Trauer in Marktredwitz Pfarrer Klaus Wening ist tot

Christl Schemm

Der Geistliche wurde nur 63 Jahre alt. Neben seinem Engagement für die Kirche wird er vor allem als „Vater“ und Unterstützer von Geflüchteten in Erinnerung bleiben.

Ob im persönlichen Gespräch oder über Telefon: Pfarrer Klaus Wening setzte sich immer für Menschen ein. Foto: Matthias Bäumler

Pfarrer Klaus Wening ist tot. Er starb am Donnerstagvormittag völlig überraschend im Alter von nur 63 Jahren. Seit November 2023 hatte der Geistliche die erste Pfarrstelle in Marktredwitz inne und war außerdem stellvertretender Dekan. Er hinterlässt seine Mutter und seinen Pflegesohn Ahmad Hajmohamad, den er eigentlich hatte adoptieren wollen.

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„Ein guter Mensch“

Für den Syrer, der in Marktredwitz das Restaurant „Shahba Rose“ betreibt und zwei Jahre lang im Pfarrhaus von Klaus Wening lebte, ist die Nachricht vom Tod seines Ziehvaters ein Schock. „Alles, was ich gemacht habe, hätte ich ohne Klaus und seine Mutter nicht geschafft“, sagt der Syrer. Er wird Wening für immer dankbar sein.

Das gilt nicht nur für ihn. Denn im Laufe der Jahre hatte sich Klaus Wening vieler Geflüchteter angenommen, bot Kirchenasyl und etlichen weiteren Menschen, die aus ihrem Heimatland fliehen hatten müssen, ein Zuhause auf Zeit. Unter anderem einer syrischen Familie aus Selb, die abgeschoben hätte werden sollen, obwohl die Mutter schwanger war. „Meine Mutter musste damals, als wir abgeschoben werden sollten, vom Flughafen aus ins Krankenhaus in München, und wir Kinder durften zu Pfarrer Wening kommen“, erzählt Mohammad Sawas. Er musste nach Lettland ausreisen, als er 18 Jahre alt wurde. Die Familie wurde wiederum auseinandergerissen.

„Klaus war wirklich ein sehr guter Mensch“, sagt Mohammad Sawas, als wir ihn in Riga am Telefon erreichen. Auch für ihn ist die Nachricht vom Tod Wenings eine Hiobsbotschaft. „Ich wollte ihn in den nächsten Tagen besuchen. Ich wollte ihn unbedingt sehen, bei ihm übernachten und mit ihm ein Bier trinken“, sagt der Syrer.

Pfarrer Wening war ein Kämpfer für Geflüchtete. Immer wieder machte er sich dafür stark, dass diese ohnehin vom Schicksal schwer gebeutelten Menschen zu ihrem Recht kamen und setzte sich mit Behörden auseinander. Vor allem aber bot der warmherzige Pfarrer diesen Menschen Respekt, Anerkennung und emotionale Unterstützung, wurde für etliche von ihnen zum Ersatzvater.

„Kirche muss politisch sein“

Aus Wenings Sicht trägt auch die Kirche Verantwortung für Geflüchtete, die in Deutschland leben. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte er vor einiger Zeit: „Kirche muss politisch sein, zwar keine Parteipolitik betreiben, sich aber zu gesellschaftlichen Fragen äußern. Wir müssen miteinander reden, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung und unterschiedlichen Glaubens sind.“ Dazu gehöre auch, dass Muslime und Christen im Gespräch bleiben. „Christen und Muslime kommen als Menschen miteinander aus.“

Auch innerhalb des Dekanats Wunsiedel hat sich Pfarrer Klaus Wening großen Respekt erworben. Neben seinem Amt als Pfarrer und stellvertretender Dekan war er im Gemeindediakonieverein, in der gGmbH für Kindertagesstätten, in der Notfallseelsorge und als Beauftragter für Lektorinnen und Lektoren sowie Prädikantinnen und Prädikanten tätig.

„Er war ein Guter“, sagt Peter Bauer. „Jemand, der vom Geistlichen her gedacht, abgewogen und dann Dinge umgesetzt hat.“ Klaus Wening habe mit allen Menschen reden können, weiß der Wunsiedler Dekan – und ist sich sicher: „Dort, wo Klaus jetzt ist, wird er noch mehr strahlen, als er hier gestrahlt hat. Dort gibt es keine Brechungen mehr.“