Tote Dreijährige in Helmbrechts Der Bruder entfachte wohl das Feuer

Die Feuerwehr bemühte sich, die kleine Mia-Sophie zu retten, war aber chancenlos. Foto:  

Die Ursache für den Brand in Helmbrechts, bei dem die dreijährige Mia-Sophie ihr Leben verlor, ist nun ermittelt. Die Eltern des kleinen Mädchens werden dafür nicht belangt.

Helmbrechts - Über fünf Monate ist es nun her, dass ein Dachgeschossbrand Helmbrechts in eine Schockstarre versetzte. Die dreijährige Mia-Sophie hatte in den Flammen ihr Leben verloren. Stundenlang hatte die Feuerwehr mit Atemschutzträgern versucht, zu dem vermissten Mädchen vorzudringen. Als sie es schließlich, nachdem der Brand gelöscht war, fanden, konnte der Notarzt nur noch den Tod feststellen.

Zur Brandursache hatten sich Polizei und Staatsanwaltschaft seitdem trotz mehrmaliger Anfrage unserer Zeitung nicht geäußert, mit Verweis auf laufende Ermittlungen. Die allerdings sind nun abgeschlossen. Das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Hof vermelden in einer gemeinsamen Pressemitteilung: „Laut Gutachten des Bayerischen Landeskriminalamtes wurde das Feuer durch menschliches Handeln verursacht.“ Die Ermittler gehen davon aus, dass Mia-Sophies sechsjähriger Bruder den Brand beim Spielen mit einem Feuerzeug verursacht hat.

Wie aus der Mitteilung hervorgeht, stellte sich im Rahmen der umfangreichen Ermittlungen heraus, dass sich die drei Kinder der Familie im Alter von 14, sechs und drei Jahren zum Zeitpunkt des Brandausbruchs zu Hause aufgehalten hatten. Lediglich die beiden Jüngeren befanden sich zum Spielen auf dem Dachboden. Wie berichtet, waren die Kinder, als das Unglück passierte, unbeaufsichtigt. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatten die Eltern, Michael und Sarah S., angegeben, kurz zum Einkaufen in einen nahe gelegenen Supermarkt gefahren zu sein. Die 14-jährige Tochter hätten sie damit beauftragt, auf ihre jüngeren Geschwister aufzupassen.

Was passierte, als schließlich das Unglück seinen Lauf genommen hatte, rekonstruieren die Ermittler so: „Nachdem die 14-Jährige von dem Feuer auf dem Dachboden erfahren hat, versuchte sie, ihre Schwester zu retten. Dies gelang ihr jedoch aufgrund der Flammen und der starken Rauchentwicklung nicht mehr, weshalb sie zusammen mit ihrem Bruder das Haus verlassen musste.“ Wie die rechtsmedizinische Untersuchung ergab, starb das dreijährige Mädchen an einer Rauchgasvergiftung.

Wie nun bekannt ist, leitete die Staatsanwaltschaft Hof ein Ermittlungsverfahren gegen die Eltern wegen fahrlässiger Tötung aufgrund einer Verletzung der Aufsichtspflicht ein. Von einer Strafe sieht sie jedoch mit Zustimmung des Amtsgerichts Hof ab: Schließlich hat Familie S. durch den Tod der kleinen Tochter ohnehin ein schwerer Schicksalsschlag ereilt.

Ausgebrochen war das Feuer am Nachmittag des 24. Oktober, einem Samstag. Gegen 15.50 Uhr war der Notruf über den Wohnhausbrand in der Hochstraße eingegangen. Zahlreiche Einsatzkräfte der örtlichen Feuerwehren, des Rettungsdienstes und der Polizei kamen daraufhin zum Brandort. Bis auf das dreijährige Mädchen hatten sich alle anwesenden Personen ins Freie retten können. Der unterdessen wieder nach Hause zurückgekehrte Familienvater versuchte jedoch, in seine Wohnung vorzudringen – in einem verzweifelten Versuch, sein Kind vor der Feuertod zu bewahren. Polizisten und Feuerwehrleute mussten ihn daraufhin zu Boden bringen und fesseln. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung warf Michael S. den Einsatzkräften vor: „Ich wurde behandelt wie ein Schwerverbrecher.“ Eine Aussage, für die er sich wenig später im Gespräch mit unserer Zeitung entschuldigte.

In besagtem Interview hatte der Vater zudem die Vermutung geäußert, offen liegende Stromkabel im benachbarten Dachboden-Abteil könnten als Brandursache infrage kommen. In diesem Zuge waren schlimme Vorwürfe gegenüber der Immobilienfirma laut geworden, in deren Besitz sich das Anwesen befindet. Bei Recherchen unserer Zeitung hatten mehrere Personen Vorwürfe erhoben, das Unternehmen kümmere sich nicht um Mängel in seinen Immobilien und nehme so Gefahren für Leib und Leben billigend in Kauf. Der Verdacht, eine Fahrlässigkeit des Vermieters könnte die kleine Mia-Sophie das Leben gekostet haben, erhärtete sich bei den Ermittlungen nicht: „Eine technische Ursache und bauliche Mängel konnten zweifelsfrei als brandursächlich ausgeschlossen werden“, heißt es nun in der Mitteilung von Polizeipräsidium und Staatsanwaltschaft.

Inzwischen wohnt Familie S., die durch den Brand ihr Hab und Gut verloren, obdachlos geworden und bei Freunden in Schwarzenbach an der Saale untergekommen war, wieder in einer Wohnung in Helm­brechts. Die Helmbrechtser hatten sich solidarisch gezeigt und über Facebook Spendenaktionen organisiert. Auch die Stadtverwaltung bot ihre Unterstützung an. Mithilfe der so gesammelten Spenden war es der Familie möglich, sich die neue Wohnung einzurichten und das Begräbnis Mia-Sophies zu bezahlen.

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