem Zötzl permanent vor der Kamera zu sehen war.

Gute Werte vermitteln

Drei Kameras folgten dem Marktredwitzer sogar im Schlaf, wenn er seine Beiträge im Netz einmal unterbrach, um sich auf dem Sofa ein Nickerchen zu gönnen. Der Spendenaufruf blieb währenddessen online, und Marius Zötzl konnte sich darüber freuen, dass seine Follower ihre Geldbeutel für den kleinen Yigit Akkaya öffneten.

„Die Eltern sind ultra-dankbar“, sagt der Streamer. „Ich finde, da muss man sich nicht bedanken.“. Für ihn habe die Aktion auch einen Hintergrund. „Ich habe ja als geeneruniverse eine Plattform für junge Leute. Und es ist auf diesem Weg eine prima Möglichkeit, gute Werte zu vermitteln.“

Yigit Akkaya – an SMA Typ 1 erkrankt
SMA Typ 1: In der Regel zeigt sich die SMA bereits im Alter von null bis sechs Monaten, die Babys können nur liegen, aber nie sitzen. SMA ist eine spinale Muskelatrophie, quasi ein Muskelschwund, der durch einen fortschreitenden Untergang von motorischen Nervenzellen im Vorderhorn des Rückenmarks verursacht wird. Die Krankheit tritt nur selten auf. Der Rückgang dieser sogenannten 2. Motoneurone bewirkt, dass Impulse nicht an die Muskeln weitergeleitet werden. Lähmungen mit den Charakteristika Muskelschwund (Atrophie) und verminderte Muskelspannung sind die Folge. Sind Hirnnerven betroffen, kommt es auch zu Einschränkungen der Schluck-, Kau- und Sprechfunktionen.

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