Treffen des Dekanats Selb Die Kirche in Corona-Zeiten

Jürgen Henkel
Neue Orte der Andacht haben die Kirchen während der Pandemie entdeckt. Foto: dpa/Jan Woitas

Die Synode des Dekanats Selb beschäftigt sich mit der Pfarrstellenentwicklung und kirchlichem Handeln während der Pandemie. Es wurden neue Orte der Andacht entdeckt.

Selb-Plößberg - Lange gab es Corona-bedingt keine Präsenzsynoden mehr, umso größer war die Freude über die hohe Teilnehmerzahl bei der jüngsten Dekanatssynode des evangelischen Dekanats Selb: Alle nach Corona-Vorgaben möglichen Plätze waren besetzt. Es waren Delegierte aus allen Kirchengemeinden nebst Pfarrern des Dekanats gekommen, die Dekan Dr. Volker Pröbstl willkommen hieß. Die Lage der Kirche in Corona-Zeiten und die Pfarrstellenentwicklung waren bestimmende Themen des Treffens.

Pröbstl machte in seinem Bericht deutlich: „Wir haben in den vergangenen Monaten darum gerungen, wie wir unter Corona-Bedingungen unsere Angebote als Kirche aufrechterhalten können.“ Wichtige Fragen seien dabei gewesen: „Was geht, was müssen wir regeln, was dürfen wir nicht? Wo müssen wir ordnen? Es geht darum, dass die Kirche lebendig bleibt! Dafür setzen wir uns ein.“

Beispiele für kirchliches Handeln in Corona-Zeiten

Der Dekan nannte Beispiele für kirchliches Handeln im Dekanat in Corona-Zeiten: „Da gab es die Kurzandachten auf dem Anrufbeantworter in Marktleuthen und Kirchenlamitz. Wer in die Kirche kam, fand oft eine liebevoll gestaltete Predigt ausgedruckt zum Mitnehmen bereit. In Erkersreuth lag sie auch im Bushäuschen.“ Viele Kollegen hätten Video-Gottesdienste und Zoom-Andachten gestaltet. „Dass unser Dekanatsbezirk mit bisher sechs TVO-Gottesdiensten präsent war, war eine große Leistung. Wo es möglich war, fanden Andachten und der Gottesdienst im Freien statt. Wir haben neue Orte für den Gottesdienst entdeckt.“

Auch die Altenheimseelsorge, die Jugendarbeit und den Religionsunterricht unter Corona-Bedingungen erwähnte Pröbstl. „An die Stelle der Hausbesuche haben die Diakonin Elisabeth Richter und die Dekanatsjugendreferentin Miriam Zöllner, sobald es ging, Spaziergänge gestellt. In fantasievollen Unterrichtsentwürfen gab es für Schüler, die zu Hause lernen sollten, nicht nur Arbeitsblätter, sondern kreative Aufträge. Und das Experiment einer Bibelwoche auf Zoom war spannend.“ Für Dekan Pröbstl sind in der aktuellen Lage vor allem drei Haltungen wichtig: „Kreativität, Sorgfalt und Ernsthaftigkeit.“

„Es wird künftig sehr viel weniger Pfarrer geben.“

Pfarrerin Daniela Schmid kündigte als Mitglied der Landessynode an: „Es wird künftig sehr viel weniger Pfarrer geben. Wichtig ist, dass nun berufsgruppenübersteigende Stellenbesetzungen möglich sind. Wir müssen als Kirche festhalten an dem, was wirklich wichtig ist.“

Die Berichte aus den Arbeitsbereichen des Dekanats zeigten auf, dass auch während der Corona-Pandemie das kirchliche Leben weiterging. Die Jugendreferentinnen Stefanie Unglaub (Wunsiedel) und Miriam Zöllner (Selb) freuten sich, dass im Sommer 2021 auch dank Unterstützung der Stadt Selb wieder der „Kindermitmachzirkus Peperoni“ stattfinden konnte. Beide betonten, dass vor allem das Gemeindebegleitprojekt und die Mitwirkung bei der Konfirmandenarbeit gute Anknüpfungspunkte für die Jugendarbeit seien.

Aufgabenbereich weiter gewachsen

Für den Zweckverband der Kindertagesstätten, in dem Einrichtungen aus Kirchenlamitz, Marktleuthen, der Christuskirche Selb, der Stadtkirche Selb und aus Thierstein zusammengeschlossen sind, erstattete Pfarrerin Sandra Herold als Vorsitzende Bericht: „Unser Aufgabenbereich ist auch 2021 weiter gewachsen. Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen ist weiterhin hoch und steigend, sodass in verschiedenen Orten Erweiterungen oder Notbetreuung eingerichtet wurden oder in Planung sind.“ Mit erheblicher Mehrarbeit sei die Umsetzung aller Corona-Auflagen verbunden gewesen. Man habe deshalb Personal aufstocken müssen. Seit September arbeiten neben Geschäftsführerin Regina Kastner eine Assistentin und eine Sekretärin im Zweckverband. Laut Herold will der Zweckverband mit einer neuen Satzung die Anerkennung als Körperschaft des Öffentlichen Rechts durch die Bayerische Staatsregierung erreichen.

Krankenhaus- und Altenseelsorge

Über die Krankenhaus- und Altenseelsorge berichtete Diakonin Elisabeth Richter. Sie betonte: „Wir freuen uns, dass nun wieder Besuche durch die Klinikseelsorge zugelassen sind. Die wöchentlichen Gottesdienste konnten bis auf wenige Monate wegen des Lockdowns immer stattfinden, allerdings nur mit Übertragung in die Patientenzimmer. Die Gruppenarbeit gestaltet sich nach wie vor schwierig wegen der Abstandsregelungen.“ Über die aktuellen Entwicklungen beim neuen dekanatsübergreifenden Evangelischen Bildungswerk Hochfranken informierte Dekan Volker Pröbstl als dessen Vorsitzender.

Ein bewegender Moment beschloss die Synode. Pfarrer Pavel Kučera aus Asch, der Ende dieses Jahres in Ruhestand geht und über Jahrzehnte die Partnerschaft zwischen dem Dekanat Asch und dem Seniorrat Westböhmen der Böhmischen Brüder mitgestaltet hat, sprach das Schlussgebet und erteilte den Besuchern den Segen.

 

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