"Wir leben in einer Zeit, in der vieles digital, künstlich oder von Algorithmen geprägt ist. Hier sieht man Menschen, die mit ihrem Körper und Ehrgeiz etwas Außergewöhnliches leisten", sagt "Ninja Warrior Germany"-Moderator Jan Köppen. "Das kann keine Maschine übernehmen." Denn das wecke Emotionen. "Ich denke auch, dass sich so der aktuelle Boom bei Ultraläufen oder Marathons erklären lässt", sagt Köppen.
Die Schönheit des Scheiterns
KI-Systeme suggerieren zugleich, dass sie fehlerfrei funktionieren. In der Realität ist das oft gar nicht der Fall, die Botschaft lautet dennoch: Ich bin maximal effizient. Das mag im Arbeitsalltag sehr nützlich sein, Perfektion ist beeindruckend - aber sie ist miserables Fernsehen. Der Reiz von Formaten wie "Gladiators" oder "Ninja Warrior Germany" liegt auch im möglichen Scheitern.
Wer im letzten Moment von einem Podest stürzt oder blöderweise um ein paar Millimeter am Ziel vorbeigreift, verpasst womöglich viel Preisgeld. Zugleich sorgt er aber dafür, dass es für das Publikum spannend bleibt. Die Fallhöhe ist in derlei Sendungen nicht nur eine Metapher - man kann sie sogar sehen.
Nostalgie in einem neuen Kontext
Das alte "American Gladiators" war aus heutiger Sicht eine Art Vermählung von Neonfarben, Dauerwellen und Eiweißshakes: buntes Popcorn-Fernsehen.
In Deutschland moderierte laut "Fernsehlexikon" (Reufsteck/Niggemeier) anfangs eine "witzig gemeinte Gummipuppe namens Joe Kutowski", die als Parodie auf Arnold Schwarzenegger gelesen werden konnte, die Wettkämpfe. Im Fernsehen gab es damals Ideen, die schon beim ersten Erzählen wie ein Fiebertraum wirken.
Damals war das Spektakel purer Eskapismus in eine Fantasie-Welt, die von futuristischen Kämpfern bevölkert wurde. Eskapismus ist es womöglich heute auch noch, aber in die andere Richtung - zurück in eine Zeit, in der Herausforderungen noch sichtbar, physisch und klar definiert erschienen. Zum Beispiel: Mensch gegen Gladiator. Und nicht abstrakt wie Mensch gegen Automatisierung oder Deepfake.
In einer Welt voller Algorithmen wirkt ein Muskelprotz plötzlich erstaunlich beruhigend.